Dienstag, 26. Mai 2026

Banken und ihr Image – die unendliche Geschichte

„Wir wollen nur Ihr Bestes – Ihr Geld!“ Viele Bürger halten dies für das Credo ihres persönlichen Bankberaters, wenn sie mal wieder die Filiale verlassen. Das Image der Banken hat sich immer noch nicht wirklich gebessert, obwohl von vielen Kreditinstituten eine erhebliche Optimierung der Kundenzufriedenheit angekündigt wurde. Nun hat die sat1-Reportage „Akte 2014“ mal wieder erhebliche Missstände aufgezeigt, welche die Geldinstitute in keinem guten Licht erscheinen lassen. Das Vorgehen: Man schickte einen verdeckten Ermittler mit einem Nettoverdienst von etwa 1.400 Euro verschiedene Banken, damit dieser einen Kredit über 10.000 Euro beantragt.

Konditionen führten bis zur Privatinsolvenz

Bei entsprechenden Konditionen hätte der Proband nach Abzug aller Fixkosten wie Miete und Strom ein monatliches Minus von 20 Euro verzeichnet. Trotzdem wollten acht von zehn Banken diesen Kredit gewähren. In einigen Fällen wurde das oben genannte Minus noch nicht mal erwähnt bzw. es wurde ein falscher Betrag angegeben, den der „falsche Kunde“ folglich erst nach Abschluss des Vertrags bemerkt hätte. Der Aufhänger für diese inszenierte Geschichte war natürliche eine wahre Begebenheit, wo eine junge Frau sich nach einem für sie nicht zu stemmenden Kredit von einem zum nächsten stolperte, bis sie die Schuldenfalle dann tatsächlich in die die Privatinsolvenz führte. Dem Magazin muss an dieser Stelle zu Gute gehalten werden, dass man nicht versuchte das berühmt berüchtigte Bild der „bösen Banken“ zu malen. Allerdings besaß der gesamte Ablauf der Reportage einen faden Beigeschmack. Sicherlich hat auch die betroffene Frau im Interview bestätigt, dass auch sie eine Schuld von mindestens 50 Prozent an ihrem finanziellen Schicksal trägt. Jedoch hätte spätestens der zweite Kredit für die damals noch Auszubildende niemals genehmigt werden dürfen. Wenn sich die Dame die halbe Schuld breitwillig attestiert, dann bleiben immer noch 50 Prozent übrig – jene Teilschuld nämlich, die den Geldhäusern zuzusprechen ist. Für die Verbesserung des Images sind diese 50 Prozent zu viel.

Das schlechte Image – eine nicht mehr zu stoppende Talfahrt?

Die Moral von der Geschichte war, wenn man es polemisch formuliert, dass man als Bankkunde vorsichtig sein muss, bevor man mit seinem Kreditinstitut ein Geschäft vereinbart. Wahrlich, das weckt doch Vertrauen! Hat sich das schlechte Image der Banken bereits so in den Köpfen der Gesellschaft manifestiert, so dass die Talfahrt nicht mehr zu stoppen ist? Fakt ist, wenn die Öffentlichkeit weiterhin mit solchen negativen „Leckerbissen“ aufwarten kann, sieht es für die Zukunft düster aus. Jeder zehnte deutsche Staatsbürger kann nach neusten Studien seine Schulden nicht mehr begleichen – ein großer Teil dieser Verschuldungen basiert auf viel zu leichtfertig vergebenen Krediten, welche die Kunden nicht mehr begleichen können. Sicherlich trägt jeder Kunde für seine finanzielle Situation die Hauptverantwortung. Allerdings wenden sich doch die meisten Menschen an ihre Bank, weil sie sich dort einen vertrauensvollen Umgang in Geldfragen erhoffen und nicht das übliche kommerzielle „Vorsicht, Vertrieb“, das ihnen in den Kaufhäusern begegnet.

Der schwierige Spagat

Es bestreitet niemand, dass auch Banken ihre Produkte an den Mann bringen müssen. Es ist sogar ein sehr schwieriger Spagat zwischen der notwendigen Anzahl an Abschlüssen und einer auf Vertrauen basierenden Kundenbindung. Doch acht von zehn Banken, die einen Kredit gewähren, der den Kunden ohne weiteres in die Armut stürzt – das ist zu viel! Eine kaputte Reputation und Synonyme für den Berufsstand des Bankers als Lügner, Halsabschneider und Betrüger sind dann die logische Folge. Über den Effekt darf sich die Branche nicht wundern. Banken und ihr Image – es scheint wohl Elemente von Michael Ende zu besitzen und gestaltet sich als unendliche Geschichte.

Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Während seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kölnischen Rundschau.

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