Konsolidierung im Bankensektor: Gefährdete Präsenz

Während sich der DAX weitgehend unbeeindruckt vom wirtschaftlichen Ausblick des Landes zeigt, blickt die mittelständische deutsche Wirtschaft auf ein Krisenjahr zurück. Die Sorgen der Unternehmer könnten auch die kleineren Regionalbanken erreichen.


Nikada

Im Verlauf der letzten 30 Jahre wurden in regelmäßigen Abständen Warnungen zur Konsolidierung im Bankensektor ausgesprochen. Die sinkende Zahl von Kreditinstituten und das Filialsterben sind oft Vorboten für nahende strukturelle Veränderungen. Auch die Bundesbank gibt kontinuierlich Auskunft über die aktuellen Zahlen und untermauert damit die allgemeine Entwicklung. Doch es wäre falsch, von der zur Gewohnheit gewordenen Wasserstandsmeldung auf eine Entspannung der Lage zu schließen.

An der Belastungsgrenze

Allein zwischen 2019 und 2023 ist die Zahl der Geldhäuser von 1717 auf zuletzt 1395 gesunken. Das entspricht dem beachtlichen Verlust von 18,75 Prozent in gerade einmal vier Jahren. Ähnliches lässt sich über die Tendenz bei Bankfilialen berichten. Verfügte die Branche 2019 noch über 26.667 Zweigstellen, waren es Ende 2022 nur noch 20.446 – also 23,23 Prozent weniger. Nicht zuletzt jenseits der städtischen Ballungszentren nahm das Präsenzangebot spürbar ab. Jüngste Entwicklungen deuten darauf hin, dass eine Trendwende so schnell nicht in Sicht ist. Im Gegenteil, eine ganze Reihe von Regionalbanken kündigte unlängst an, ihr Filialnetz auszudünnen. Erst im Januar gab etwa die Sparkasse KölnBonn bekannt, dass man jede dritte Niederlassung schließen werde. Der Kostenschuh drückt gewaltig, und zu allem Überfluss kommen noch externe Einflussfaktoren hinzu, von zunehmender Belastung durch Berichtspflichten über Hackerangriffe bis hin zur steigenden Zahl an Geldautomatensprengungen. Ursachen reichen weit über verpasste digitale Chancen oder hausgemachte Probleme hinaus.

Domino-Effekte

Ein Blick über den Großen Teich verdeutlicht zudem, wie stark Marktdynamiken ineinandergreifen und einzelne Institute gefährden können. Im Schatten der Pleite der Silicon Valley Bank entstand 2023 eine Mischung aus Gewerbeimmobilien- sowie Zinskrise unter Regionalbanken. Aus Liquiditätsengpässen wurden in Windeseile Existenznöte. Unternehmen wie die First Republic Bank konnten nur knapp vor dem Konkurs bewahrt werden – bis heute bleibt die Situation angespannt. Natürlich ist die Problematik des USA nicht eins zu eins auf den Standort Deutschland übertragbar. Die Europäische Zentralbank ist darum bemüht, systemische Risiken bestmöglich einzuhegen, führt Stresstests durch und hat die Eigenkapitalquoten im Blick.

Aber insbesondere kleinere Privatbanken und Regionalbanken unterliegen häufig strukturellen Abhängigkeiten, die sich nicht einfach wegregulieren lassen. Fällt ein großer Partner weg, hat das unmittelbare Konsequenzen für die Bank. In Anbetracht steigender Insolvenzzahlen sieht es derzeit danach aus, dass sich die Bankenkonsolidierung auch 2024 fortsetzen wird.

Tipp: Sie möchten gerne weitere Fachartikel aus der aktuellen BANKINGNEWS 298 lesen? Dann lesen Sie hier das aktuelle Feature zum Thema Geldautomatensprengungen in Deutschland.