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Schokolade statt Schulden

Von Kornelius Purps - 16. Oktober 2012

Der Wirtschaftsnobelpreis sollte demjenigen vergeben werden, der eine Lösung aus der Schuldenkrise findet.

„Ein Stück Schokolade enthält genau so viel Energie, wie man braucht, um sich ein zweites Stück zu holen.“ Diese Rechnung ist vergleichsweise alt. Neu ist die folgende: „Zwei Stück Schokolade enthalten genau so viel Energie, wie man braucht, um einen Nobelpreis zu bekommen.“ Darauf deuten jedenfalls Ergebnisse des Mediziners Franz Messerli von der New Yorker Columbia University hin. Demnach erhalten Länder mit einem hohen Schokoladenkonsum mehr Nobelpreise. Der Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaft wurde am Montag bekannt gegeben. Vor dem Hintergrund meines persönlichen Schokoladenkonsums erwarte ich in den nächsten Stunden einen bedeutenden Anruf…

Vielleicht aber gewinnt ja auch ein Forscher den Wirtschaftsnobelpreis, dem es gelungen ist, die ultimative quadratisch-praktisch-gute Lösungsformel für die europäische Schuldenkrise aufzuzeigen. Denn: Wir sind wieder mittendrin statt nur dabei. Am Donnerstag und Freitag treffen sich einmal mehr die Staats- und Regierungschefs der EU. Auf der Agenda: Griechenland, Spanien, Zypern, aber auch der ständige Rettungsschirm ESM und die Möglichkeit direkter Bankenrekapitalisierung, das Thema Bankenunion und die jüngste Einigung von elf Mitgliedsstaaten, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. Ein Diskussionspunkt bei der Zusammenkunft könnte der jüngste Vorschlag des deutschen EZB Direktoriumsmitglieds Jörg Asmussen sein. Demnach solle sich Griechenland Geld leihen, um seine ausstehenden Anleihen weit unter Nennwert zurückzukaufen und damit seine Schuldenlast zu drücken. Der Haken an der Sache ist, und auch Asmussen wollte sich in dieser Frage nicht festlegen: Von wem kommt das Geld? Wohl nicht von den Investoren, auch nicht von der EZB, und sollte es noch aus dem alten Rettungsfonds EFSF kommen, braucht‘s dafür unter anderem einen Bundestagsbeschluss – das könnte schwierig werden. Eine Option für Griechenland ist aus offizieller deutscher Sicht hingegen kein Diskussionsgegenstand: Eine mögliche Staatspleite und ein Austritt des Landes aus dem europäischen Währungsverbund. Dies hat Finanzminister Schäuble in den vergangenen Tagen wiederholt kategorisch ausgeschlossen. Die Gespräche zwischen Griechenland und seinen Geldgebern gehen derweil auf höchster Troika-Ebene in diesen Tagen weiter. Mehr als Absichtserklärungen von beiden Seiten sind bei dem Treffen Ende dieser Woche jedoch wohl nicht zu erwarten.

Das Warten auf einen Stützungsantrag Spaniens geht derweil weiter. Am kommenden Wochenende finden in Galizien und dem Baskenland wichtige Regionalwahlen statt. Mindestens diese Wahlen werden wohl noch abgewartet werden. Verschiedene Agenturen verweisen sogar auf die Präsidentschaftswahl in den USA und auf eine weitere Regionalwahl in Katalonien am 25. November, welche vorbei sein müssten, bevor Spanien sich für einen Antrag entscheide.

Vor lauter Europa dürfen wir aber das für die Finanzmärkte mittlerweile wichtigere Thema nicht aus den Augen verlieren: Die Konjunkturentwicklung. Diesbezüglich gab es Ende vergangener Woche überraschend starke Zahlen zur Industrieproduktion in Europa sowie zur Verbraucherstimmung in den USA. Diese Woche erwarten wir das Q3 BIP aus China (Donnerstag früh), den ZEW Index aus Deutschland (Dienstag) und jede Menge Indikatoren aus den Vereinigten Staaten. Es scheint, dass sich die Kurseinflüsse dieser Events überwiegend gegenseitig aufheben. Im Ergebnis würden wir eine Fortsetzung der breitbeinigen Seitwärtsbewegung der vergangenen Wochen sehen. Eine solche Prognose macht mich jedoch weder Nobelpreis-verdächtig, noch entspräche sie der zartesten Versuchung, seit es Schoko…, nein, seit es Prognosen gibt…

Foto von Oliver Hamalainen – www.istockphoto.de

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