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Erstaunliche Studienergebnisse

Von Kornelius Purps - 17. August 2010

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 17. August 2010 !

  • Neue Welt: Anleiherenditen fallen nicht wegen Panik, sondern wegen eines neuen Weltbildes
  • Neuer Held: Japans Premierminister diskutiert ein 15-Milliarden-Euro Konjunkturprogramm
  • Neues Geld: Irland plant den Verkauf von 1,5 Mrd. Euro 3jähriger und 10jähriger Staatsanleihen

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Umfragen und Studien jeden Tag veröffentlicht werden. Wann hat mich das letzte mal jemand gefragt, ob ich in den nächsten zwölf Monaten einen Kühlschrank oder ein Auto kaufen will? Ob ich mit der Regierung zufrieden bin? Oder ob ich als Nissan-Fahrer meiner Frau untreu oder Anhänger von Fortuna Düsseldorf bin? Gestern konnten insbesondere die Frauen unter uns viel über sich erfahren. Nette Frauen nähmen häufiger zu. "Nicht die Fetten werden nett, sondern die Netten werden fett", fasste eine US-Psychologin ihre Forschungsergebnisse einigermaßen unsensibel zusammen. In einer anderen Studie lernten wir, dass attraktive Frauen fast nie Baustellenleiter werden. Aber wenn SIE es geschafft hat und mehr verdient als ER, dann steigt das Fremdgehrisiko sowohl bei IHR als auch bei IHM. Wenn SIE aber weniger verdient als ER, geht nur ER fremd, nicht SIE. Aha. Mit der netten Kühlschrankverkäuferin, oder wie?

Auch an den Finanzmärkten findet jeden Tag eine Umfrage statt: "Was wollt ihr lieber: Aktien, Anleihen oder Maoam?" Die derzeit eindeutige Antwort lautet: Anleihen. Warum? Weil meine Frau mehr verdient als ich? Nein, weil sich an den Märkten mehr und mehr die Ansicht durchzusetzen scheint, die Zentralbanken dieser Welt würden ihre Leitzinsen auf etliche Jahre hinaus nicht mehr anheben. Alles in allem stellen sich immer mehr Anleger auf so etwas wie japanische Verhältnisse ein: schwaches Wachstum und niedrigste Inflationsraten. Alleine gestern fielen die Renditen amerikanischer und deutscher Staatsanleihen in 10- bis 30jährigen Laufzeiten um 10 bis 15 Bp. Das war keine Panik oder zunehmende Risikoaversion. So etwas würde in kurzen Laufzeiten gespielt werden, und außerdem wäre Panik von einbrechenden Aktienkursen und einem fallenden EUR-USD-Wechselkurs begleitet. Doch davon war gestern wenig zu sehen. Langsam, aber mit Bestimmtheit, reift die Erkenntnis, dass das, was die US Notenbank letzte Woche beschlossen hat, nicht einfach nur der zaghafte Versuch einer vorsichtigen Abfederung der Konjunkturdynamik war. Die Fed entschied, dass ihre Politikvariable fortan die Höhe ihrer Bilanzsumme sein wird. (Um genau zu sein, zielt sie auf den Bestand der von ihr gehaltenen handelbaren Wertpapiere, aber das macht qualitativ keinen Unterschied.) Der unmittelbar daraus abzuleitende Stimulus ist überschaubar: Die Maßnahme bedeutet den zusätzlichen Erwerb von US Staatsanleihen im Volumen von rund 20 Mrd. Dollar pro Monat. Bedeutender indes ist die strukturelle Politikverschiebung: Nicht mehr irgendein Leitzins ist die Politikvariable, sondern die Bilanzsumme. "Balance Sheet Targeting" ist Quantitative Easing in reinster Form. Quantitative Easing beantwortet nicht die Frage, wie viel, sondern auf welche Weise Liquidität in den Markt gepumpt wird. Und an den Märkten wird das seit ein paar Tagen übersetzt mit: niedrige Leitzinsen und hohe Liquidität forever.

Wenn man einen mittelfristigen Konjunkturausblick wagt, ist die große Unbekannte stets: Wie stark nimmt die Politik Einfluss? Aus Japan heißt es heute früh, Premierminister Naoto Kan plane ein Konjunkturpaket im Volumen von umgerechnet rund 15 Mrd. Euro. Hat jemand mitgezählt, das wievielte Paket in den letzten 20 Jahren dies ist? Mich würde nicht wundern, wenn auch in den USA bald wieder eine entsprechende Diskussion startet. Bei uns in Deutschland heißt das Konjunkturprogramm hingegen: "Wir halten an unserem Sparpaket fest!"

Wir befinden uns in einer Phase, in welcher jedes Fitzelchen Information über die Konjunkturentwicklung in den USA von Belang ist. Heute gibt es Daten zu den Baubeginnen, den Baugenehmigungen und zur Industrieproduktion. Der Konsens erwartet recht ordentliche Zahlen, das Enttäuschungspotenzial ist also einigermaßen hoch. Aus Deutschland kommt um 11 Uhr der ZEW Index, aber das ist nicht so wichtig, weil die Märkte reagieren nur auf Zahlen aus den USA und aus China – und vielleicht noch aus Großbritannien. Dort werden am Vormittag die Inflationsdaten für Juli veröffentlicht. Mit Spannung warten die Anleger auch auf die Bondauktion in Irland: Die Finanzagentur plant, 1,5 Mrd. Euro in 3j. und 10j. Anleihen zu verkaufen. Der Renditeaufschlag der 10jährigen gegenüber Bunds hat sich unlängst um 75 Bp auf rund 300 Bp ausgeweitet. Na hoffentlich finden sich da genug gutverdienende, nette Frauen mit neuem Kühlschrank und großem Depot…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Sandra Brunsch – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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