Dienstag, 03. Mรคrz 2026
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Das Design Thinking Playbook

Befragt man Fachbรผcher und einschlรคgige Enzyklopรคdien im Internet zum Begriff Design Thinking, wird schnell deutlich, dass aufgrund seines multidisziplinรคren Hintergrunds bisher keine einheitliche Definition existiert. Licht ins Dunkel mรถchte das โ€žDesign Thinking Playbookโ€ bringen. Die Herausgeber Leifer, Lewrick und Link versammeln Profis sowohl aus dem universitรคren Umfeld als auch aus der Praxis und kรถnnen daher mit vielen interessanten Perspektiven zum Thema aufwarten. Gemeinsam haben sie ein ambitioniertes Buch hervorgebracht, welches passend zum Titel mit witzigen Zeichnungen der Kรผnstlerin Nadja Langensand bebildert ist, die den Text mal begleiten, mal vollstรคndig seine erklรคrende Funktion รผbernehmen. Das โ€žPlaybookโ€œ verfolgt damit einen รคhnlichen Ansatz wie Scott McClouds โ€žUnderstanding Comicsโ€œ โ€“ ein Sachbuch รผber Comics in Form eines Comics. Die Zeichnungen bieten dabei einen unkomplizierten Einstieg in ein doch recht anspruchsvolles Thema und grenzen das Buch von gรคngigen Publikationen dieses Fachbereichs ab.

Die Autoren entwickeln zwei Charaktere, Peter und Heidi, die dem Aufbau ihrer Erlรคuterungen einen roten Faden geben, immer wieder auftauchen und zur Veranschaulichung von Problemlรถsungen dienen. Hierfรผr werden ihre fiktiven Biografien auf den ersten Seiten des Buches bis ins kleinste Detail ausgestaltet. Leifer und seine Kollegen geben den Figuren einen Job, welcher auf einem nachvollziehbaren Lebenslauf aufbaut, verteilen persรถnliche Interessen wie komische Socken oder elektrische Autos und stellen ihnen Partner zur Seite, die wiederum mit ihren eigenen Interessen und Charakterzรผgen auf die Persรถnlichkeitsentwicklung von Heidi und Peter einwirken โ€“ inklusive Problemen im Bett.

Interessant ist, dass hiermit sowohl Identifikationsfiguren fรผr den Leser geschaffen werden als auch ein Kernelement des Design-Thinking-Ansatzes direkt zu Anfang vorgestellt wird: mithilfe von umfangreichen Charaktermodellen Bedรผrfnisse und Motivationen einer mรถglichen Zielgruppe herauszuarbeiten, um genau zu analysieren, fรผr welchen Kunden ein Produkt auf den Markt gebracht werden soll, und es dahingehend zu entwerfen.

Multidisziplinรคre Teams โ€“ radikale Zusammenarbeit

Indem die Autoren traditionelle Methoden des Design Thinking weiter ausbauen und durch ihre Ideen zukรผnftige Entwicklungen skizzieren, machen sie dessen Ansรคtze auch fรผr den Bankensektor interessant, der seinen Fokus ebenfalls immer stรคrker auf kundenorientierte Geschรคftsmodelle legt. Sie setzen โ€žbewusst auf multidisziplinรคre Teamsโ€œ, welche im Prozess der Ideenfindung voneinander lernen und im Zuge einer โ€žradikale[n] Zusammenarbeitโ€œ des stetigen Austauschs ihre Vorschlรคge immer weiter verfeinern bis es schlieรŸlich zur Ausfรผhrung kommt. Auf diese Weise kรถnnten zahlreiche neue Ansรคtze im Prozess- und Projektmanagement gefunden und bestehende Strukturen effizienter gestaltet werden.

Das โ€žPlaybookโ€œ will jedoch keine allgemeingรผltige Blaupause sein, sondern zum kritischen Diskurs fรผr alle Organisationen aufrufen, um einen eigenen, unverwechselbaren Weg zu finden: โ€žEs wรคre schade, wenn alle Organisationen ein Klon von Google, Spotify oder Uber wรคren. Jedes Unternehmen hat seine Identitรคt und Werte.โ€œ Gleichzeitig weiรŸt es aber auch auf gรคngige unternehmensinterne Schwierigkeiten hin, die der Anwendung ihrer Ideen im Wege stehen, wie innovationsresistente Vorstandsmitglieder oder hochnรคsige IT-ler, die jede Innovation, die nicht von ihnen stammt, erst einmal schlecht finden.

Grundsรคtzlich geben Lewrick, Link und Leifer mit ihrem Buch einen breit gefรคcherten รœberblick รผber Methoden, Mรถglichkeiten und zukรผnftige Entwicklungen des Design Thinking. Die verspielte Gestaltung unterstreicht den innovativen Charakter ihrer Ansรคtze sehr treffend und hilft beim Verstรคndnis der angefรผhrten Themen, welche streckenweise etwas zu vielfรคltig sind, um sie angemessen ausfรผhrlich zu beleuchten. So entsteht zuweilen der Eindruck der Oberflรคchlichkeit und lรคsst einige Aspekte etwas vage erscheinen. Dennoch ist das โ€žPlaybookโ€œ ein nรผtzlicher Wegweiser durch die Welt des Design Thinking, welcher das auรŸerordentliche Potenzial des beschriebenen Ansatzes aufzeigt, vor allem auch im Hinblick auf Big Data und Analytics, und gibt wichtige Impulse fรผr die Ideenfindung im Team. Interessanterweise ist es auf der einen Seite Sachbuch und auf der anderen Seite Produkt seiner eigenen Ideen. Es richtet sich ausdrรผcklich sowohl an Profis als auch an Anfรคnger. Diesem Anspruch wird es gรคnzlich gerecht.

  • Titel: Das Design Thinking Playbook
  • Herausgeber: Michael Lewrick, Patrick Link, Larry Leifer
  • Preis: 29,80 โ‚ฌ
  • Seiten: 304, Taschenbuch
  • ISBN: 978-3-8006-5384-3
  • Verlag: Franz Vahlen

Tobias Schenkel ist ehemaliger Redakteur beim BANKINGCLUB.

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