Banken, Big Techs und Fintechs entwickeln immer neue Formen des bargeldlosen Bezahlens. In Zukunft werden digitale Wรคhrungen immer prรคsenter. Was bedeutet das fรผr das physische Geld? Damit befasst sich Alexander Hagelรผken, Redakteur fรผr Wirtschaftspolitik der Sรผddeutschen Zeitung, in seinem Buch โDas Ende des Geldes, wie wir es kennenโ aus dem C.H. Beck-Verlag. Hagelรผken spricht darin neben Kryptowรคhrungen wie Libra auch das digitale Zentralbankgeld an.
Digitale Wรคhrungen befinden sich aktuell in ihrer Hochzeit. Im Oktober 2020 trat der digitale Euro der EZB seine erste, dreimonatige Testphase an. Auch die Entwicklung von Facebooks Libra (Jetzt Diem) schreitet voran. Der Autor steht diesen digitalen Technologien verhalten gegenรผber. Kryptowรคhrungen oder das Bezahlen durch Gesichtserkennung sieht er als das (titelgebende) โEnde des Geldesโ. Der Autor zeigt mรถgliche Gefahren auf, die dieser Wandel mit sich bringen kann.
Chancen und Risiken
Hagelรผken stellt zwar auch die Frage nach den Chancen, die der Wandel des Geldes bereithรคlt, doch fรคllt die Beantwortung hier verhรคltnismรครig kurz aus. Als Basis fรผr seine Kritik liefert er einen umfangreichen รberblick รผber die wichtigsten Stationen in der Geschichte des Geldes. Die aus dem geschichtlichen Exkurs gezogenen Schlรผsse greift der Autor bei der Betrachtung aktueller Entwicklungen, wie dem Vormarsch der Kryptowรคhrungen, auf und webt sie in seine Analysen und Prognosen ein.
In journalistischer Kleinstarbeit gibt er die Reaktionen von Politik und Zentralbanken in der Anfangszeit der Pandemie wieder und zeigt damit verbundene Risiken im Finanzsystem auf. Als Grundlage seiner Argumentation dienen ihm hier auch Interviews mit Branchenexperten und Politikern. Einer seiner grรถรten Kritikpunkte in โDas Ende des Geldes, wie wir es kennenโ gilt aber dem โKonzerngeldโ. Probleme sieht Hagelรผken hier besonders bei der Regulierung, da das Konzerngeld nicht an gleiche Vorgaben gebunden sei wie Kreditinstitute.
Und auch mit Libra geht der Autor deutlich ins Gericht, indem er zahlreiche Kritikerstimmen anfรผhrt. โFunktionierende Staatswรคhrungen erfรผllten drei Funktionen: Recheneinheit, Tausch- und Zahlungsmittel, Wertspeicher. Facebook dekonstruiert diese Funktionen โฆโ. Ob Institutionen wie die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma Hagelรผkens Kritikpunkte unterstรผtzen, wird sich zeigen. Denn dort hat die Libra (Diem) Association im April 2020 eine Zahlungsmittelbewilligung beantragt, die derzeit von der Aufsicht eingehend geprรผft wird.
Der Autor beleuchtet die Geschichte des Geldes eingehend und zieht daraus interessante Schlรผsse. Er zeigt Faktoren auf, die den Wandel des Geldes vorantreiben und gibt Prognosen fรผr die Zukunft. Darรผber hinaus erhรคlt der Leser einen umfangreichen รberblick รผber die Schwierigkeiten und Krisen der letzten Monate und Jahre.
- Titel: Das Ende des Geldes, wie wir es kennen
- Autoren: Alexander Hagelรผken
- Preis: 16,00 โฌ
- Umfang: 222 Seiten
- Verlag: C.H. Beck
- ISBN: 978-3-406-75723-5
Dennis Witzmann ist ehemaliger Redakteur beim BANKINGCLUB.

