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Gesucht: Ehrbare Kaufleute!

Von Thorsten Hahn - 23. Oktober 2009

Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß sind die vier Tugenden eines ehrbaren Kaufmannes. Aus der Sicht der drei Autoren des Buches „Der ehrbare Kaufmann“, welcher in wenigen Tagen im Bank-Verlag erscheint, ausreichend für eine vollständige Orientierungsempfehlung an das heutige Management.

Herr Professor Wegmann, Sie sind Betriebswirt und nicht Historiker. Wie kamen Sie auf die Idee, sich mit den 2000 Jahre alten Tugenden des „ehrbaren Kaufmanns“ zu befassen?
Jürgen Wegmann: Ich berate seit über 20 Jahren Unternehmen beim Gang an die Börse. Die Erfahrungen mit den Unternehmen, den Banken und Anlegern haben mich nach dem Platzen der Spekulationsblase des Neuen Marktes im Jahr 2000 sehr nachdenklich gestimmt. Darüber hinaus hat mich mein Kontakt mit den Studierenden dazu gebracht, die für die jungen Leute spannende Welt der Finanz- und Kapitalmärkte nicht nur ökonomisch, sondern auch philosophisch zu betrachten. Es gibt eine historische Verantwortung, die wir den zukünftigen Managern und Unternehmern mit auf den Weg geben müssen. Dazu bietet sich nun einmal das Beispiel des „ehrbaren Kaufmanns“ an. Was seit rund 2000 Jahren unsere abendländische Kultur zusammenhält, und dazu zählt auch unsere komplexe und globale Wirtschaftwelt, kann so schlecht nicht sein.

Welches sind denn die Tugenden, die den „ehrbaren Kaufmann“ zu einem solchen werden lassen – und welche Laster darf er haben?
Hubertus Zilkens: Die vier Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß bieten uns eine vollständige Orientierung – im Management, aber auch im zwischenmenschlichen Umgang miteinander. Überträgt man die Tugenden in unsere Zeit, dann geht es bei der Klugheit grundsätzlich um ein planvolles Wirtschaften, das Nachhaltigkeit mit einbezieht. Die Gerechtigkeit bedeutet, jedem das Seine gemäß seiner Leistung zu geben und schließt eine „Gleichmacherei“ im Unternehmen aus. Die Tapferkeit bedeutet, für seine Überzeugung einzustehen. Und das Maßhalten meint einen vorsichtigen und sparsamen Umgang mit den Ressourcen des Unternehmens. Aber auch ein Zuviel an Tugend kann schaden. Daher gehört zum „ehrbaren Kaufmann“ auch ein dosierter Einsatz der Laster. Denn bei den Tugenden und den Lastern gilt der Satz des berühmten deutschen Arztes Paracelsus: Dosis facit venenum – die Dosis macht das Gift.

Unsere Gesellschaft hat sich so stark verändert – können wir diese Grundsätze einfach so auf die heutige Zeit übertragen? Oder anders gefragt: Was muss der „moderne ehrbare Kaufmann“ anders machen?
Dieter Zeibig: Natürlich können wir die Grundsätze, die den ehrbaren Kaufmann charakterisieren, auf unsere Zeit übertragen. Der Dreh- und Angelpunkt ist die Kommunikation. Ihr muss es gelingen, eine verbale, visuelle und zeitgemäße Form der Interpretation zu finden. Allerdings leidet unsere Gesellschaft an einem dramatischen Kommunikationsproblem: Wir sprechen nicht mehr mit einer Sprache, wir benutzen unterschiedliche Worte völlig sinnentstellt. Die „Geiz ist Geil“-Kampagne ist der falsche Ansatz. Aus einem Laster darf mittels Kommunikation keine Tugend werden, deshalb gilt besonders für die Kommunikation des „ehrbaren Kaufmanns“, dass die Begriffe, die er verwendet, allen verständlich sind.

Ethik und Wirtschaft – das ist kein neues Thema. Was bietet Ihr Buch Besonderes? Und wer sollte es lesen?
Jürgen Wegmann: Ethik und Wirtschaft gehören für uns untrennbar zusammen. Ein ehrbarer Kaufmann soll und muss angemessene Gewinne erzielen können. Wenn er dabei auf einem Gerüst von 2000 Jahre alten Tugenden aufbauen kann, dann hat er eine Grundlage, die ihm nachhaltigen Erfolg sichert. Oder anders ausgedrückt: Der symbolische Handschlag zwischen den Kaufleuten muss sich wieder in den Köpfen als Handlungsmaxime verankern. Das zeigt unser Buch.
Lesen sollten es insbesondere diejenigen, die, sich grundsätzlich und vor allem fundiert mit Begründung für ethisches Wirtschaften auseinander setzen wollen. Die Bedeutung des Satzes „Zukunft braucht Herkunft“ ist heute elementarer denn je. Wirtschaftlich schwierige Zeiten sind immer auch Zeiten der Rückbesinnung auf das Bewährte und Tradierte, um daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Herr Professor Wegmann, Herr Zeibig, Herr Dr. Zilkens, herzlichen Dank für das Gespräch!

In der nächsten Ausgabe der BANKINGNEWS lesen Sie die Rezension zum hier erwähnten Buch!

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