Freitag, 17. April 2026
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Vergesst Online Banking und Mobile-Banking-Apps

Durch den harten Wettbewerb am deutschen Bankenmarkt stehen Kreditinstitute unter gehรถrigem Kostendruck โ€“ und so verwundert es nicht, dass die Banken frรผh die Mรถglichkeiten des Internets fรผr sich erkannten. Das Online Banking bot eine Win-win-Situation, in der die Banken einerseits viel Geld sparten und die Kunden andererseits Komfort und Bequemlichkeit gewannen, weil sie fรผr Bankgeschรคfte nicht mehr aus dem Haus gehen mussten und รœberweisungen 24/7 aufgeben konnten.ย  Trotz dieser offensichtlichen Vorteile mussten die Banken ihre Kunden mit kostenlosen Online-Girokonten und mit hohen Einzelpreisen fรผr beleghafte รœberweisungen zu ihrem Glรผck zwingen. Trotzdem nutzte 2014 im Schnitt erst gut jeder zweite Bankkunde รผberhaupt Online Banking โ€“ bei den Sparkassen mit ihren eher รคlteren Kunden sind es sogar nur um die 40 Prozent.

Bankgeschรคfte sind umstรคndlich โ€“ und unsexy

Wer sich das Online Banking vieler Banken anschaut, den wundert die Zurรผckhaltung der Kunden nicht, denn die Geldhรคuser haben lediglich die alten รœberweisungsvordrucke in die digitale Welt kopiert, anstatt die Mรถglichkeiten des neuen Mediums zu nutzen. Banking bleibt damit unbequem und umstรคndlich โ€“ was mit der Einfรผhrung der IBAN eher schlimmer geworden ist. Daran haben auch vermeintlich moderne Banking-Apps der Banken nicht viel geรคndert โ€“ neues Medium, alte Rezepte. Was wohl auch damit zu tun hat, dass die Banken Zahlungsverkehr weiterhin als Produkt sehen, das entsprechend sichtbar sein muss, wรคhrend es fรผr die Kunden notwendiges รœbel neben der eigentlichen Handlung wie z.B. Online-Shopping ist. Nur: Wรคhrend das Shoppen SpaรŸ macht, ist der Bezahlprozess langweilig und unsexy.

Modernes Banking muss sich nahtlos integrierenโ€ฆ

Nun kann man versuchen, das Banking sexy zu machen โ€“ nicht unmรถglich, aber eine groรŸe Herausforderung. Oder man macht es auch technisch zu dem, was es fรผr die Kunden seit jeher ist: eine notwendige Nebensache. Wie das umgesetzt werden kรถnnte, verrรคt ein Blick รผber die Landesgrenzen hinaus. In China zeigen Internetriesen wie Tencent, Alibaba oder Baidu, wie man Banking bequem und nahtlos in die alltรคgliche Kommunikation der Kunden einbinden kann. Deren Messenger haben sich zu Plattformen weiterentwickelt, in denen der Kunde wahlweise ein Taxi bestellen, eine Reise buchen oder Shoppen gehen kann โ€“ und seine Bankgeschรคfte erledigen. Und auch in den USA arbeiten Firmen wie Facebook und Apple bereits an Technologien, um Peer-to-Peer-Zahlungen direkt in deren Messenger-Apps abwickeln zu kรถnnen. Der nรคchste logische Schritt ist die Einbindung intelligenter ChatBots, die natรผrliche Sprache erkennen und auf Kommando Kontostรคnde anzeigen, Dauerauftrรคge รคndern oder (zunรคchst einfache) Beratungen durchfรผhren. GroรŸe Banken haben hier bereits ihr Interesse signalisiert.

โ€ฆ oder sich als persรถnlicher Assistent verstehen

Der Kรถnigsweg des digitalen Bankings der Zukunft ist aber die Einbindung persรถnlicher Assistenten wie Apples Siri oder Amazons Alexa. Damit entfielen endlich unbequeme Eingaben auf dem Smartphone und die Kunden kรถnnten ihre Bankgeschรคfte wieder so tรคtigen, wie sie es schon vor Jahrzehnten konnten: mit mรผndlichen Anweisungen in natรผrlicher Sprache.ย  Das kรถnnte kurzfristig so aussehen: โ€žHey Siri, รผberweise 10 Euro an Max von meinem Sparkassen-Konto.โ€œ Langfristig wird mit Technologien wie IBMs Watson aber noch deutlich mehr mรถglich sein โ€“ vom Kleinkredit รผber die Vermรถgensanlage bis hin zur Vorsorgeberatung. Dann haben die Kunden ihren persรถnlichen Banking-Assistenten immer in ihrer Hosentasche, am Armband oder im Haus.

Neue Mรถglichkeiten, aber auch neue Herausforderungen

Mit jeder neuen Technologie ergeben sich neben den genannten neuen Mรถglichkeiten immer auch neue Herausforderungen. So stellt sich sowohl im Text-Chat wie auch bei den Sprachassistenten die Frage nach der Authentifikation des Nutzers ebenso wie die Frage, wer haftet, wenn sich Kunde und Bot missverstehen.
Letztlich sind das aber nur Detailfragen, die sicherlich nicht unmรถglich zu lรถsen sein werden. Den Siegeszug dieser Technologien werden sie sicherlich nicht aufhalten kรถnnen โ€“ dafรผr sind die Mรถglichkeiten und der Komfortgewinn fรผr die Kunden einfach zu groรŸ.
Alexa, รผbernehmen Sie!

Tobias Baumgarten Spezialist fรผr Multikanal-Banking bei der Hamburger Sparkasse. AuรŸerdem ist er als Fintech-Blogger bei aboutfintech.de tรคtig.

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