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Ist Direktauszahlung der neue Kredit?

Von Kornelius Purps - 27. Juli 2010

Guten Morgen, heute ist Dienstag, der 27. Juli 2010 !

  • Transparency International: In der Offenlegung von Detailinformationen liegt der große Gewinn des Stresstests
  • Internationaler Gerichtshof: Anleger honorieren die Ergebnisse des Stresstests mit moderaten Kursaufschlägen
  • Bundesverband Verbraucherzentralen: Kurstreiber sind heute Quartalszahlen und US Konsumentenstimmung

Der Kreditfluss kommt nicht in Gang. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sollte man sich darüber eigentlich freuen, denn wir wollen doch alte Schulden abbauen, und nicht neue aufnehmen. Dennoch ist das Gejammere Monat für Monat groß, wenn die Europäische Zentralbank ihre Geldmengendaten veröffentlicht und dabei herauskommt: das Geldausleihgeschäft brummt noch nicht. Vielleicht liegt der Grund dafür ja in der Begrifflichkeit: Was früher ein Kredit oder ein Darlehen war, heißt heute einfach nur anders. Ich bekam unlängst von einem Möbelhaus (!) die Information, für mich sei "eine Direktauszahlung reserviert", abrufbar unter Eingabe eines achtstelligen Auszahlungscodes. Toll, dachte ich, das einzige, was ich in den letzten Monaten reserviert habe, war ein Schwitzplatz im Transpirapid. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der Schrieb als nichts anderes als ein Kreditangebot. Der anfängliche effektive Jahreszins läge bei schnäppchengleichen 14,95 Prozent. Fantastisch, ich habe Anspruch auf einen Kredit, den ich nicht will, zu Konditionen, wie sie allenfalls in Bahnhofsnähe ausgerufen werden. Kein Wunder, dass es auch heute bei der Veröffentlichung der Zahlen für Juni von der EZB heißen wird: Der Kreditfluss kommt nicht in Gang.

14,95%! So viel muss nicht mal der Staat Griechenland berappen. Aber falls das doch einmal (wieder) passieren sollte, hätten die Banken vielleicht ein Problem. Um dieses Szenario unter Laborbedingungen durchzuspielen, haben sich die europäischen Bankenaufseher den Banken-Stresstest ausgedacht. Dieser wurde am Freitag Abend veröffentlicht, und seither schlägt die Stunde der Analysten. Hauptkritikpunkte: Erstens, das Bankbuch wurde nicht gegen einen Griechen-Zins von 14,95% geprüft. (Erste von privaten Researchteams durchgeführte Analysen deuten darauf hin, dass dann nicht nur sieben, sondern 24 Banken durch den Test gefallen wären.) Zweitens, die kritische Schwelle für die Kernkapitalquote wurde künstlich auf 6% fixiert. (Erste von privaten Researchteams durchgeführte Analysen deuten darauf hin, dass bei einer Schwelle von 7% nicht nur sieben, sondern 24 Banken durch den Test gefallen wären.) Drittens, die Definition des Kernkapitals unter Einbeziehung hybrider Kapitalbestandteile ist zu weit gefasst. (Darüber werde ich mit meinem Möbelhändler diskutieren). Das größte Plus des Stresstests ist der Zugewinn an Transparenz: Die detaillierte Veröffentlichung der Bestände an Staatsanleihen liefert den Analysten und Anlegern einen echten Mehrwert.

An den Märkten wurden die Stresstest-Ergebnisse mit verhaltener Zufriedenheit aufgenommen. Banktitel konnten teils kräftig zulegen. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob das Hauptziel des Tests erreicht werden konnte: eine Normalisierung des Interbankengeschäfts. Die EZB möchte nämlich ihre außergewöhnlichen Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensystems einstellen. Das kann sie aber nur, wenn das Interbankengeschäft ausreichend funktioniert. Und das ist nur der Fall, wenn unter den Banken Vertrauen herrscht. Und das existiert nur, wenn jede Bank von der anderen Bank weiß, dass diese auch im Krisenfall nicht von heute auf morgen pleitegeht. Und diesen Beweis soll der Stresstest nun erbracht haben. Im Oktober möchte die EZB ihre Sondermaßnahmen auslaufen lassen. Man stelle sich vor, die EZB müsste jetzt sagen: "Ja gut, der Stresstest war ok, aber wir müssen den Bankensektor weiterhin stützen." Das würde den Stresstest selbst aufs högschde diskreditieren. Also gehen wir mal davon aus, dass die EZB an ihrem Plan festhalten wird. Konsequenz: Weiter steigende Euribor-Fixings und ein sich allmählich dem Refi-Satz-Niveau von 1,00% annähernder Tagesgeldsatz (EONIA, aktuell um 0,50%).

Heute bekommen wir also die Geldmengen- und Kreditzahlen der EZB, dazu den deutschen Konsumklimaindex (3,9 nach 3,6) und das Konsumentenvertrauen aus den USA. Das Augenmerk liegt jedoch auf den Quartalsergebnissen. Heute früh legten bereits die Deutsche Bank, UBS, SAP und BP Zeugnis ab. Der direkt sichtbare Einfluss des Stresstests auf die Marktkurse dürfte heute auslaufen. Im Ergebnis sehen wir die 10J Bundrendite insgesamt rund 10 Bp höher und EUR-USD bei 1,30 – eine überschaubare Niveauverschiebung, aber kein Trendwechsel. Doch damit besteht keine Chance, bei Fundingkosten von 14,95% einen profitablen Carry Trade zu identifizieren…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Peter Bernik – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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