Die keynesianische Herangehensweise der Stimulation der Wirtschaft erfreut sich groรer Beliebtheit unter รkonomen.
Wir Bankberater haben es doch schon deutlich leichter, als die Kanzlerin. Halten wir unsere Kunden zu ein wenig mehr Sparsamkeit an, um z. B. die Kreditraten fรผr Haus oder Auto leichter schultern zu kรถnnen, mรผssen wir kein Einbrechen der deutschen Wirtschaftsleistung befรผrchten.
Auf europรคischer Ebene werden derzeit allerdings Wege gesucht, mit ein wenig mehr Ausgaben, idealerweise an der richtigen Stelle, die Eurozone aus der Rezession zu fรผhren und โ was wichtiger ist โ die Wachstumsperspektiven der nรคchsten Jahre aus dem dunkelroten Bereich zu bekommen. In den USA scheint diese Art Wachstumsstrategie aufzugehen, allerdings sehen wir das sogenannte โjobless growthโ, Wachstum durch Produktivitรคtsfortschritte oder effiziente Ressourcenallokation, allerdings ohne nachhaltige Schaffung von Arbeitsplรคtzen. Dies ist umso problematischer, da bei der Rรผckfรผhrung von Haushaltsdefiziten in wirtschaftlich besseren Zeiten das Ziel durch weiter hohe Sozialkosten erschwert werden wird.
Dennoch gilt die keynesianische Herangehensweise der Stimulation durch Ausgabenerhรถhung unter รkonomen derzeit als Mittel, dass es auszuprobieren gilt (von sicheren Erfolgen bei der Umsetzung spricht im Falle Europas niemand). Denn: zu hoch sind die Einbrรผche auf der Nachfrageseite derzeit, als dass durch Strukturreformen, Steuererleichterungen oder รคhnlichem Hoffnung auf eine ausreichend dynamische Wende bestehen kann.
Das Beispiel liefert Portugal: Das Land hรคlt sich strรคflich an die Vorgaben, die mit der Gewรคhrung der 78 Mrd. Euro Hilfsgeldern verbunden waren. In Portugal gilt daher zwangsweise die Politik des Reagierens, fรผr agierende Wirtschaftspolitik fehlen die Spielrรคume. Neue Finanzlรถcher werden mit neuen Sparmaรnahmen gestopft, das Wirtschaftswachstum bleibt vรถllig aus und damit die Steuereinnahmen. Die Folge: Die Staatsverschuldung steigt weiter, was angesichts der im Vergleich geringeren Verschuldung des privaten Sektors fรผr einige Jahre ertrรคglich sein kรถnnte. Aber mit der fehlenden wirtschaftlichen Erholung fehlt auch jedes Vertrauen in die Selbstheilungskrรคfte des Landes. Dies ist aber erforderlich, da Portugal planmรครig 2013 an die Staatsanleihemรคrkte zurรผckkehren soll.
Investoren beurteilen das Rezessionsrisiko derzeit wieder viel negativer, was sich vor allem an den gestiegenen Risikoprรคmien fรผr Staatsanleihen ablesen lรคsst. Die Mรถglichkeit eines euro-freundlichen Wahlausgangs in Griechenland scheint da nur ein Strohhalm zu sein, an den sich mancher klammert. Insofern hatte der Wรคhrungsexperte Paul De Grauwe mit seinen Befรผrchtungen Recht, die Euro-Krise kรถnne weiter eskalieren. Dies รคuรerte er im Mรคrz, als die Aktienmรคrkte haussierten und sich die Lage an den Staatsanleihemรคrkten durch massive Liquiditรคtsbereitstellung durch die EZB zu entspannen schien.
Aber De Grauwe macht auch Hoffnung: die Sorgen um Inflation seien in den Zeiten derart schwacher Wachstumsraten fรผr die Eurozone insgesamt รผbertrieben, mit zugegebenermaรen nationalen Unterschieden. De Grauwe sieht die EZB in der Pflicht, den Ankauf von Staatsanleihen fortzusetzen. Die vielfach in Frage gestellte Legitimation sieht er in der Notenbank als letzte Instanz, getreu nach dem Motte: der Zweck heiligt die Mittel.
Unterdessen muss auf EU-Ebene die Verstรคndigung auf eine wirtschaftspolitische Unterstรผtzung weitergehen. Denn vermutlich werden โ im Gegenzug zur Rhetorik der EZB โ nicht allein Ankรผndigungen genรผgen, um die Investoren zu beruhigen.
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Jan Hoffmann ist Kundenbetreuer Institutionelle Kunden,
Vermรถgensmanagement, Firmenkunden in der Sparkasse Dortmund. Er arbeitet seit knapp 20 Jahren in der Sparkassen-Organisation, davon 15 Jahre in der Anlageberatung. Der Dipl.-Bankbetriebswirt berรคt seit 10 Jahren ausschlieรlich Selbstรคndige und Institutionelle Anleger und kennt die Themen Anlagerichtlinien und Client-Reporting daher gut. Jan Hoffmann hat an der Frankfurt School of Finance & Management studiert.

