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Die politische Perspektive

Von Thorsten Hahn - 04. September 2008

Durchweg positive Stimmen kommen aus den Reihen der Politik zur Übernahme der Dresdner Bank. Scheinbar wiegt die Tatsache, dass die Dresdner Bank in deutscher Hand bleibt, höher als der Verlust von ca. 6.500 Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik.

Von Andreas Kißler – DOW JONES NEWSWIRES – Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat die Übernahme der Dresdner Bank AG durch die Commerzbank AG begrüßt und als positiv für den Finanzplatz Deutschland gewürdigt. „Das ist gut für den Finanzplatz Deutschland und stärkt den Finanzplatz“, sagte Steinbrück am Montag in Peking, wo er sich mit einer Wirtschaftsdelegation zu Gesprächen aufhält.

Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen wies zu Beginn des China-Besuches am Montag Mutmaßungen zurück, bei der Transaktion sei politischer Druck ausgeübt worden, um die Dresdner Bank an die Commerzbank und nicht an die China Development Bank zu veräußern. „Es gab bei der Lösung keinerlei politische Einflussnahme“, erklärte Asmussen. „Die Entscheidung haben allein die Aktionäre der Commerzbank und der Allianz getroffen“, betonte er. Auch Asmussen wertete die Einigung zur Fusion der beiden Großbanken gegenüber Journalisten positiv. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte der Finanz-Staatssekretär. „Endlich bewegt sich etwas.“

 
 



Die Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner durch die Commerzbank für 9,8 Mrd EUR war am späten Sonntagabend nach monatelangen Verhandlungen besiegelt worden. Mit der Fusion entsteht eine zweite deutsche Großbank, allerdings ist die Deutsche Bank mit einer Bilanzsumme von 2 Bio EUR immer noch fast doppelt so groß wie das fusionierte Institut mit 1,1 Bio EUR.

Führende Vertreter der Koalitions-Fraktionen lobten die Fusion ebenfalls. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Meister sagte, diese sei für Auslandsengagements der deutschen Wirtschaft wichtig. „Ich begrüße, dass für die deutsche Wirtschaft neben der Deutsche Bank, die eine Größe hat, dass sie auch größere Unternehmen ins Ausland begleiten kann, ein zweites Institut in Deutschland entstehen kann“, sagte er zu Journalisten in Peking. Er hoffe, „dass jetzt für das gemeinsame Institut eine Strategie und ein Geschäftsmodell gefunden werden kann, das langfristig trägt und möchte allen Akteuren für den Mut Glückwunsch sagen“.

Der CDU/CSU-Fraktionsvize würdigte das Zusammengehen der beiden Banken als einen „Schritt im Konsolidierungsprozess in Deutschland“. Aufgrund der Finanzkrise werde das regulatorische Umfeld dazu führen, dass künftig in den Instituten mehr Eigenkapital benötigt werde. „Deshalb wird die Frage der Konsolidierung weiter auf der Tagesordnung bleiben“, erwartete Meister. Dies gelte auch für die Landesbanken. „Man kann aus der Finanzkrise und den Erfahrungen des vergangenen Jahres durchaus lernen, dass im Bereich der Landesbanken ein Konsolidierungsprozess auch notwendig ist“, betonte er.

Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte, auch wenn es nun kurzfristig zu Arbeitsplatzverlusten komme, sei die Lösung „mittel- und langfristig für die Bankenlandschaft positiv“. Es gebe damit „neben der Deutschen Bank einen Zweiten, der zwar international nicht wirklich mithalten kann, aber doch eine größere Handlungsfähigkeit hat“ als früher Dresdner Bank und Commerzbank separat. „Das ist aus meiner Sicht der Beginn einer Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft“, erklärte Wend. „Ob die Postbank dabei irgendwann eine Rolle spielen kann, muss man abwarten“, betonte er aber auch.

Ausdrücklich lobte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, dass mit der Commerzbank ein deutsches Finanzhaus den Zuschlag bekommen habe. „Gut finde ich, dass wir es hinbekommen haben, das wirklich in Deutschland zu halten und da´durch an Marktmacht gewonnen haben mit unseren Banken“, hob er hervor. Zwar habe er keine grundsätzlichen Bedenken gegen chinesische Partner. „Aber für uns ist es aus meiner Sicht attraktiver, wenn wir eine deutsche Großbank formen konnten.“ Vielleicht wären zwar bei einer anderen Lösung kurzfristig vielleicht die Arbeitsplätze gehalten worden. „Wenn man einmal zehn Jahre in die Zukunft sieht, dann ist das für uns die bessere Lösung“, betonte Wend aber mit Blick auf die beschlossene Fusion.

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