Geboren wurde Willem, genannt โWimโ, Frederik Duisenberg am 9. Juli 1935 im friesischen Heerenveen. Die Gemeinde liegt im Norden der Niederlande. Dort wuchs er in wohlhabenden Verhรคltnissen auf.
Sein Abitur machte Wim Duisenberg 1954. Anschlieรend absolvierte er ein volkswirtschaftliches Studium in Groningen mit dem Schwerpunkt auf internationalen Wirtschaftsbeziehungen. 1961 legte er das Staatsexamen mit Prรคdikat ab. Bis Dezember 1965 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wirtschaftsfakultรคt tรคtig. An diesem Fachbereich promovierte er mit einer Dissertation รผber die โรkonomischen Folgen der Abrรผstungโ.
Duisenbergs berufliche Laufbahn vor der EZB
Duisenberg arbeitete 1966 fรผr den Internationalen Wรคhrungsfonds (IWF) in Washington. Dort war er nacheinander fรผr Island, Neuseeland und Groรbritannien zustรคndig. 1969 und 1970 war er Berater fรผr Wirtschaftsfragen beim Direktorium der hollรคndischen Zentralbank (De Nederlandsche Bank) und spรคter Professor fรผr Makroรถkonomie an der Universitรคt Amsterdam.
Bereits wรคhrend des Studiums schloss sich Wim Duisenberg der Partij van de Arbeid (PdvA), einer sozialdemokratischen Partei, an. Duisenberg beriet dessen Parteichef, Joop den Uyl, in den 1970er Jahren bei finanzpolitischen Angelegenheiten.
Als die Partei 1973 an die Regierung kam, wurde Duisenberg Finanzminister. Nach einigen Jahren in der Politik, widmete er sich dem Bankwesen.ย 1978 wurde er Vizeprรคsident der Rabobank, 1981 dann Direktor der niederlรคndischen Zentralbank. Dort blieb er 16 Jahre lang. Den groรen Hollรคnder schรคtzte man hier aufgrund seiner soliden und authentischen Persรถnlichkeit und des รผberlegten Fรผhrungsstils. Qualitรคten, die ihm auch auรerhalb seines Heimatlandes viel Anerkennung einbrachten.
Erster Wรคhrungshรผter Europas
Das trug auch dazu bei, dass er als Kandidat fรผr das Prรคsidentenamt bei der frisch gegrรผndeten Europรคischen Zentralbank gehandelt wurde โ und den Posten bekanntlich auch bekam. Wim Duisenberg wurde 1998 โEuropas erster Wรคhrungshรผterโ.ย Die EZB erlebte unter Duisenberg einen erfolgreichen Start und eine gelungene Einfรผhrung der europรคischen Gemeinschaftswรคhrung.
So wurde aus Wim Duisenberg โMister Euroโ. Diesen Spitznamen verdiente er sich, da er vehement fรผr die Stabilitรคt der neuen Wรคhrung eintrat. So stiegt auch der anfangs skeptisch aufgenommene Euro allmรคhlich in der Gunst der Bevรถlkerung.
Wรคhrend seiner Zeit als EZB-Prรคsident gelang es ihm nicht nur den Euro immer wieder zu rechtfertigen, sondern er setzte sich auch immer wieder gegen politische Einflussnahme auf die Geldpolitik der europรคischen Notenbank zur Wehr. Er bewirkte auch den Euro-Beitritt Griechenlands, durch den er die Wรคhrung damals nicht gefรคhrdet sah.
Wim Duisenberg gilt als โwahrer Europรคerโ. Oft wird er von Zeitgenossen als zurรผckhaltender Mensch beschrieben. Das hielt ihn aber nicht davon ab, gelegentlich einige schlagfertige รuรerungen zu tรคtigen. โIch hรถre sie, aber ich hรถre nicht auf sieโ ist wohl das bekannteste Zitat des Niederlรคnders. Er lieร es immer dann verlauten, wenn die Politik Druck machen wollte.
Wim Duisenberg ist โMister Euroโ
Aufgrund von Schwierigkeiten mit der franzรถsischen Regierung wurde bereits bei seinem Amtsantritt vereinbart, dass Duisenberg nach mindestens vier Jahren zurรผcktreten mรผsse. Jean-Claude Trichet solle das Amt von ihm รผbernehmen. 2003 erfolgte dann offiziell der Amtswechsel.
Da war Wim Duisenberg 68 Jahre alt und รผbernahm anschlieรend kleinere รmter in der Wirtschaft. Zwei Jahre spรคter, am 31. Juli 2005, verstarb der ehemalige EZB-Prรคsident รผberraschend in Faucon in Frankreich. Beigesetzt wurde er in Amsterdam. Duisenberg starb im Alter von 70 Jahren.
Der Bankier wurde durch zahlreiche Auszeichnungen geehrt. Darunter findet sich der Karlspreis der Stadt Aachen, der Award โEuropean Banker of the Yearโ, er ist Kommandeur des Ordens vom Niederlรคndischen Lรถwen und bekam das Groรkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Aufgrund seines auรergewรถhnlichen Wirkens als erster Prรคsident der EZB ist Wim Duisenberg fest im kollektiven Gedรคchtnis Europas verankert.

