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Innovation

„Die Macht von Spiel und Spaß“

Mit CryptoKitties startete im November 2017 das weltweit erste Blockchain-Spiel auf Ethereum-Basis und löste mit seiner Massentauglichkeit auch außerhalb der Kryptoszene einen regelrechten Hype aus. Das Prinzip dahinter ist simpel: Spieler haben die Möglichkeit, einzigartige digitale Katzen zu kaufen, verkaufen und miteinander zu paaren. Das mutet auf den ersten Blick vielleicht kindisch an, bietet aber interessante Einblicke in die Zukunft von Gamifizierung, digitalem Besitz und der Blockchain selbst.

Von Daniel Fernandez - 28. März 2018

Bildnachweis: Axiom Zen

BANKINGNEWS: Die Alpha-Version von CryptoKitties entstand bei ETHWaterloo 2017 in Kanada, dem weltweit größten Ethereum-Hackathon. Was hat Sie dazu bewegt, einen Blockchain Use Case abseits von Kryptowährungen zu entwickeln?

Bryce Bladon: Unsere Hauptmotivation war es, die Blockchain-Technologie der breiten Masse zugänglich zu machen und die technischen Möglichkeiten jenseits von Kryptowährungen zu verdeutlichen. Mit CryptoKitties lernen Spieler nicht nur mit der Blockchain umzugehen, sondern erhalten auch eine Vorstellung davon, wie in Zukunft digitale Anlage und digitaler Besitz aussehen könnte.

„Macht euch Gedanken über die Zukunft, die ihr mitgestaltet“

Hat das funktioniert? Sind viele Ihrer Nutzer tatsächlich noch Neulinge in Sachen Blockchain?

Unsere Nutzer besitzen einen sehr unterschiedlichen Grad an Vorwissen und reichen vom „Krypto-Neuling“ bis hin zum „Blockchain-Fanatiker“. Es ist schwer zu sagen, wie viele unserer Nutzer tatsächlich gar nicht mit der Blockchain-Technologie vertraut waren, aber für einen beträchtlichen Teil unserer Nutzerbasis war CryptoKitties zumindest der Einstieg in die Szene. Blockchain-Projekte müssen erst eine bestimmte Anzahl an Nutzern gewinnen, bevor sie erfolgreich sein können. Eine leichte Zugänglichkeit dient sowohl der Community als auch den Entwicklern. Die Community erhält ein gesundes, vielfältiges Fundament und die von der Community entwickelten Projekte erhalten mehr Unterstützung. Gleichzeitig werden Innovationen vorangetrieben, weil sowohl Nutzer als auch Entwickler Zugang zu einer Umgebung haben, in der sie lernen und experimentieren können.

„Nutzer nicht für kurzfristige Gewinne ausbeuten“

Gamifizierung wird auch immer häufiger im Kontext von Banking diskutiert. Was kann die Finanzbranche von CryptoKitties lernen?

Macht euch Gedanken über die Zukunft, die ihr mitgestaltet! Als wir anfingen, Erfolg zu haben, tauchten fast über Nacht zahlreiche Nachahmer auf. Sie nahmen all unsere Ideen – gute wie auch schlechte – und kopierten sie, soweit es ging. Ob wir es wollen oder nicht, CryptoKitties hat festgelegt, was bei Blockchain-Spielen von nun an als „gängige Praxis“ gilt. Das ist sowohl aufregend als auch beängstigend. Als Führenden in diesem Zweig liegt es in unserer Verantwortung, unsere Nutzer nicht für kurzfristige Gewinne auszubeuten und damit ihr Vertrauen zu missbrauchen. Der langfristige Schaden, der für das Nutzervertrauen, die Marke und die Zukunft der Technologie selbst entstehen würde, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

„Begriffe wie digitale Kunst, Anlage und digitaler Besitz werden täglich neu definiert“

Es gibt bereits mehrere Berichte über Nutzer, die mit Ihrem Spiel beträchtliche Gewinne eingefahren haben. Die allererste CryptoKitty, Genesis, wurde zum Beispiel für ganze 250 Ether (heute über 180.000 Euro) verkauft. Kann man CryptoKitties auch als Investment betrachten?

Unsere Nutzer haben zahlreiche Möglichkeiten, Spaß mit dem Spiel zu haben. Spieler, die Energie und Zeit investieren, können damit potenziell auch einen Profit erwirtschaften, aber wir sprechen hier von Krypto-Sammelobjekten und nicht von Kryptowährungen. Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Kauf von CryptoKitties sollte nicht als finanzielle Anlage verstanden werden, sondern vielmehr als Kauf eines Kunstobjekts. Es gibt viele Gründe, in Kunst zu investieren, aber bei nur wenigen davon geht es um finanziellen Gewinn.

Anders als viele andere Start-ups hat CryptoKitties nie den Anspruch erhoben, eine Branche zu revolutionieren: „We’re not trying to build the future – we’re trying to have fun with it”, verkünden Sie auf Ihrer Website. Inwiefern könnten CryptoKitties trotzdem die Entwicklung von Blockchain beeinflussen?

CryptoKtitties hat bereits die Zukunft dieser Industrie beeinflusst. Wir haben festgelegt, was der „Standard“ bei Blockchain-Spielen ist und wie Krypto-Sammelobjekte aussehen sollten. Die Macht von „Spiel und Spaß“ sollte nicht unterschätzt werden. Videospiele funktionieren oft als Vorreiter neuer Technologien und Plattformen. Das macht Sinn, denn Spiele können die Mischung aus Unvollkommenheit und Neuartigkeit solcher Innovationen gut balancieren. Indem man bei der Entwicklung eines Spiels auf neu aufkommende Technologien zurückgreift, können sich sowohl die Spieler als auch die Entwickler mit der dahinterstehenden Technologie vertraut machen. Entwickler können in einer Umgebung experimentieren, die nicht von praktischem Nutzen getrieben ist. Schließlich – und das ist vielleicht der wichtigste Punkt – können Spiele eine Art Erfahrung vermitteln. Erfahrungen beeinflussen, woran wir glauben und wie wir die Welt wahrnehmen. CryptoKitties konnte die Nutzer mit seinem leicht zugänglichen Design, der ansprechenden Ästhetik und der richtigen Balance aus Spaß und Nutzen begeistern. Nur indem man Menschen dazu bringt, etwas zu fühlen – sei es Freude, Begeisterung oder Hoffnung – überzeugt man sie von einer Sache. Es mag arrogant klingen, aber die Millionen von Nutzern, die durch CryptoKitties an das Thema herangeführt wurden, könnten durchaus den Unterschied ausmachen, ob Blockchain eine Modererscheinung bleibt oder zu der Technologie wird, die unsere Zukunft bestimmt. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir weiterhin mit Cryptokitties sowie anderen geplanten Projekten experimentieren und nach neuen Ideen suchen. Begriffe wie digitale Kunst, Anlage und digitaler Besitz werden täglich neu definiert. CryptoKitties mag hier zwar die lauteste Stimme haben, es ist aber nicht die einzige – und die Diskussion ist noch lange nicht vorbei.

Bryce Bladon

CryptoKitties

Bryce Bladon ist Mitgründer von CryptoKitties und Director of Communications bei dem kanadischen Unternehmen Axiom Zen.

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