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Heidi 2.0 – Anke und der Geithnerpeter aus Bern-Anke

Von Kornelius Purps - 10. August 2010

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 10. August 2010 !

  • Quantitative Einigkeit: Alle Analysten sind der Meinung, dass die Fed heute zurückhaltend agieren wird
  • Qualitative Uneinigkeit: Chinesische Außenhandelsdaten sorgen hie und da für Unmut
  • Quadratische Anhängigkeit: Aktien, Renditen, Öl und EUR-USD tendieren schwächer

Heidi 2.0: Im Jahre 2010 wird das Waisenmädchen Anke zu seinem einsiedlerischen Großvater auf eine Alp im Hinterland von Bern gebracht. Der Alpöhi ist zunächst nicht begeistert, gewöhnt sich dann aber an den Dauerbesuch. Anke lernt dort den Geithnerpeter kennen, einen Hirten von 300 Millionen Schafen. Beide zusammen übernehmen das Management der Schafsherde. Anke, die zwischenzeitlich bei ihrer Obama in Frankfurt lesen und bilanzieren gelernt hatte, führt die Bücher. Die Erlöse aus Schafsmilch und Schafswolle legt sie in US Staatsanleihen und Hypothekenbriefen an. Bald weist die Schafsbilanz ein Volumen von mehr als zwei Tausend Milliarden Dollar aus. Von dem Geld bauen Anke und der Geithnerpeter eine Kirche und einen Gasthof. Sie nennen ihren neuen Ort "Bern-Anke". Heute, in Folge 49 von "Heidi 2.0 – Anke kann brauchen, was es gelernt hat", erfahren wir, ob Anke zur Ankurbelung der Wirtschaft in den Taldörfern zusätzliche Schafswolle in den Markt gibt.

Es ist wichtig, auch unseren Jüngsten zu erklären, wo das ganze Geld herkommt. Denn irgendwann werden wir Eltern mit der Frage konfrontiert werden: "Papa, unten vor der Tür steht ein Vertreter der amerikanischen Notenbank und möchte uns Geld schenken – darf ich das annehmen?" Noch sind wir nicht so weit – aber wir befinden uns auf dem Weg dorthin. In seiner heutigen 49. von ihm geleiteten Sitzung des Federal Open Market Committees könnte Ben Bernanke, Vorsitzender der US Notenbank, einen weiteren Schritt in diese Richtung unternehmen. Die Erwartung in den Finanzmärkten, das bald die "Zeugen Bernankes" vor der Tür stehen, hat der Zentralbankchef persönlich geschürt. Zunächst wies die Mitschrift der letzten FOMC-Sitzung vor knapp zwei Monaten zunehmende Sorgen um den Wachstumsausblick aus. (Diese Sorgen wurden in der Zwischenzeit durch eine Vielzahl von Datenveröffentlichungen untermauert.) Dann tauchte in derselben Mitschrift auf, dass einige von Bernankes Kollegen im FOMC am Alpenhorizont Deflationswolken haben aufziehen sehen. Und schließlich erörterte Bernanke während einer Kongressanhörung högschdpersönlich, welche Möglichkeiten der Notenbank blieben, um diesen Gefahren zu begegnen. Deren drei stehen aktuell zur Debatte: Erstens, das Versprechen, den Leitzins erst dann wieder anzuheben, wenn die Plattentektonik zu einer Vereinigung von Alpen und den Rocky Mountains geführt hat. Zweitens, die Senkung der Zinssatzes auf überschüssige Schafswolle. Und drittens, der Kauf weiterer US Staatsanleihen. Zu letzteren gibt es die Variante "QE light" und "QE 2.0". Bei "QE light" werden im Rahmen des Quantitative Easing aus fällig werdenden Anleihen frei werdende Mittel erneut in Staatsanleihen angelegt. Beim "QE 2.0" werden darüber hinaus zusätzliche Staatsanleihen gekauft und damit noch mehr Liquidität ins Bankensystem gepumpt.

Unter Analysten besteht hinsichtlich der heute Abend veröffentlichten Entscheidung bemerkenswerte Einigkeit: Sämtliche (!) von mir in diesem Zusammenhang studierten Analysen und Kommentare verweisen darauf, dass sich in den Märkten die Erwartungshaltung aufgebaut hätte, die Fed käme heute mindestens mit "QE light". Und gleichfalls sämtliche Autoren äußern ihre Skepsis dahingehend, ob die Fed ihr Pulver bereits heute verschießen werde. Einstimmige Schlussfolgerung: Die Fed wird ihr heutiges Statements derart umformulieren, dass die Hoffnung auf "QE light" oder gar "QE 2.0" am Leben bleibt. Auf die konkrete Ankündigung entsprechender Maßnahmen werde jedoch verzichtet. Ich schließe mich dieser Mehrheitsmeinung an.

Für die Märkte hätte eine solche "Cliffhanger Policy" recht eindeutige Auswirkungen: Nach einer anfänglichen Schockreaktion ("Och, wie schade, kommt nix!") in Richtung höherer Renditen blieben die Rentenmärkte dauerhaft (mindestens bis Folge 50) gut unterstützt. EUR-USD bliebe gefangen im Wettstreit zwischen "US Wirtschaft schwächer" (= USD schwächer) und "Risikoappetit geringer" (= USD fester).

Im Vorfeld der Fed-Entscheidung um 20:15h sollte an den Märkten nicht viel passieren. Hier und dort hören wir meckernde Stimmen, die bemängeln, dass die Exporte Chinas im Juli nur noch um 38% angestiegen sind (im Mai waren es noch fast 50% gewesen…). Aktienfutures, Renditen, Öl und EUR-USD tendieren allesamt etwas leichter. Die Schafswolle-Futures handeln dagegen noch unverändert…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Jason Stitt – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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