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Digitalisierung: Wieso Banken jetzt in die Pedale treten müssen

Von Marie Saewert-Faller - 27. Oktober 2015

Es gibt rund 2000 Kreditinstitute in Deutschland. Sie alle bilden gemeinsam einen der wichtigsten Sektoren in Deutschland und sind damit grundlegend für unser funktionierendes Wirtschaftssystem. Mit der Zeit hat sich das Umfeld für Banken enorm gewandelt. Nicht nur, dass mittlerweile die Technik von Fortschritten geprägt ist, auch die Generation Y bringt mit Ihrem Einzug in die bedeutenden Kundensegmente einer Bank neue Herausforderungen.

Alles muss fancy sein, individuell und so flexibel, wie es eben nur geht. Produkte sollen passgenau sein, für Beratung wird gerne auch mal Geld ausgegeben, wenn es bedeutet, den ganz persönlichen Service zu erhalten. Wie das möglich ist? Durch Digitalisierung!
Derart gravierenden Veränderungen den Rücken zu kehren und sich mit Ausreden der sich immer wieder zu Wort meldenden Digitalisierung zu entziehen, ist selten von Erfolg gekrönt. Selten passt ein altes Geschäftsmodell in einen Markt, dessen Spielregeln sich so enorm gewandelt haben. Es ist fast, als wolle man einem erwachsenen Kunden ein Kinderfahrrad verkaufen. Klar, es fährt sich super. Aber eben nur, wenn man Kleinkind ist.
In meinen Augen ist es keine Lösung, diese Entwicklungen zu ignorieren. Ganz im Gegenteil. Man verschenkt damit das Potenzial, mit der Zeit zu gehen und sich im Wettbewerb besser zu positionieren. Besonders, wenn es darum geht, den Kunden zu geben, was sie wollen: Das ist eine individuelle Beratung.

Angst vor Investitionen

Wie oft höre ich, Versuche, Beratungen über Skype durchzuführen, seien gescheitert. Daraus wird dann oftmals ein Schluss gezogen, der in eine fatale Sackgasse führt: Der Kunde will keine Video-Beratung. Die Tatsache, dass Skype eventuell einfach nicht der richtige Anbieter sein könnte, bleibt dabei weitestgehend unbeachtet. Auch ich hätte Bedenken, sensible Daten mit meiner Freizeitkommunikation in einen Topf zu stecken. Das Ignorieren von mittlerweile deutlich besseren, speziell auf die Bankenbranche zugeschnittenen Lösungen, ist wie verschossene Munition – oder an die Konkurrenz verschenkte.
Obwohl der Trend der Video-Beratung sich längst zu einem Meilenstein entwickelt hat, entsteht für mich der Eindruck, als würden viele Banken in Deutschland sich nicht trauen, ihre konventionellen Gewohnheiten abzulegen, aus Angst, Ressourcen zu verschleudern. Natürlich, in unbekannte Strategien steckt man ungern Geld, aber wie sollen sie sich bewähren, wenn man nicht ausreichend investiert? Die Bereitschaft der Kunden ist da, das Bedürfnis sowieso. Aber was noch viel wichtiger ist: Es bleibt für die Zukunft unumgänglich.

Glückliche Kunden, Nachhaltigkeit, Wirtschaftskrisen

Zufriedene Kunden sind sicher der wichtigste Indikator für eine erfolgreiche Strategie. Sich ausschließlich daran zu orientieren, ist aber in einer von Wirtschaftskrisen und Nachhaltigkeitsdiskussionen getriebenen Zeit auch nicht der richtige Weg. Vor allem, da das eine das andere bedingt. Die Endlichkeit unserer Ressourcen und unseres Planeten drängt sich immer stärker in das Bewusstsein unserer Gesellschaft. Kunden ebenso wie Unternehmen werden sich ihrer Rolle als Akteure bewusst, das sichere Ende zu verhindern – aber bitte nur, wenn es nicht zu unbequem wird. Was paradox klingt, könnte einen Anfang in der Digitalisierung finden, sowohl für unsere Umwelt, als auch für unsere krisengeschüttelte Wirtschaft. Durch sie bedeutet Nachhaltigkeit eben nicht automatisch Verzicht.

Nachhaltige Achtsamkeit: weder öko, noch unbequem

Ein bewusster Umgang mit monetären Ressourcen und unserer Umwelt wird mit vielen Dingen assoziiert, aber sicher am allerwenigsten damit, wie unglaublich einfach es ist. Das ist schade, gibt es doch ausschöpfbare Wege, die erfolgsorientiertes Wirtschaften und Nachhaltigkeit durchaus nicht gegeneinander ausschließen. Ein bekannter Blogger und Journalist geht davon aus, dass sich unser Wertesystem im Zuge der Wirtschaftskrise komplett umkehren werde, weg von der Kapitalakkumulation hin zu mehr Bedeutung des Einzelnen und seinen Bedürfnissen. Mit dieser Umkehr fällt nicht nur der Startschuss für bewussteres Wirtschaften. Es schafft zudem eine neue Basis, auf der die Eingliederung von digitalen Veränderungen in ein Unternehmen von neuen Chancen genährt wird und bei Beachtung des veränderten Kundenbewusstseins unabdingbar wird.

Ohne einen Weg kommt man nicht ans Ziel

Wo will ich mit meinem Unternehmen eigentlich hin und welche Meilensteine führen mich zum Ziel? Auf dieser Frage sollte anfangs ein besonderes Augenmerk liegen. Denn ist mein Ziel, mich im Markt besser als meine Konkurrenz zu positionieren, dann ist es sicher nicht zielführend, den Weg dorthin nur mit zwar bewährten aber veralteten Fortbewegungsmitteln zu bestreiten. Wenn ich die Tour-de-France gewinnen will, wähle ich sicher auch kein Kinderfahrrad.

Bildnachweis: lucia_luccia via istockphoto.de

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