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Duzt du schon oder siezen Sie noch?

Von Redaktion - 13. Februar 2012

Hey Du! Genau Du! Ist es Dir unangenehm so direkt angesprochen zu werden? Immerhin kennen wir uns nicht… Deine Kollegen kennst du aber schon, manche von ihnen seit Jahren. Du siehst sie täglich im Büro, erzählst ihnen sogar von deinem Wochenende… Duzt du da schon oder siezt du noch?

Lasst uns ehrlich sein, wenn die deutsche Sprache einen Hacken hat, dann den, dass es unterschiedliche Formen der förmlichen Ansprache gibt. Wann darf man Duzen, wann soll man Siezen?

Vor vierzig Jahren gehörte es zum guten Ton einander zu Siezen, privat, sowie auch beruflich. Da siezten sich ja sogar noch die Jugendlichen, bis sie wussten, dass eine lebenslange Freundschaft entsteht. Das waren die steifen alten Zeiten. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der Mensch ist offener geworden, bei weitem freizügiger, und lockerer im Umgang mit anderen sozialen Individuen in seiner Umgebung. Dennoch gestaltet sich die Wahl der richtigen Anrede als heikles Thema, gerade im Beruf.

Infolge des gesellschaftlichen Wandels nach 1968 ist das Siezen in vielen Bereichen stark zurückgegangen. Das „Du“ in der Geschäftswelt breitet sich mehr und mehr aus. Doch wird in der Administration nicht so häufig geduzt, wie in anderen Bereichen. Anders gesagt: Dort wo Anzug und Krawatte Pflicht sind ist das „Du“ unter Kollegen seltener. Gerade in Banken und Versicherungen scheint das förmliche „Sie“ die Seriosität der Branche zu betonen. Verständlich, dass Du deinen Kunden gegenüber höflich und distanziert begegnen willst, aber wieso musst Du auch so amtlich mit deinem Kollegen umgehen, mit dem Du dich auf der letzten Betriebsfeier daneben benommen hast?

Eine Umfrage der Jobbörse stellenanzeigen.de hat ergeben, dass mehr als ein Fünftel der Angestellten die höfliche Anredeform für den Umgang im Büro zu steif findet und das „Du“ für angemessener hält. Nur 15% der Befragten wünschen sich den Job als dutzfreien Raum. Eine andere Umfrage von monster.de hat gezeigt, dass 31% der Angestellten zwar ihren Vorgesetzten siezen, aber mit ihren Kollegen per Du sind. Bereits in 31% der Fälle wird aber auch schon der Chef geduzt.

Das „Du“ wird immer öfter Bestandteil der Firmenkultur, weil es das Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen stärkt. Und das ist nicht der einzige Vorteil. Seine Kollegen zu duzen schafft Nähe und Vertrautheit. Man fühlt sich wohler unter den Menschen, die man duzt. Es kann aber auch schnell zu kumpelhaft und zu locker wirken. Doch wenn man miteinander scherzt ändert ein formelles „Sie“ auch nichts an der Lockerheit. Unter Gleichaltrigen lässt sich durch das „Du“ eine Geschäftsbeziehung ungezwungener aufbauen. So ist es nicht nur für Dich gut andere zu Duzen, sondern auch für das Geschäftsklima. Ein „Du“ wirkt jugendlich! Ein Image, das noch keinen geschadet hat. IKEA setzt auf eine Du-Philosophie und stattet dabei nur meinen Lebensraum aus. Genauso wohl wie ich soll sich aber auch mein Geld fühlen!

Manche Banken setzen auf das jugendliche Image sogar schon in Bezug auf Kunden. Die Sparkasse Nürnberg hat schon seine Kunden über Facebook geduzt. Da könnt Ihr euch doch auch untereinander duzen, hinter verschlossenen Türen. Nehmt euch doch ein Beispiel an Kindern: bevor sie die Verwirrung der ganzen „Dus“ und „Sies“ der Erwachsenenwelt entdecken, bleiben sie charmant beim Du.

Foto von Lise Gagne –
www.istockphoto.de

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