Montag, 09. Mรคrz 2026
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Warum der digitale Euro schon vor dem Start in der Krise steckt

Die Skepsis ist groรŸ: Laut einer aktuellen Civey-Umfrage lehnt fast die Hรคlfte der Deutschen den digitalen Euro ab. Unklarheiten, Sorgen um Datenschutz und Falschinformationen prรคgen das Bild. Dabei kรถnnten Banken eine entscheidende Rolle bei der Aufklรคrung spielen.

Die Einfรผhrung des digitalen Euro rรผckt nรคher โ€“ doch die deutsche Bevรถlkerung zeigt sich noch zurรผckhaltend. Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des BANKINGCLUB zeigt: Nur 7 % der Befragten begrรผรŸen den digitalen Euro ausdrรผcklich, 46 % lehnen ihn hingegen ab, weitere 22 % sind skeptisch. Zwar haben รผber die Hรคlfte der Bundesbรผrger (53 %) bereits vom digitalen Euro gehรถrt, doch das Wissen ist oft oberflรคchlich: Nur 18 % der Befragten wissen, dass es sich um ein von der EZB ausgegebenes, staatlich abgesichertes elektronisches Bargeld handelt. Rund 41 % sind unsicher. Andere glauben der Verschwรถrungstheorie, dass der digitale Euro das Bargeld ersetzen soll (23 %) oder verwechseln den digitalen Euro mit Onlinebanking oder Kartenzahlungen (12 %). Diese Wissenslรผcke spiegelt sich auch in den Sorgen und ร„ngsten der Befragten wider.

Wenig konkrete Hoffnungen

Gerade weil viele Befragte nicht genau wissen, was der digitale Euro ist oder wie er eingesetzt werden soll, dominieren Sorgen und Unsicherheit das Meinungsbild. Hรคufig besteht die Befรผrchtung, der digitale Euro kรถnne dem Staat weitreichendere Kontrollmรถglichkeiten erรถffnen. 65 % der Befragten sorgen sich konkret vor staatlicher รœberwachung, 57 % befรผrchten den Wegfall des Bargelds und 52 % den Wegfall der Anonymitรคt beim Zahlen. Demgegenรผber stehen vergleichsweise wenige konkrete Hoffnungen: 26 % der Befragten erwarten geringere Transaktionskosten, 17 % wรผnschen sich schnellere Zahlungen und 15 % erhoffen sich mehr Stabilitรคt und Inklusivitรคt. Bemerkenswert ist jedoch: 43 % geben an, dass keiner der genannten Vorteile ihre Bereitschaft erhรถhen wรผrde, den digitalen Euro tatsรคchlich zu nutzen. Das unterstreicht, wie tief die Skepsis in der Bevรถlkerung tatsรคchlich sitzt.

Eine interessante Diskrepanz offenbart die Studie beim Thema Vertrauen: 42 % der Befragten vertrauen bei Geldzahlungen eher der EZB, wรคhrend nur 21 % privaten Zahlungsanbietern wie PayPal oder Apple Pay den Vorzug geben. Trotz dieses Vertrauensvorsprungs der EZB lehnt jedoch fast die Hรคlfte der Bevรถlkerung den digitalen Euro ab โ€“ ein Indiz dafรผr, dass die Ablehnung weniger mit dem Emittenten, sondern vielmehr mit fehlenden Informationen und ร„ngsten verbunden ist.

Auch Banken sind gefordert

Die Civey-Studie zeigt deutlich: Banken spielen beim digitalen Euro bisher kaum eine Rolle in der Informationsvermittlung. Nur 3 % der Befragten, die vom digitalen Euro gehรถrt haben, geben an, ihre Informationen รผber ihre eigene Bank erhalten zu haben. Stattdessen dominieren Medienberichte (56 %) und soziale Medien (28 %) als Informationsquellen. Das birgt Risiken: Auf Social Media und in alternativen Medien kursieren besonders hรคufig Falschinformationen und Verschwรถrungstheorien, die aktiv die oben genannten ร„ngste in der Bevรถlkerung schรผren. Gerade deshalb erwarten 43 % der Befragten, dass Banken aktiv รผber Chancen, Risiken und Einsatzmรถglichkeiten des digitalen Euro aufklรคren.

Der digitale Euro steht vor einer groรŸen kommunikativen Herausforderung: Die breite Skepsis resultiert weniger aus Ablehnung der EZB, sondern vielmehr aus Unsicherheit, Missverstรคndnissen und einem Mangel an verlรคsslichen Informationen. Banken und Politik sind gefordert, diese Transparenz zu schaffen โ€“ sonst droht der digitale Euro schon vor dem Start zu scheitern.

Hier geht’s zur ganzen Studie

Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.

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