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Inkubator – Der Brutkasten für Startups

Von Julian Achleitner - 23. Mai 2014

Kommen Kinder zu früh auf die Welt, müssen sie in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Dieselbe Hilfe brauchen Jungunternehmer, die sich am Markt etablieren wollen. Bei beiden helfen Inkubatoren.

Zugegeben, nur der Name ist gleich. Die Funktionsweise ist eine andere.

Alle Eltern, deren Kind als Frühchen das Licht der Welt erblickte, kennen den Begriff „Inkubator“ oder auf Deutsch „Brutkasten“. Damit das Neugeborene sich normal und gesund entwickelt, wird es in den Inkubator gelegt. Diese Entwicklungshilfe ist für das Überleben in der kritischen Phase zwingend erforderlich. Wen wundert’s, dass sich Starthilfen für Start-Ups (engl.: Jungunternehmen) diesen medizinischen Begriff für ihr Geschäftsmodell auserwählten. Was Ärzte für Frühgeborene tun, streben die Inkubatoren für Start-Ups an. Sie begleiten sie in der Gründungsphase und helfen ihnen, sich zu entwickeln. Es geht nicht nur um Finanzspritzen. Unterstützt werden die Jungunternehmer im Know-How, Kontakte werden geschaffen, rechtliche Fragen werden geklärt und vieles mehr. All dies hilft, die erste Zeit am Markt zu bestehen. Aus reiner Nächstenliebe agiert kein Inkubator. Sie finanzieren sich, indem sie Anteile an der Firma erhalten. Schwerpunkt der meisten Inkubatoren liegt im Bereich des E-Commerce. Alle, die zündende Geschäftsideen für den Online-Bereich haben, können sich unterstützen lassen. Natürlich streben nicht nur diejenigen auf den Markt, die gute Idee haben. Manche sind einfach nicht umzusetzen oder zu absurd. Wer solche Jungunternehmen unterstützt, kann sein Geld direkt zum Fenster hinauswerfen oder verbrennen. Daher prüfen Inkubatoren zuerst die Idee auf ihre Nachhaltigkeit und auf das Können und den Willen des potenziellen Unternehmers. Ist diese erste Hürde genommen ist, liegt das Haupthindernis hinter einem. Nun wird alles konkreter.

Neue Konkurrenz zur Bank

Es können durchaus Unternehmen auf diese Art und Weise entstehen, welche am Markt bestehen können. Man denke nur an Zalando, die ebenfalls durch den Inkubator Rocket Internet munter die ersten Schritte auf dem Markt machte. Zalando kennt heute jeder und befindet sich auf einem steten Wachstumskurs. Mittlerweile, so lästern Branchenkenner, gibt es mehr Inkubatoren als Startups. Gewiss, alle von ihnen werden sich nicht bewähren und werden den Schritt gehen, vor dem sie ihre Schützlinge bewahren wollen, nämlich den in die Pleite. Manche werden sich am Markt etablieren. Die, die überleben, sind ernsthafte Konkurrenten etablierter Banken.

Banken als Inkubatoren

Warum sollen sich aber Banken gerade in ihrem Kerngeschäft die Butter vom Brot nehmen lassen? Sollen sie wirklich tatenlos zuschauen? Natürlich nicht! Sie haben genau das, was man braucht, um Jungunternehmen erfolgreich zu unterstützen. Sie haben das Geld und Erfahrung. Letztere sogar mehr als genug. Auch haben sie etwas, was in der Finanzwelt eine sehr große Rolle spielt. Wenn nicht sogar die entscheidende – sie genießen Vertrauen. Ihn zu erarbeiten, ist sehr schwer und gelingt auch nicht über Nacht. Die Commerzbank hat es vorgemacht. Mit ihrer 100%igen Tochter, Main Incubator GmbH, versucht sie, Fuß in diesem Markt zu fassen. Warum auch nicht? Wie Christian Hoppe, Geschäftsführer der Main Incubator, auf dem Fachkongress INNOVATIONSforBANKS des BANKINGCLUB erklärte, habe sich die erste Befürchtung, die Nähe zur Commerzbank könne schaden, nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, gerade sie ist ein Wettbewerbsvorteil. Sie strahlt Kompetenz und Vertrauen aus. Es gibt keinen Grund für andere Banken, diesem Beispiel nicht zu folgen.

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