Die Familie von Oppenheim ist wirklich auรergewรถhnlich: Sie hat einige bedeutende Bankiers hervorgebracht und das Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA war bis zur รbernahme durch die Deutsche Bank im Jahr 2009 das grรถรte unabhรคngige Kreditinstitut Europas. Zudem setzte sich die Privatbankiersfamilie dafรผr ein, dass 1853 die Darmstรคdter Bank fรผr Handel und Industrie, die erste Groรbank in Deutschland, รถffnen konnte.
Begonnen hat die Geschichte des Von-Oppenheim-Imperiums im Jahr 1789. Damals grรผndete Salomon Oppenheim Junior (1772 bis 1828) gemeinsam mit dem einflussreichen Bankier und Silberhรคndler Samuel Wolff ein Kommissions- und Wechselhaus in Bonn: die Bank Sal. Opยญpenยญheim jr. & Cie.
Wichtig fรผr den Geschรคftserfolg des Geldhauses war die Verlegung des Geschรคfts 1798 von Bonn nach Kรถln. Denn in der Domstadt wurde das Ansiedlungsverbot fรผr Juden aufgehoben und jรผdische Bรผrger hatten hier generell mehr Freiheiten. So wurde Salomon Oppenheim junior in Kรถln bald zu einem erfolgreichen Bankier.
Das lag vor allem auch daran, dass Oppenheim bei den damals neu aufkommenden Aktiengesellschaften groรes Geschรคft witterte. Salomon Oppenheim junior war das erste Familienmitglied, das Reichtum erwirtschaftete. Seinen Sรถhnen Simon und Abraham ist es zu verdanken, dass die Familie fortan ein โvonโ im Namen tragen darf.
Familie von Oppenheim: Bankiers seit Generationen
Auch in spรคteren Generation bewies die Familie von Oppenheim wirtschaftliches Geschick. Besonders Alfred Paul Ernst Freiherr von Oppenheim, der am 5. Mai 1934 in Kรถln geboren wurde. Er ist in der sechsten Generation der Bankiersfamilie und gilt als einer der einflussreichsten deutschen Privatbankiers.
Das Abitur machte Alfred in Lausanne. Er studierte am Amherst College in Boston. 1960 macht er seinen MBA in Harvard. 1964, im Alter von 30 Jahren, wurde Baron von Oppenheim persรถnlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim und spรคter auch Sprecher der Gesellschafter. Das Familiengeschรคft รผbernahm er 1978 und fรผhrte es vier Jahrzehnte lang mit groรem Erfolg. Er trug maรgeblich dazu bei, dass sich die traditionsreiche Privatbank zu einer integrierten Vermรถgensverwaltungs- und Investmentbank entwickelte.
Wรคhrend der Zeit an der Spitze von Sal.Oppenheim nahm Alfred Freiherr von Oppenheim grundlegende Verรคnderungen im Bankhaus vor. So weitete er das Geschรคft international aus und verkaufte 1989 die Mehrheitsbeteiligung an der Colonia-Versicherung, einer seiner grรถรten Geschรคftserfolge.
Alfred von Oppenheim wendete sich immer mehr vom Tagesgeschรคft ab und wurde 1993 Vorsitzender im Aufsichtsrat sowie im Aktionsausschuss. Er galt als Mann mit klaren Prinzipien, als Stratege mit gutem Weitblick, der flexibel auf Verรคnderungen reagiert und Mitarbeiter geschickt fรผhrte. Auch dank dieser Voraussicht gelang es dem Familieninstitut im Jahr 2004, die BHF-Bank zu รผbernehmen. Durch diese รbernahme konnte das Kreditinstitut 2004 zur grรถรten Bank Europas in Familienbesitz aufsteigen.
Baron von Oppenheim: Einer der letzten seiner Art
Baron von Oppenheim war neben seiner Teilhaberschaft bei Sal.Oppenheim Prรคsident der Bรถrse zu Dรผsseldorf und der IHK Kรถln sowie DIHK-Vizeprรคsident. Auรerdem war er Kommandeur der franzรถsischen Ehrenlegion und Prรคsident der Deutsch-Franzรถsischen Industrie-und Handelskammer in Paris. Als seine grรถรte Leidenschaft gilt das Hochseesegeln. Mit seiner Yacht โPassepartoutโ segelte er gerne um die Welt.
Am 5. Januar 2005 starb Alfred Freiherr von Oppenheim im Alter von 70 Jahren in Folge einer kurzen, aber schweren Krankheit. Vom Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nannte den einflussreiche Privatbankier โeinen Unternehmer, der sich fรผr das Gemeinwohl in seiner Heimat und jenseits des eigenen Lebensmittelpunktes in vorbildlicher und hervorragender Art engagierteโ.
Auch der 2005 amtierende Kรถlner Oberbรผrgermeister Fritz Schramma wรผrdigte die Leistungen Alfred Freiherr von Oppenheims. Anlรคsslich seines Todes sagte Schramma: โMit Baron Oppenheim verliert die Stadt Kรถln einen ihrer profiliertesten und verdienstvollsten Bรผrgerโ. Die Familie von Oppenheim gehรถre fest zur Stadtgeschichte.
Ab 2000 war Alfreds Sohn einer von spรคter vier persรถnlich haftenden Gesellschaftern. Im Bankhaus war Christoph Freiherr von Oppenheim bis zur รbernahme durch die Deutsche Bank im Jahr 2009 fรผr die Vermรถgensverwaltung, den zentralen Geschรคftsbereich, zustรคndig.
2017 gab die Deutsche Bank bekannt, Sal.Oppenheim aufzugeben und die verbliebenen Kunden und Geschรคftssteile in die Deutsche Bank zu integrieren. 2018 wurde der aktive Geschรคftsbetrieb eingestellt und die Bereiche, die nicht zum Kerngeschรคft gehรถren, unter Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA fortgefรผhrt. Diese wurde 2019 in Deutsche Oppenheim Family Office AG umbenannt.


