Seit Monaten treibt die europรคische Energiekrise Preise fรผr Unternehmen und Verbraucher in die Hรถhe. Die Folge ist eine Inflation historischen Ausmaรes, die viele Bรผrger vor erhebliche Zahlungsprobleme stellt. Mit der Verschiebung der finanzpolitischen Rahmenbedingungen verรคndern sich zwangslรคufig auch die Bedรผrfnisse der Bankkunden. Eine aktuelle Studie von CRIF untersucht die gegenwรคrtige Situation und zeigt verborgene Potenziale.ย
Der Informationsdienstleister initiierte inย Kooperation mit Opinium Research eine reprรคsentative Befragung von 7000 Bankkunden in sechs europรคischen Lรคndern. Darin beziehen die Teilnehmer Stellung zu ihrer persรถnlichen Finanzsituation und zur Rolle von Banken und Finanzdienstleistern bei der Bewรคltigung individueller Probleme. Auf der Homepage von CRIF kรถnnen sowohl die Auswertung der europรคischen Umfrage als auch die Rohdatenย deutscher Bankkunden eingesehen werden. Im Folgenden werden insbesondere die Antworten der deutschen Teilnehmer beleuchtet.
Trรผbe Aussichten
Ausgangspunkt der Betrachtung bildet ein Fragenblock, der sich mit den wirtschaftlichen Verhรคltnissen und allgemeinen Erwartungen der Umfrageteilnehmer beschรคftigt. Hiernach rechnen 85 Prozent der Bankkunden mit negativen Auswirkungen auf das eigene Budget. Jeder Dritte befรผrchtet eine Herabsenkung des Lebensstandards und jeder Vierte kalkuliert gar mit Problemen, Rechnungen begleichen oder Kredite bedienen zu kรถnnen. Demgegenรผber gebenย lediglich 14 Prozent an, keine negativen Auswirkungen infolge der Krise zu erwarten.
In dieses Bild passt, dass zwei Drittel ihre monatlichen Ausgaben inklusive Lebensmittel reduzieren mรถchten. Darรผber hinaus wollen 41 Prozent ihre Ersparnisse nutzen, um etwaige Engpรคsse zu รผberbrรผcken. 35 Prozent der Konsumenten halten esย sogar fรผr wahrscheinlich, einen Nebenverdienst aufnehmen zu mรผssen. Doch trotz trรผber Aussichten seitens der deutschen Bankkunden ziehen nur 15 Prozent der Befragten die Nutzung von Fremdkapital in Betracht. Sowohl die Option, einen Kredit aufzunehmen als auch die Perspektive, Geld bei Freunden oder Familie zu leihen beziehungsweise Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen, liegen bei einer Zustimmungsquote von 16 Prozent oder weniger.
Gemischte Kundenerwartungen
Bemerkenswert ist, dass die Bank im Falle einer finanziellen Notsituation dennoch als Stabilitรคtsanker wahrgenommen werden. Nach der Familie ist die Bank fรผr die Teilnehmer der zweitbeliebteste Ansprechpartner, wenn es um die Bewรคltigung individueller Finanzprobleme geht.ย Und obwohl die Befragten die Verantwortung fรผr Problemlรถsungen primรคr bei anderen Akteuren wie der Familie oder der Regierung verorten, ist der Wunsch nach mehr Hilfsangeboten seitens der Banken dennoch stark ausgeprรคgt. 71 Prozent wรผrden mehr Hilfsbereitschaft ihres Kreditinstitutsย begrรผรen.
Bezรผglich der konkreten Angebote und Leistungen gehen die Meinungenย jedoch weit auseinander. Mit 41 Prozent ist der Wunsch nach prรคziser zugeschnittenen Produktangeboten am weitesten verbreitet. Dahinter folgen die Unterstรผtzungsbedarfe bei Einsparmรถglichkeiten und beim Vermรถgensaufbau mit jeweils mit 36 Prozent. Zudem sprechen sich knapp รผber 20 Prozent fรผr Hilfen zur Verbesserung der Kreditwรผrdigkeit, leichtere digitale Zugangsmรถglichkeiten, Unterstรผtzung bei der Finanzplanung, frรผhere Warnungen vor finanziellen Engpรคssen sowie transparentere Kreditvoraussetzungen aus.
Kontinuitรคt zeigt sich in puncto Prรคsenz: auch 2022 zieht mehr als die Hรคlfte aller Befragten den Vertragsabschluss in der Filiale vor Ort vor. Lediglich 25 Prozent teilten mit, die Vertragsabwicklung online รผber eine Webseite vollziehen zu wollen. Bei jรผngeren Altersgruppen ist zwar eine Tendenz in Richtung Digitalisierung erkennbar, aber selbst die Generation Z spricht sich in der Mehrheit fรผr Prรคsenz aus. Diese Gruppe der bis 24-jรคhrigen ist zudem die einzige Altersgruppe, die einen nennenswerten Zustimmungswert gegenรผber Apps aufweist. Fast jeder Vierte favorisiert das Smartphone fรผr Vertragsgeschรคfte mit seiner Bank.
Der Datenhebel
So unterschiedlich die Kundenerwartungen auch sein mรถgen, fuรen sie dennoch auf einem gemeinsamen Bedarf: der Verfรผgbarkeit von Daten. Egal ob Produktangebot, Hilfestellung oder Bewertung โย um dem Kunden individuelle und passgenaue Lรถsungsansรคtze bieten zu kรถnnen, benรถtigt die Bank mehr Zugang zu persรถnlichen Informationen. Das scheint auch den Verbrauchern bewusst zu sein.
Obwohl die Sorge vorย mรถglichem Datenmissbrauch und einer Zunahme von Betrugsversuchen bei der Hรคlfte aller Befragten vorhanden ist, zeigt sich ein beachtlicher Anteil der Bankkunden bereit, mehr Informationen preiszugeben. รber 40 Prozent der Teilnehmerย erachten frรผhzeitige Warnungen vor finanziellen Schieflagen oder Hilfe zur Reduzierung monatlicher Rechnungen als ein lohnenswertes Tauschobjekt. Weitere 30 Prozent wรผrden ihre Daten zur Verbesserung der Kreditwรผrdigkeit bereitstellen und 25 Prozent fรผr die Vergrรถรerung des Kreditrahmens.
Abschlieรend lรคsst sich festhalten, dass Innovationen in den Bereichen Daten, Analyse und digitale Dienste erhebliche Potenziale fรผr die Kundenbindung beinhalten. Banken kรถnnen auf diese Weise ihr Angebot fรผr den einzelnen Kunden verbessern, ihn bei den Herausforderungen der Inflation unterstรผtzen und so das Vertrauen stรคrken.

