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So funktioniert das Open Banking der Hypothekarbank Lenzburg

Die Hypothekarbank Lenzburg AG hat ihr Kernbankensystem mit einer offenen Schnittstelle ausgestattet und startet die Bankenplattform der Zukunft im Testbetrieb. Ausgewählte Fintechs werden die Technologie testen und damit den ersten sogenannten Open-API-Standard der Schweiz mitgestalten. Ein Projektbericht.

Von Marc Fischer - 03. August 2017

Die Hypothekarbank Lenzburg AG ergänzt ihr Kernbankensystem Finstar mit einer offenen Programmierschnittstelle der NDGIT GmbH. Bildnachweis: Hypothekarbank Lenzburg

Im vergangenen Mai hat die Hypothekarbank Lenzburg ein Projekt lanciert, das für die Schweiz Pioniercharakter hat. Im Zentrum steht die Kernbankenapplikation Finstar, die mit einer offenen Schnittstelle – einem sogenannten Open Application Programming Interface oder kurz: Open API – ergänzt wird. Finstar ist eine Eigenentwicklung der Aargauer Universalbank, die 1868 in Lenzburg gegründet wurde und heute an der Schweizer Börse gelistet ist. Finstar wird von der Hypothekarbank Lenzburg und acht weiteren Lizenznehmern aus der Schweiz für den Betrieb des operativen Bankgeschäfts genutzt.

Die Neo-Version von Finstar kann man sich als ein Netzwerk mit drei Ebenen vorstellen. Im Kern des Netzwerks befindet sich die Core-Banking-Applikation, die über eine proprietäre Schnittstelle mit dem NDGIT-Layer kommuniziert. Gegen außen offen ist der „Public Access“, der quasi die Außenhülle des Netzwerks bildet. Zwischen den einzelnen Ebenen findet der Datenaustausch statt: Auf der äußersten Ebene können die Fintech-Unternehmen andocken und Daten mit der NDGIT-Ebene austauschen, die ihnen bankseitig vom Finstar-System zur Verfügung gestellt werden.

„Fintechs sind agiler und dynamischer“

Die Spezifikationen hat die Hypothekarbank Lenzburg aktuell noch nicht auf einer für alle zugänglichen Internetseite publiziert. Die Codes werden aber auf Anfrage herausgegeben. „Wir wollen vor allem in der Testphase genau wissen, wer sich auf unserer Plattform bewegt“, sagt Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg. Die Chefin der Hypothekarbank Lenzburg gilt in der Schweiz als Wegbereiterin in Sachen Fintech. Nur wenige würden sich der digitalen Herausforderungen so konsequent wie Wildi stellen, urteilte unlängst das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in einem Beitrag der Radiosendung „Trend“. „Fintechs sind im Gegensatz zu Banken agiler und dynamischer“, sagt Wildi. Es gehe in Zukunft vermehrt um die Interaktion mit dem Kunden. „Wir müssen auf offene Plattformen, das heißt auf eine IT-Infrastruktur mit offenen Schnittstellen, setzen, um im digitalen Wandel mithalten zu können“, ist die Bankchefin überzeugt. Die nun lancierte Plattform basiert auf dem Datenstandard JSON und dem sogenannten Rest-API. Fintech-Unternehmen arbeiten gerne mit diesen Formaten, weil sie einen effizienten Datenaustausch und schlanke Interfaces ermöglichen. Damit der Informationstransfer funktioniert, müssen die Anfragen in der Struktur und der Namensgebung identisch sein mit den Daten, die das Banksystem als Antworten zurücksendet.

Diese Prozesse zu standardisieren, ist an und für sich keine höhere Mathematik. Banken, Fintech-Unternehmen und Neo-Banken müssen sich einfach darauf einigen, welche Felder im Datenaustausch verwendet werden, wie sie heißen und wie sie formatiert sein müssen. Die „Hypi“-Plattform ermöglicht in der Version, wie sie sich Anfang Juni präsentiert hat, einen offenen Datenaustausch in den Bereichen Accounts, Money Transfer, Future Orders und Transactions. Gehostet wird die Umgebung in einer Cloud mit Standort Schweiz. Wenn das System nach der Testphase in den echten operativen Betrieb geht, soll es dann wieder „on premise“, also im eigenen Datencenter der Hypothekarbank Lenzburg, betrieben werden.

Ein eigener Standard mit „Swiss Finish“

Auch im digitalen Banking der Zukunft spielen länderspezifische Eigenheiten eine Rolle. So muss die Hypothekarbank Lenzburg ihre Lösung des Münchner Open-API-Spezialisten NDGIT nun noch „einschweizern“, weil sie auf dem europäischen Standard basiert, der beispielsweise im Bereich der Zahlungsaufträge von den Schweizer Normen abweicht. Die Hypothekarbank Lenzburg entwickelt deshalb in der Testumgebung einen eigenen Standard mit „Swiss Finish“. „Wir werden dazu im nächsten Schritt echte Bankdaten auf die neue Umgebung laden, und einzelne von uns speziell selektionierte Fintech-Unternehmen können dann die Schnittstellen testen und uns Feedback über ihre Erfahrungen und allfällige Probleme geben“, sagt Pius Stocker, Leiter der Softwareentwicklung bei der Lenzburger Bank

Am Schluss dieser „Proof-of-Concept“-Phase steht der erste API-Standard der Schweiz. Zudem soll die Technologie und die Testumgebung als sogenannte „Sandbox“ dem Branchenverband Swiss Fintech Innovations (SFTI), dem auch die Hypothekarbank Lenzburg angehört, zur Verfügung gestellt werden. Die SFTI-Arbeitsgruppe Open API hat sich zum Ziel gesetzt, einen allgemeinen Schnittstellen-Standard für die Schweiz zu definieren.

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