Donnerstag, 05. Mรคrz 2026
0,00 €

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Zwischen Tischkicker und Sitzsack

New Work sollte die Arbeitswelt revolutionieren, doch die Realitรคt zeigt oft eher Frustration als Fortschritt. Worauf es bei New Work wirklich ankommt und welche Vorteile sich daraus fรผr Unternehmen ergeben kรถnnen, beschreiben Daniela Kathol und Gรผnter Liebeler.

Nach einer ersten Welle der New-Work-Euphorie erleben Organisationen aktuell Ernรผchterung. Investitionen in Umbauten, Mobiliar, Technologie und Prozesse haben nicht die erwarteten und geplanten Steigerungen in Produktivitรคt, Attraktivitรคt und Loyalitรคt erzielt. Mehr noch โ€“ stattdessen รผberwiegen Frustration, ร„rger und Desorientierung. Und warum? Hรคufig waren die Menschen bei all dem nur Randfiguren.

Individualitรคt rรผckt in den Vordergrund

Das Verhรคltnis und die Erwartungshaltung der Menschen zu oder an Arbeit und Arbeitgeber haben sich gewandelt โ€“ der Lebensunterhalt steht nicht mehr in dem MaรŸe im Fokus, wie es frรผher der Fall war. Selbstentfaltung, Identifikation mit der Arbeit und mit dem einhergehenden Sinn gewinnen an Bedeutung. Der Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt lรคsst die Loyalitรคt der Mitarbeitenden sinken: Wechsel sind leichter und oftmals lukrativer geworden und eine lange Betriebszugehรถrigkeit ist keine Auszeichnung mehr. Damit einher gehen neue Lebensmodelle, dezentrales Arbeiten, Auszeiten, Workation, die Unternehmen und deren Fรผhrungskrรคfte vor Herausforderungen stellen โ€“ die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben ist wichtiger geworden, bei verschwimmenden Grenzen.

Dass der technische Fortschritt, Automatisierungen, Digitalisierung und Kรผnstliche Intelligenz die Art, wie wir arbeiten, verรคndern, ist ebenso naheliegend wie banal. Die dahinterstehende Frage nach dem Warum und Wie vielleicht aber weniger. Wenn intelligente Maschinen Menschen entlasten, dann zumeist von Routinetรคtigkeiten. Der Anteil an Aufgaben, die menschliche Intelligenz erfordern, steigt zwangslรคufig, was einerseits fordert, aber auch zu hรถherer Arbeitskomplexitรคt und zu รœberforderung fรผhren kann.

Es ist grundsรคtzlich falsch, von der Zukunft der Arbeit beziehungsweise โ€žNew Workโ€œ zu sprechen โ€“ denn die Zukunft der Arbeit variiert zwischen Branchen, OrganisationsgrรถรŸen, -einheiten und letztlich auch -kulturen. In dieser Varianz ist sie eine evolutionรคre Entwicklung, die keine Umkehr erkennen lรคsst und somit eine signifikante Bedeutung fรผr das weitere Be stehen von Organisationen hat. New Work ist also vielmehr der Ansatz, sich mit der Zukunft der Arbeit in einem dedizierten Kontext zu beschรคftigen โ€“ unter Berรผcksichtigung der konkreten Rahmenbedingungen in der Situation.

Gemein bleibt die Ausrichtung auf das, was wir als neue Normalitรคt verstehen โ€“ Inhalte und Arbeitskontext sind flexibel und machen verstรคrkt projekthaftes Zusammenarbeiten in wechselnden, teilweise dezentralen, interdisziplinรคren Zusammensetzungen nรถtig, wรคhrend Routineaufgaben weniger werden. Um diese Flexibilitรคt zu ermรถglichen, braucht es eine lernende Organisation mit hohem Grad an Agilitรคt und Verรคnderungsbereitschaft. Sie erfordert die Fรคhigkeit, mit der Expertise und Erfahrung von heute die Fragen und Herausforderungen von morgen zu lรถsen.

Es bedarf vor allem der richtigen Kompetenzen und Kultur โ€“ bei Mitarbeitenden wie auch bei Fรผhrungskrรคften. Gefragt ist das breite Generalistenwissen, das es ermรถglicht, Themen einzuordnen und sich in diese eigenstรคndig einzuarbeiten. Daneben ist es wichtig, Trends und Entwicklungen der eigenen Branche zu kennen. Relevanter ist die Kompetenz, in der sich verรคndernden Arbeitswelt zu agieren: Wie analysiere ich neue Fragestellungen und lรถse Probleme? Wie nutze ich Technologie und Medien? Wie kommuniziere ich situations- und zielgruppengerecht? Und muss eigentlich jeder alles kรถnnen? Und wenn nicht, was ist mein Profil und mein Alleinstellungsmerkmal, das mich einzigartig und unersetzlich macht?

New Work ist eine Evolution

Unterstรผtzung bei der Beantwortung der Fragen werden auch zukรผnftig Fรผhrungsrollen leisten. Fรผhrungsrollen teilen sich immer stรคrker in die fachliche und die disziplinarische Fรผhrung auf, wobei letzterer eher die Aufgaben der Personalentwicklung und -betreuung zukommt. Hauptaufgabe beider Fรผhrungsrollen ist das Fรถrdern, Entwickeln, Vorleben und Einfordern einer Kultur der Eigenverantwortung, Lernbereitschaft, Offenheit und Verรคnderungsbereitschaft. New Work ist als Evolution zu verstehen, ein sich kontinuierlich weiterentwickelnder Prozess ohne absehbaren Abschluss. Beteiligte wollen und mรผssen in dieser Evolution mitgenommen, unterstรผtzt, begleitet und dazu befรคhigt werden, eigene Schritte zu gehen und andere zu unterstรผtzen โ€“ immer unter Berรผcksichtigung der Individualitรคt, des bisherigen Kompetenz- und Erfahrungsstands sowie individuellen Lern- und Entwicklungsarten.

Gรผnter Liebeler ist Senior Manager bei crossconsulting.

Daniela Kathol ist Head of Human Relations bei crossconsulting.

Neuste Artikel
Bleiben Sie informiert
Einmal pro Woche informieren wir Sie รผber die neusten & wichtigsten Artikel auf BANKINGCLUB.de und รผber aktuelle Events. Fรผr die Anmeldung reicht Ihre Mailadresse und natรผrlich kรถnnen Sie sich von diesem Verteiler jederzeit abmelden.