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Mit 31…

Von Kornelius Purps - 22. Juli 2010

Guten Morgen, heute ist Donnertag, der 22. Juli 2010 !

  • Außergewöhnlich unsicher: Bernankes Wachstumsausblick verstimmt die Anleger
  • Ungewöhnliche Ausnahme: Stresstest-Ergebnisse werden eventuell bereits morgen früh um 8:00h veröffentlicht
  • Angewöhnter Ausgleich: Rallye am US Rentenmarkt lässt den Bund Future wieder in Richtung 130 klettern
Eine britische Studie will uns weismachen, dass Frauen mit 31 Jahren am attraktivsten sind. Ich begrüße heute also ganz besonders die Leserinnen des Geburtsjahres 1979. Allen jüngeren Leserinnen sei bescheinigt, dass es für sie in den kommenden Jahren noch steil bergauf gehen wird. Und den Pre-1979ern sei versichert: Die genannte Studie behauptet nicht, dass die Attraktivität einer Frau mit dem Alter wieder abnimmt.

Männer hingegen, so die landläufige Meinung, werden – wenn überhaupt jemals – erst im Alter so richtig attraktiv. Ben Bernanke ist 57 Jahre alt und attraktiv, solange man sich nicht an seinem Rauschebart kratzt. Das liegt sicher auch an seinem Doktortitel – den hat er schließlich vor genau 31 Jahren erworben. Mit dieser Erfahrung im Gepäck erklärte uns der Chef über die Dollar-Zinsen gestern, wie es um den Ausblick für die US Wirtschaft bestellt ist. Alles in allem befand der Präsident der US Notenbank diesen Ausblick als wenig attraktiv, was sicher nicht daran liegt, dass die Vereinigten Staaten bereits über 200 Jahre alt sind. Bernanke griff die Diskussionspunkte aus den in der letzten Woche veröffentlichten FOMC Minutes auf und beschrieb den Wachstumsausblick als "außergewöhnlich unsicher". Vor allem die träge Erholung am Arbeitsmarkt und, damit einhergehend, die zunehmende Anzahl an Langzeitarbeitslosen lasteten auf den mittelfristigen Wachstumsperspektiven. Gleichzeitig seien Inflationsgefahren weit und breit nicht ausfindig zu machen. Den Terminus "Deflation" vermied Bernanke in seinen Ausführungen bewusst. Erst in der Q&A-Runde meinte er in bestem Zentralbanker-Diktus, die Wahrscheinlichkeit sei nicht hoch, dass Deflation ein Faktor bekommen werde, über den man sich Sorgen machen müsse.

Welche Schlüsse für die geldpolitische Ausrichtung der Zentralbank können wir aus Bernankes Worten ziehen? Er selbst widmete einen Großteil seiner Ausführungen einzelnen Elementen der mittlerweile gut bekannten Exit Strategy. Die knackigste Aussage findet sich jedoch am Ende von Bernankes Ausführungen: "Wir sind vorbereitet, weitere Maßnahmen zu ergreifen, sollte dies nötig sein, um die Wirtschaft wieder auf ihren langfristigen Wachstumspfad zu bringen." Das heißt: Sollten sich die Risiken für den Wachstumsausblick bestätigen, greift die Fed wieder in ihren Instrumentenkoffer mit der Aufschrift "Quantitative Easing Measures". Fraglich ist allerdings, welches Werkzeug zur Anwendung kommen würde: Die Zinsen sind bereits auf Null gesenkt, die Hypothekenzinsen auf ein Allzeittief gedrückt, die Geldmenge im Bankensystem zig-fach aufgebläht. Ich glaube, Beau Ben hofft inständig, dass seine Zentralbank nicht erneut aktiv werden muss. Daher forderte er auch von der Fiskalpolitik anhaltende konjunkturelle Unterstützung – freilich bei gleichzeitigem Abbau der strukturellen Schuldenlast.

Der skeptische Wachstumsausblick Bernankes ließ an den Aktienmärkten die Kurse einbrechen (S&P -1½%). An den Zinsmärkten werden derweil Vorbereitungen für ein lang anhaltendes "low growth, low inflation" Szenario getroffen: Die 30J-Renditen fielen um 10 Bp und die Zinskurve flachte sich um fast dasselbe Ausmaß ab, weil in kurzen Laufzeiten (2J @ 0,55%) kein Spielraum mehr nach unten besteht. Man muss dieser Tage mit der Vorhersage von Trends, die länger als eine Dreiviertelstunde dauern sollen, vorsichtig sein. Aber nach Minutes und Testimony liegt das Risiko eines prononcierten Anstiegs des allgemeinen Renditeniveaus bei nahe Null. Im Gegenteil: Der Bund Future darf in den kommenden Tagen mal wieder Anlauf auf die Marke von 130 nehmen (heute früh: 129,40).

Zum europäischen Banken-Beauty-Contest gibt es heute zu vermelden, dass die Ergebnisse morgen womöglich bereits um 8 Uhr morgens (statt18h) veröffentlicht werden. Man sorgt sich, dass bei geschlossenen europäischen Märkten die Amerikaner die alleinige Interpretationshoheit über die Zahlenkolonnen besitzen. Es erscheint ratsam, den heutigen Handelstag nicht mit unnötig ungesicherten Positionen zu beenden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass selbst eine 31jährige "Princess of Trading" morgen früh wie eine "Queen of Darkness" aus der Wäsche schaut…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Jacob Wackerhausen – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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