Dienstag, 10. Mรคrz 2026
0,00 €

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Commerzbank zieht Bilanz: Wie geht es weiter?

โ€žDas Beben rund um die Wirren der Wirecard AG ist lรคngst nicht abgeklungen, da kommt das nรคchste Beben mit einer Stรคrke von 12 auf der Finanzbranche-Beben-Skala. Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender treten gleichzeitig zurรผck und hinterlassen ein Vakuum in der Leitung der Bankโ€œ, sagt BANKINGCLUB-Grรผnder Thorsten Hahn.

Ja, bei der Commerzbank ist derzeit einiges los. Der Hรถllenhund โ€žCerberusโ€œ, amerikanischer Finanzinvestor und zweitgrรถรŸter Aktionรคr des Geldhauses, hat krรคftig zugeschlagen.

Die Bank mit vielen mittelstรคndischen Kunden ist also nun ohne Spitze. Immerhin: Mit Hans-Jรถrg Vetter hat man einen Aufsichtsratschef gefunden. Der frรผhere Vorstandschef der Landesbank Baden-Wรผrttemberg (LBBW) war der vom Bund favorisierte Kandidat.

Doch nach wie vor ist nicht klar, wer die Bank denn nun kรผnftig fรผhren soll. SchlieรŸlich auch keine leichte Aufgabe, hat man im ersten Quartal 2020 infolge der Corona-Krise ein operatives Ergebnis von minus 277 Millionen Euro verbucht.

Und die Krise ist noch nicht vorbei und erst recht noch nicht abgerechnet. Umso gespannter wird nun auf die Quartalsergebnisse geschaut. Und die sehen gar nicht mal schlecht aus.

Wie hat die Commerzbank im Q2 2020 abgeschnitten?

Die bereinigten Ertrรคge der Commerzbank sind trotz der Corona-Krise im zweiten Quartal 2020 auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen. Im Vorjahresquartal (Q2 2019) lagen sie bei 2,1 Milliarden Euro.

Insgesamt wurden die Ertrรคge im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund sieben Prozent gesteigert. Grรผnde seien ein spรผrbarer Anstieg des Provisionsergebnisses und Aufholungen bei den Bewertungseffekten, die das Vorquartal belastet hรคtten. Die eingetretende Erholung sei zu erwarten gewesen. Positiv habe sich auch der Venture-Capital-Fonds der Commerzbank, Commerz-Ventures, von rund 50 Millionen Euro ausgewirkt.

Obwohl hรถhere Belastungen aus dem Risikoergebnis vorlagen, konnte die Bank einen operativen Gewinn von 205 Millionen Euro erzielen (Q2 2019: 309 Millionen Euro). Das Vorsteuerergebnis belief sich auf 211 Millionen Euro (Q2 2019: 329 Millionen Euro).

Damit erwirtschaftete die Bank den Aktionรคren ein zurechenbaresย Konzernergebnisย von 220 Millionen Euro (Q2 2019: 279 Millionen Euro). Darin spiegele sich auch eine niedrige Steuerquote wider, auch da sich der Bewertungsgewinn von Commerz-Ventures steuerlich nicht niederschlagen wรผrde.

Die Entwicklung im Kundengeschรคft sei stabil und im Firmenkundengeschรคft ergab sich eine leichte Ertragssteigerung. Das liege vor allem am guten Kapitalmarktgeschรคft. Dank der digitalen Angebote kรถnne man auch im Privat- und Unternehmerkunden-Segment Wachstum bei Kunden sowie beim Kredit- und Wertpapiervolumen verzeichnen.

Bei den operativen Kosten hat das Kreditinstitut eine Senkung um 3,3 Prozent erreicht. Die operative Kosten beliefen sich trotz IT-Investitionen auf 1,53 Milliarden Euro. In Q2 2019 lagen sie bei 1,58 Milliarden Euro. Neben dem anhaltenden Kostenmanagement sei auch der fortgesetzte Stellenabbau ein Grund dafรผr. Ende Juni 2020 beschรคftigte die Commerzbank etwa 39.700 Mitarbeiter in Vollzeit, rund 1.000 weniger als 2019.

Demgegenรผber stรผnden 73 Millionen Euro an Pflichtbetrรคgen. Sie seien mit einem Plus von zehn Millionen Euro gegenรผber dem Vergleichsquartal erneut gestiegen. In Q2 2019 lagen sie bei 63 Millionen Euro.

Das Risikoergebnis sei mit minus 469 Millionen Euro deutlich hรถher, da darin weitere Corona-Effekte von minus 131 Millionen Euro und Belastungen von 175 Millionen Euro aus einem Einzelfall eingerechnet wรคren. Auch sei eine vorsorgliche Buchung von 84 Millionen Euro fรผr erwartete kรผnftige potenzielle Auswirkungen des Corona-Virus darin inbegriffen.

Insgesamt bliebe die Qualitรคt des Kreditbuches mit einer Quote der Problemkredite von weiterhin 0,8 Prozent weiterhin gut. Zurรผckzufรผhren sie dies auf einen massiven Risikoabbau in den vergangenen Jahren.

Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich von 13,2 Prozent (im Vorquartal) auf 13,4 Prozent. Die Quote liege deutlich รผber allen Anforderungen. Dabei wรคren die neuen regulatorischen รœbergangsregeln nicht genutzt worden.

Bettina Orlopp, Finanzvorstรคndin der Commerzbank, sagt zu den Zahlen: โ€žWir haben unsere Ertrรคge und unsere Kapitalquote im zweiten Quartal gesteigert, das operative Ergebnis ist allerdings durch das Risikoergebnis belastet worden.โ€œ Und weiter: โ€žUmso wichtiger ist es, dass wir unsere Kosten senken, um kรผnftige Belastungen abfedern zu kรถnnen. Daran arbeiten wir. So haben wir das Kostenziel fรผr dieses Jahr weiter verschรคrft.โ€œ

Corona, Kredit und Konzernspitze: Wie sieht die Zukunft bei der Commerzbank aus?

Wie sieht die Corona-Zwischenbilanz aus? Rund 21.000 Kreditanfragen mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro habe die Commerzbank seit Beginn der Pandemie erhalten und KfW-Kredite in Hรถhe von rund sieben Milliarden Euro genehmigt.

Das heiรŸt: Der Marktanteil des Kreditinstituts bei den KfW-Krediten bis 100 Millionen Euro liegt bei etwa 15 Prozent. AuรŸerdem habe die Bank mehr als 33.000 Kredite mit einem Volumen von mehr als 3,4 Milliarden Euro gestundet.

Der (Noch-)Vorstandsvorsitzende Martin Zielke schรคtzt die Lage so ein: โ€žWir haben im zweiten Quartal trotz Corona ein positives Ergebnis erzielt und konnten unsere Kunden tatkrรคftig bei der Bewรคltigung der Pandemiefolgen unterstรผtzen. Das hat in diesen Zeiten oberste Prioritรคtโ€œ. Er ergรคnzt: โ€žDabei zahlt sich fรผr uns aus, dass wir die Bank in den vergangenen Jahren viel robuster und digitaler aufgestellt haben.โ€œ

Und: Das Geldhaus meldet einen zusรคtzlichen Schub in der Digitalisierung und einen Zuwachs an aktiven Nutzern von Portal und Banking-App. Die Nutzerzahl habe im Juni 2020 mit 2,7 Millionen ein neues Hoch erreicht.

Und wie schaut man im Geldhaus auf die Zukunft? Den Digitalisierungsschub mรถchte man nutzen und neue Funktionen in die digitalen Angebote integrieren, etwa sollen Wertpapiere รผber die App geordert werden kรถnnen oder Apple Pay ohne Kreditkarte nutzbar sein.

Was die Bilanzen angeht, ist man verhaltener. Die Bank erwartet 2020 weitgehend stabile Ertrรคge im Kundengeschรคft des Segments Privat- und Unternehmerkunden, wohingegen das Firmengeschรคft laut Geldhaus hรถchstwahrscheinlich stรคrker von der Corona-Krise betroffen sein wird โ€“ vorausgesetzt es gibt keinen zweiten Lockdown und die Wirtschaft erholt sich langsam wieder.

Man setze das Kostenmanagement im Kreditinstitut fort und strebe eine Kostenbasis an, die leicht unter dem Level des Geschรคftsjahres 2019 liege. Belastungen zwischen 1,3 Milliarden und 1,5 Milliarden Euro wรผrden im Risikoergebnis vermutet. Das bedeutet, dass die Commerzbank mit einem negativen Konzernergebnis rechnet, auch da man mรถgliche Restrukturierungsaufwendungen miteinbezieht.

Was die harte Kernkapitalquote anbelangt, liege das Ziel nach wie vor bei mindestens 12,5 Prozent und damit im Rahmen der gesenkten regulatorischen Anforderungen.

Und was heiรŸt das nun fรผr die deutsche und europรคische Bankenlandschaft im zweiten Halbjahr des Corona-Krisen-Jahres? Man kann es wohl so zusammenfassen: Die Banken machen sich auf das Schlimmste gefasst.

Tipp: Sie mรถchten mehr von #Soll & Haben? Dann lesen Sie hier alles zum Zwischenbericht der Deutschen Bank fรผr das Jahr 2020.

Neuste Artikel
Bleiben Sie informiert
Einmal pro Woche informieren wir Sie รผber die neusten & wichtigsten Artikel auf BANKINGCLUB.de und รผber aktuelle Events. Fรผr die Anmeldung reicht Ihre Mailadresse und natรผrlich kรถnnen Sie sich von diesem Verteiler jederzeit abmelden.