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Bankenkernsanierung leicht gemacht

Nach über 800 Jahren erleben Banken eine der größten Revolutionen ihrer Geschichte. Einige haben es bereits begriffen und ihre verstaubten Schaufenster aufgepeppt. Die technologische Kernsanierung im Hintergrund steht jedoch erst am Anfang.

Von Thomas Müller - 03. Dezember 2015

Die Vergabe von Girokonten oder auch kurz- und langfristigen Krediten sowie die Vermittlung unterschiedlicher Anlagelösungen für Privatkunden und Unternehmen prägten jahrzehntelang die Kundenbeziehung klassischer Banken. Die Rollenverteilung war klar: Kunden kamen in die nächstgelegene Bankfiliale und ließen sich beraten. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Banken haben heute immer mehr mit Regulierung und strategischen Maßnahmen zu kämpfen. Aber das ist nicht das einzige Problem. Hinzu kommt noch ein zusätzlicher Akteur, der um die Gunst der Kunden kämpft. Dieser Akteur ist einer, für den die Kunden nicht extra in die Filiale kommen müssen; einer, der die Sprache des Kunden versteht und die Angebote der Banken einfacher zugänglich, verständlich und unkomplizierter macht; einer der auf die Kundenbedürfnisse besser eingeht und zeitgemäße Mittel anwendet, um diese zu bedienen.

Fintechs wühlen die Branche auf

FinTech heißt dieser Akteur, der aus dem verstaubten Zahlungsverkehr Mobile Payment macht, der aus veralteter Kreditvergabe Crowdlending entwickelt und aus klassischen Anlageformen das Social Trading erfunden hat. Und dieser Akteur entwickelt sich in einem eigenen Ökosystem rasant voran. Startups in Berlin, Köln, Frankfurt und München formieren sich. Investoren schielen auf das große Potenzial dieser jungen Unternehmen und pumpen jede Menge Geld in deren Ideen. Professionell ausgerichtete Veranstaltungen und ein regelmäßiger Austausch untereinander lassen zudem vermeintliche Probleme meist zu gar keinen werden. So entsteht Wachstum und das in einem atemberaubenden Tempo, mit dem traditionelle Banken nicht mithalten können beziehungsweise es zumindest versuchen. Onlinebroker und Direktbanken wie die Comdirect oder auch die Consorsbank setzen alle Hebel in Bewegung, um sich diesem Tempo anzuschließen. Auch wenn das „Schaufenster“ rundum erneuert wird und kostspielige Werbung versucht, dies den Verbrauchern nahezubringen, darf doch nicht vergessen werden, dass die technologische Kernsanierung im Hintergrund erst am Anfang steht. Ganze IT-Systeme müssen getauscht, neue aufgesetzt und implementiert werden. Zeitgemäßes Personal, das mehr als Java und Grundlagen-HTML programmieren kann, muss gefunden und eingestellt werden, ohne dabei die alten Programmierer zu entlassen, denn nur diese kennen die bestehenden Systeme und Prozesse. Alles Investitionen, die Banken in Zeiten geringerer Margen und erhöhtem regulatorischem Aufwand zusätzlich schmerzt. Denn neben diesen grundlegenden Veränderungen müssen sich diese weiter auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und Geld verdienen. Und das wird mit Sicherheit für jede Bank die größte Herausforderung. Es ist ein Wettrennen gegen die Zeit, denn neben diesen grundlegenden Veränderungen müssen Banken sich weiter auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Startups als Chance begreifen

Aus diesem Grund ist jede Bank gut beraten, FinTechs nicht als Konkurrenten, sondern als Chance im Kampf gegen die Zeit und gegen andere Wettbewerber zu sehen. Traditionelle Banken müssen mit den jungen Unternehmen zusammenarbeiten, kollaborieren oder sie sogar aufkaufen und in die eigenen Systeme integrieren. Dies spart nicht nur Zeit, Geld und die Suche nach fähigem IT-Personal, das nicht zu Google, Apple und Co. möchte, sondern wird eine Investition sein, die bestehende Kunden zufrieden macht und neue Kunden anzieht. Beinah in jedem Geschäftsbereich können sich Banken aus unterschiedlichen Lösungen bedienen und ihr eigenes Angebot durch die Integration von Startups ausbauen und verbessern.

Beispiele aus der Praxis

Hierzu zählt zum Beispiel die soziale Finanz-App Lendstar aus München welche gemeinsames Zahlen und Chatten unter Freunden ermöglicht. Oder Numbers26, die das klassische Girokonto komplett durch das Smartphone ersetzen könnten. Doch auch in weitaus komplexeren Themengebieten können Startups den Banken bereits interessante Technologien bieten. Während sich Decimo aus Berlin auf die Automatisierung der Rechnungsstellung von Selbstständigen konzentriert liegt der Fokus der Automatisierung bei dwins aus Bonn auf einem möglichst unkomplizierten Kontowechsel. Und Cashboard legt das Geld von Privatanlegern voll automatisiert an und spart Kunden bis zu einem bestimmten Volumen den Bankberatern. Für Anleger, die ihr Geld immer noch selbst in dir Hand nehmen, bietet VOOLA eine Suchtechnologie mit der Investoren kinderleicht aus über 1.000.000 Wertpapiere die passende Anlage am Kapitalmarkt finden können. Das alles ist Technologie, die den Banken in den eigenen Angeboten nicht nur einen Wettbewerbsvorteil bringen würde, sondern auch Bestandskunden zufrieden stellen und neue Kunden anlocken sowie die technologische Kernsanierung vereinfachen wird.

Bildnachweis: Vicente García Marín de Es via istockphoto.de

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