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Von hinten durch die Brust

Von Kornelius Purps - 03. Juli 2012
  • Zuversicht: Marktbewertung der EU Gipfelbeschlüsse fällt weiterhin positiv aus
  • Normalsicht: EZB könnte sich am Donnerstag auf konventionelle Maßnahmen besinnen
  • Vorsicht: Signale der Weltkonjunktur leben von der Hoffnung auf Besserung

„Ich hätte mir mehr gewünscht. Und wir haben mehr erreicht, als ich dachte, dass wir erreichen würden.“ Mit dieser verklausulierten Von-hinten-durch-die-Brust-vorne-ins-Knie-Formulierung würdigte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom vergangenen Donnerstag. Nun, mit ein paar Tagen Abstand lassen sich zwei überraschende Feststellungen treffen: Erstens, die über die Erwartungen hinausgehenden Gipfelbeschlüsse sind besonders deswegen bemerkenswert, weil sie unter nur moderatem Druck der Finanzmärkte zustande kamen. Zwar stiegen die Renditen in Spanien und Italien in den vergangenen Wochen recht deutlich an, aber im unmittelbaren Vorfeld des Gipfeltreffens entspannte sich die Lage etwas. Wir wissen, dass die Staats- und Regierungschefs sich stets dann äußerst ent- und beschlussfreudig zeigen, wenn der „Druck vom Parkett „ am größten ist. Spätestens letzte Woche aber haben die Volksvertreter gezeigt, dass sie auch anders können.

Zweitens fällt die Marktreaktion ins Auge. Zunächst mal war sie positiv. Weiters hält die positive Kursentwicklung bis jetzt an, das heißt, auch nach mehr als zwei vollen Handelstagen, unterbrochen von einem Lass-uns-über-die-Beschlüsse-nochmal-nachdenken-Wochenende, werden die Gipfelbeschlüsse als „insgesamt positiv“ bewertet. Schließlich fällt auf, dass diese Einschätzung erfolgt, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) innerhalb der Gipfelbeschlüsse nur eine Nebenrolle spielt. Ja, bei der EZB soll die europäische Finanzaufsicht aufgehängt werden. Und ja, die EZB wird im Namen und für Rechnung des Rettungsschirms ESM dereinst möglicherweise die Anleihenkäufe abwickeln. Aber weder enthielten die Beschlüsse eine außergewöhnliche Interventionsmaßnahme noch wurden sie von irgendwelchen unkonventionellen Politikmaßnahmen der EZB begleitet. Und dennoch ist die Marktreaktion positiv und, an den Erfahrungen vergangener Episoden gemessen, lang anhaltend.

Aber vielleicht zieht die EZB ja noch nach. Das Treffen der europäischen Notenbanker am kommenden Donnerstag wird der nächste Höhepunkt einer an Ereignissen wahrlich nicht armen Woche sein. Ausnahmsweise rechnen die Beobachter mal nicht mit der Ankündigung „unkonventioneller“ Maßnahmen; vielmehr steht eine ganz konventionelle Zinssenkung zur Debatte. Na ja, so ganz konventionell ist das dann doch nicht: Der Refisatz steht derzeit bei 1,00%. Eine weitere Reduzierung würde den Leitzins auf neue historische Tiefstände drücken. Und was ist mit dem Depo-Satz? Dieser Zins steht aktuell bei 0,25% und die EZB zahlt ihn auf bei ihr getätigte Einlagen überschüssiger im Finanzsystem umherschwirrender Liquidität. Wird dieser Zinssatz etwa auch gesenkt? Auf 0,00%? Kann man sich sogar vorstellen, dass die EZB beide Zinssätze, Refi- und Depo-Satz, um jeweils 50 Bp senkt? Damit läge der Depo-Satz bei -0,25% – Geschäftsbanken, die ihre Liquidität auf diesem Konto parken würden, müssten dafür auch noch Zinsen zahlen, anstatt welche zu bekommen?!? Sicher ist sicher… Wir sehen gute Chance für eine „kleine“ Lösung, mit welcher Refi- und Depo-Satz um jeweils 25 Bp reduziert werden.

Während also mit Blick auf die Entwicklungen in der Eurozone gegenwärtig die Pluszeichen überwiegen, sorgen sich die Anleger mehr und mehr um den Ausblick für die weltweite Konjunktur. Die Befragungen der Einkaufsmanager (ja, die PMIs…) in 26 Ländern zeigten in nur zehn Staaten eine Verbesserung, und in lediglich acht Ländern bewegt sich der PMI im Expansionsbereich. Der ISM Index in den USA fiel gestern auf den tiefsten Stand seit drei Jahren Natürlich lebt jetzt die Hoffnung, dass eine Stabilisierung der Lage in Europa auch eine Verbesserung der Stimmungslage rund um den Globus mit sich bringt. Das würde ich mir wünschen. Und vielleicht werden wir ja mehr erreichen, als ich dachte, dass wir erreichen würden…

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