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Nur noch glänzende Aussichten?

Von Redaktion - 19. Dezember 2011

Gastbeitrag von Joan Hoffmann –

Zugegeben, sich das kommende Jahr als Anleger schlecht zu reden, fällt nicht schwer. Staatsanleihen haben den Charakter der risikolosen Anlageklasse verloren. Aber auch unabhängig von der Bonität der Anleihen macht die Anlage in Zinspapieren derzeit nicht viel Freude. Angesichts einer Umlaufrendite von um die 1,6% sind „Bunds“ keine Alternative, zumindest, wenn man als Vermögensverwalter oder Fondsmanager eine Performance ausweisen muss. Der Kapitalerhalt ist bei Inflationsraten jenseits 2% ebenfalls nicht gewährleistet. Anleger verlangen aber nach Sicherheit. Nicht wenige Anlageempfehlungen enthalten daher Goldinvestments. Ich bin kein Goldfan. Vor allem, wenn Anlagekonzepte auf Kapitalerhalt abzielen und gleichzeitige eine Verrentung des Kapitals ermöglichen sollen, fehlen beim Gold die regelmäßigen Erträge. Die Dividendenrendite aller DAX-Werte liegt im Schnitt über 4%. Kein Argument für den konservativen Anleger, kommen Aktien oft grundsätzlich nicht in Frage.

Soll in Gold investiert werden, stellt sich die Frage nach der Form. Für mich sind ETFs mit physischer Hinterlegung (wichtig) geeignet. Der physische Erwerb von Gold scheitert oft an der Losgröße, spätestens aber an den derzeit deftigen Differenzen zwischen An- und Verkaufskurs, gerade bei kleineren Einheiten. Für eine Unze liegt diese leicht bei 10 % oder mehr. Der Verlust muss zunächst durch Preissteigerungen in mindestens dieser Höhe kompensiert werden. Goldminenaktien zu kaufen, ist eine Alternative. Recht simpel kann die Differenz aus dem aktuellen Goldpreis und den jeweiligen Herstellungskosten je Gesellschaft ermittelt werden. Aber auch die Schürfgebiete verdienen Aufmerksamkeit. Liegen die Minen in politisch instabilem Gebiet oder – noch schlimmer – ist der Minenbetreiber selbst wegen schlechter Arbeitsbedingungen der Grund für soziale Unruhen, ist Vorsicht angebracht. Darüber hinaus trägt der Aktieninhaber das systematische Aktienrisiko, sprich das Aktienmarktrisiko.

Aber die Herstellungskosten selbst finde ich interessant. Sie steigen, das ist nachvollziehbar. Neue Schürfgebiete müssen erschlossen werden, die Produktions- und Kapitalkosten steigen tendenziell ebenfalls. Das ist die Basis für weitere Preissteigerungen. Allerdings ist der Preis für die Feinunze auf 1.600 USD je Feinunze gestiegen. Die Herstellungskosten liegen ca. 1/3 darunter. Der Abstand kann sicherlich durch die hohe Nachfrage, nicht zuletzt ausgelöst durch das große Sicherheitsbedürfnis, erklärt werden. Für mich ist die Differenz aber ein klassisches Beispiel für ein Aufgeld, dass nicht dauerhaft bestehen bleiben muss (eine Tendenz zeigt sich bereits in den etwas niedrigeren Goldnotierungen der letzten Wochen, das liegt aber auch am erstarkten Dollar). Denn selbst in der Finanzkrise nach dem Lehman-Schock im Jahre 2008 notierte der Goldpreis in der Nähe der Herstellungskosten, Ende 2008 rutschte der Goldpreis sogar leicht darunter. Allerdings nur kurz! Der Herstellungspreis funktionierte in den letzten Jahren gut als Preisuntergrenze für Gold.

Zuletzt: Der Goldpreis wird in US-Dollar festgestellt, der Kunde trägt demnach ein Währungsrisiko. Das gilt im übrigen auch für eine Investition in Goldminenaktien.

Die Argumente greifen aber nicht, wenn es um den Sicherheitsgedanken geht. Wenn erfahrene Kunden mir berichten, kein Vertrauen mehr in den Euro zu haben und um ihr Erspartes fürchten, geht es um ganz andere Überlegungen. Die tägliche Praxis zeigt, dass in einigen Fällen nach der zu erwartenden Rendite nicht gefragt wird, das Vermögen soll nur sicher angelegt werden. Und wenn möglich nicht in Euro. Somit finden sich selbst für Anleihen der Schweizer Eidgenossen Käufer, trotz deutlich negativer Realverzinsung. Daher kann eine in US-Dollar notierte Investition in Gold für die Anleger genau das richtige sein. Auch wenn es banal klingt, derzeit ist vor allem interessant, womit der Anleger sich wohl fühlt. Neben den Prognosen in die zukünftige Entwicklung unterschiedlicher Vermögensklassen ist es die Aufgabe des Beraters,. alle Risiken von Goldinvestments zu nennen. Zu entscheiden, ist immer noch Sache des Kunden.

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