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Mythos Team

Von Redaktion - 20. Februar 2012

Teamfähigkeit ist wichtig wie kaum ein anderes Soft Skill. In jeder Branche muss man im Team arbeiten, sich anpassen können, flexibel sein. Im Team muss man aber vor allem eines: zurückstecken!

Teamfähigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen in der Lage sind, sich in eine Gruppe einzufügen und konstruktiv mit anderen zusammenarbeiten können. Im Team sollen die persönlichen Fähigkeiten der einzelnen zur kollektiven Intelligenz vereint werden. Oft kristallisiert sich jedoch eine starke Persönlichkeit heraus, die die eigenen Ideen durchsetzt während sich die anderen Teammitglieder fügen. In 99,9 Prozent der Fälle wird jeder „Ja“ sagen.

Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb teamfähige Bewerber bei den Vorgesetzten so gerne gesehen sind. Als dauerhafte Ja-Sager und Mitläufer machen sie keine Probleme und führen alle aufgetragenen Aufgaben sorgfältig aus. Seit die McKinsey Berater Jon Katzenbach und Doug Smith im Jahr 1993 das Team als Schlüssel zum Erfolg idealisierten, geht in der Wirtschaft nichts mehr ohne Teamplayer, Teammeetings, Team Off-sites…

Aber viele verstehen unter dem Begriff Team nicht immer einen gruppendynamischen Prozess, in dem die Mitarbeiter gemeinsam ihre Ziele verfolgen. Vielmehr gilt Team als Abkürzung für „Toll, ein anderer macht’s“ oder noch bissiger für „Terror, Egoismus, Aggression, Mobbing“.

Dabei ist es gar nicht verständlich, weshalb in so vielen Stellenausschreibungen Teamfähigkeit hochgelobt wird. Laut einer Studie der Personalberatung Egon Zehnder International sind erstaunlicherweise 42 Prozent der Spitzenmanager keine Sympathisanten der Teamarbeit. Vielmehr betrachten viele diese eher kritisch. Teams suggerieren eine trügerische Harmonie unter den Mitarbeitern, die jegliche Form von pointierten Einzelmeinungen verbieten. Sie sind ein Sammelbecken für meinungslose, kapitulierende Menschen, die Angst davor haben, aufzufallen. Ein Einzelgänger gilt dann als sozial inkompetentes Wesen, gar als „Sozialrambo“. Ein Karriere-Aus für alle Einzelkämpfer droht. Lieber fügt man sich dann doch in die Mittelmäßigkeit des Gruppenzwangs, welcher als Teamarbeit getarnt ist.

Doch innovative Unternehmen brauchen Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten. Ein Haufen meinungsloser Ja-Sager wird stets das tun, was der Vorgesetzte sagt. Für den Chef ist das natürlich eine willkommene Situation. Doch was hat er davon, wenn er dadurch nichts Neues schafft, weil die Herde alles akzeptiert was er will? Wer Teamfähigkeit fordert, bekommt graue Mäuse. Durch Teambildung wird jeder ausselektiert, der sich unterscheidet. Und derjenige, der sich als Einzelgänger profilieren will, verliert. Oft ist aber eben dieser Einzelgänger die starke Type, mit Ideen und einer Neigung zur Unabhängigkeit. Und gerade diese starke Person traut sich eher die eigenen Ideen durchzusetzen. Hat der Vorgesetzte womöglich Angst, der starke Einzelkämpfer könnte ihm die Show stehlen?

Ein Blick auf andere Bereiche zeigt, dass sich im Team ein Star etabliert, der wie ein Anführer für das Team steht. Man sieht es auch im Sport, vor allem im Fußball: Es gibt nur einen Star im Team. Wer an den 1. FC Köln denkt, denkt an Lukas Podolski, wer an die Dallas Mavericks denkt, denkt an Dirk Nowitzki. Und auch wenn die meisten Filme aus einem Team von Schauspielern bestehen, gibt es immer einen Star, der aus der Teammenge heraussticht.

Wozu sich also die Mühe machen, im wirtschaftlichen Bereich auf die Suche nach teamfähigen Mitarbeitern zu gehen, wenn sich im Team immer der Einzelkämpfer auszeichnet und die anderen Teammitglieder hinter dem Star vergessen werden. Die starke Persönlichkeit hätte das auch ohne der Soft Skill „teamfähig“ geschafft. Leute mit Ecken und Kanten, nicht mit glatten Oberflächen, sollten das Ziel der Personaler sein!

Foto von Andrey Popov – www.istockphoto.de

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