Sonntag, 19. April 2026
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Mit der Blockchain Bank-Prozesse neu denken

Digitalisierung ist und bleibt eines der zentralen Themen in der Finanzbranche. Die Corona-Pandemie hat hier zusรคtzlich als Katalysator gewirkt. Besonders Distributed-Ledger-Technologien, kurz DLT, deren bekanntester Vertreter die Blockchain-Technologie ist, kรถnnte hierbei eine wichtige Bedeutung zukommen.

Denn die dezentrale Struktur der DLT, die Mรถglichkeit der Tokenisierung von Werten und die Automatisierung von Geschรคftsprozessen รผber Smart Contracts, bieten Potenzial fรผr verschiedene Anwendungsszenarien. Die ursprรผngliche Idee der Blockchain-Technologie war es, Finanzinstitute und die mit ihnen verbundenen Intermediรคre im Zuge einer Decentralized Finance (DeFi) รผberflรผssig zu machen. Hohe regulatorische Anforderungen etwa beim Know-Your-Customer-Prinzip oder bei Geldwรคschevorschriften sorgen dafรผr, dass die Aufsicht aber auch kรผnftig auf zentrale haftbare Ansprechpartner pocht.

Darรผber hinaus haben Use Cases gezeigt, dass nicht jede zentrale Intermediรคrsfunktion durch Blockchain-Technologie sinnvoll substituiert werden kann. Insofern ist hier eher von einem Open-Banking-Szenario auszugehen, in dem Banken digital vernetzt รผber Plattformen zusammenarbeiten, um ihre Kunden zu bedienen. Dabei dรผrfte die Blockchain-Technologie dazu beitragen, dass interne und externe Prozesse neu gedacht und sich die Rollen der Finanzakteure รคndern werden.

Erstmals ein digitaler Euro

Im Covered-Bond-Bereich hat die Sociรฉtรฉ Gรฉnรฉrale 2019 und 2020 mit zwei Test-Emissionen auf sich aufmerksam gemacht. Bei der ersten erfolgte das Cash Settlement noch auf traditionellem Weg. Bei der zweiten Platzierung im Zuge eines Forschungsprojekts mit der franzรถsischen Notenbank kam dann erstmals ein digitaler Euro zum Einsatz.

Durch das Settlement รผber digitales Zentralbankgeld (CBDC) war die Abwicklung der Transaktion komplett รผber die DLT mit Smart Contracts und ohne Medienbrรผche mรถglich. Das fรผhrte zu weiteren Effizienzsteigerungen. Bei den Projekten profitierte die Bank von der franzรถsischen Gesetzgebung. Denn diese setzt sich schon seit 2016 mit der Registrierung und dem Transfer von Wertpapieren รผber die Distributed-Ledger-Technologien auseinander.

Auch die Landesbank Baden-Wรผrttemberg beschรคftigt sich seit 2016 mit den Einsatzmรถglichkeiten der Blockchain-Technologie, zunรคchst mit Fokus auf Schuldscheindarlehen. Bei den ersten Blockchain-basierten Transaktionen 2017 und 2018 mit dem Automobilhersteller Daimler und dem Telekommunikationsunternehmen Telefรณnica Deutschland war parallel noch der klassische, papierhafte Abwicklungsprozess notwendig. Im Mรคrz 2020 erfolgte dann aber erstmals die Begebung eines vollstรคndig digitalen Schuldscheindarlehens, das deutlich schneller abgewickelt wurde. Auch hier war der Kreditnehmer die Daimler AG.

Davor kam es 2019 zur ersten volldigitalen Transaktion eines Asset-Backed Commercial Papers (ABCP). Sie erfolgte zwischen der LBBW als Plattformbetreiber ihrer Emissionsgesellschaft Weinberg Capital DAC und dem Asset Manager MEAG. In Abwesenheit eines gรคngigen offiziellen Zahlungs-Tokens wurden neben dem ABCP-Token, der das Wertpapier abbildete, auch ein Payment Order Token (POT) geschaffen, der die volldigitale Zug-um-Zug-รœbertragung des Investitions- und des Emissionsbetrags sicherstellte.

DLT-Anwendungen im Grundbuchwesen

Auch entlang der Wertschรถpfungskette von Covered Bonds lassen sich zahlreiche Anwendungsfรคlle digitaler Lรถsungen erkennen, speziell auch der DLT. Hier erscheint ein volldigitales Blockchain-basiertes Cover Pool Management allerdings noch als Vision. DLT-Anwendungen sind dagegen etwa im Grundbuchwesen bereits zu finden. Entsprechende Pilotprojekte sind zum Beispiel aus Dubai, Estland, GroรŸbritannien oder Schweden bekannt.

Auch in der Hypothekenfinanzierung gewinnen digitale Plattformen an Bedeutung. Sie umfassen meist die reine Finanzierungsvermittlung. Die Kreditvergabe selbst erfolgt noch klassisch. Auch die volldigitale Abwicklung eines Immobiliendarlehens รผber die Blockchain-Technologie ist keine Zukunftsmusik mehr. So hat das รถsterreichische Bundesrechenzentrum zusammen mit einem Start-up ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Immobilientransaktionen vom Kaufangebot รผber die Kreditvergabe bis hin zur Grundbucheintragung รผber eine Transaktionsplattform erfolgen sollen.

In den letzten Jahren war auรŸerdem das Aufkommen von alternativen Finanzierungsformen รผber Crowdinvesting-Plattformen unter Einsatz der Blockchain-Technologie zu beobachten. Potenzial entlang der Covered-Bond-Wertschรถpfungskette besteht zudem bei der Immobilienbewertung und beim Bonitรคts Scoring der Kreditnehmer.

Aufsicht reagiert auf Innovationen

Bei diesen Pilotprojekten dรผrfen regulatorische Vorgaben nicht auรŸer Acht gelassen werden. Auch hier ist zu beobachten, dass Aufsicht und Gesetzgeber auf die neuen Entwicklungen reagieren. So mรถchte die Bundesregierung im Zuge ihrer Blockchain-Strategie das deutsche Recht fรผr elektronische Wertpapiere รถffnen.

Dabei soll die zwingende Vorgabe einer urkundlichen Verkรถrperung eines Wertpapiers in Papierform nicht mehr uneingeschrรคnkt gelten. Vielmehr soll die Regulierung elektronischer Wertpapiere technologieneutral erfolgen, sodass kรผnftig eine Begebung auf einer Blockchain mรถglich ist.

Auch auf EU-Ebene werden die Entwicklungen bei Krypto-Assets und die damit verbundenen Potenziale der Tokenisierung genau verfolgt. Beide Themenfelder sind Teil des Berichts der EU-Kommission zur Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion vom Juni 2020.

Ziel ist eine klare Einteilung und Definition von Krypto-Assets, um eine zielgerichtete Regulierung und Aufsicht zu gewรคhrleisten. Szenarien, die bei der heutigen Gesetzgebung noch schwer vorstellbar sind, kรถnnten damit schon bald Realitรคt werden.

Tipp: Sie mรถchten mehr zum Thema Blockchain? Dann lesen Sie auch den Beitrag โ€žBlockchain: Das wahre Potenzial fรผr Bankenโ€œ oder erfahren Sie in unserem BANKINGCLUB-Daily โ€žWas ist eigentlich …?โ€œ alles zur Entstehung und Funktionsweise der Blockchain.

Karsten Rรผhlmann ist Senior Investment Analyst im Research der Landesbank Baden-Wรผrttemberg (LBBW).

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