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Was man alles in Schubladen stecken kann

Von Kornelius Purps - 30. Juli 2010

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 30. Juli 2010 !

  • Ober sticht unter: Feste US Staatsanleihen stützen auch den europäischen Rentenmarkt
  • Kreuz-Bube: Die Süd-Baden-Württembergische Währung CHF erholt sich wieder
  • Null-Ouvert: Konjunkturdaten aus den USA und aus China belasten die Marktstimmung

Hallo! Besitzen Sie eigentlich schon ein iPad? Dann obacht! Eine Studie will herausgefunden haben, dass iPad-Besitzer egoistische und unfreundliche Menschen sind, wohlhabend und gebildet, aber auch erfolgshungrig und machtbesessen. Aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, wann Sie ihr iPad an ihrem Goldkettchen baumeln lassen sollten (Assessment-Center) und wann das Gerät vorzugsweise in der Tasche bleiben sollte (Traualtar). Gibt es ähnliche Erhebungen eigentlich auch für Besitzer von Staatsanleihen? Was sind das für Menschen, die über Spanien-Anleihen in ihrem Portfolio berichten können? Sind das immerfröhliche Optimisten? Oder Altruisten ("Tue Gutes und rede nicht darüber."), die früher zwischen Schule und Beruf nicht nur ein, sondern zwei freiwillige soziale Jahre absolviert haben? Und der Besitzer von Bundesanleihen, was ist denn das für eine Type? Fährt Opel Kadett mit Klorolle auf der Hutablage, ist seit Kindheitstagen Bausparer und hält den USB-Stick für etwas Obszönes?

Wenn es so wäre, dann müssten gestern vor den Bankfilialen dieser Republik viele Kadetts einen Zwischenstopp eingelegt haben. Denn die konservativste aller Festzinsanlagen fand nach einigen Tagen Pause mal wieder reichlich Zuspruch. Der resultierende Rückgang der Renditen war die endgültige Bestätigung dafür, dass der Rentenmarkt keinen neuen Trend begonnen hat. Vielmehr hat die Erleichterung an den Finanzmärkten im Gefolge der Banken-Stresstests lediglich zu einer (überschaubaren) Verschiebung des allgemeinen Renditeniveaus nach oben geführt.

Hauptbestimmungsfaktor für die Zinsentwicklung in den kommenden Tagen und Wochen dürfte der Ausblick für die US-Konjunktur sein. In typischem Analystenschwäbisch sprechen wir von einer "Abflachung des Erholungstrends". Ende 2009 legte die US-Wirtschaft noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 5,6% zu. Im ersten Quartal waren es dann nur noch 2,7%. Die Zahlen für das zweite Quartal werden heute in einer ersten Schätzung vorgelegt. Unsere Volkswirte gehen von einer "Fortsetzung der sich abflachenden Wachstumsdynamik" aus und prognostizieren eine Zuwachsrate von nur noch 2,3%. Der Blick auf die kommenden Quartale wird durch eine Vielzahl ernüchternder Vorlaufindikatoren getrübt. Die US Notenbank schwenkt allmählich in die Richtung, die Abwärtsrisiken für ihre Wachstumsprognose höher zu gewichten als die Aufwärtsrisiken. James Bullard, stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee, meint sogar, die US Wirtschaft sei derzeit einem Japan-ähnlichen Szenario näher als jemals zuvor. Im Falle des Falles, elaborierte Bullard weiter, solle die Notenbank den Kauf von US Staatsanleihen wieder aufnehmen.

Derlei Kommentare kommen an den Rentenmärkten in der Regel gut an. Und so fielen die Renditen für US Treasuries (Besitzer: frigide Landwirte mit eigener Ölquelle im Vorgarten) über alle Laufzeitsegmente hinweg. Auch die Renditen deutscher Kadett-Papiere gingen zurück. Für die Entwicklung des Marktzinsniveaus in Deutschland sind Bewegungen am US Rentenmarkt wichtiger als die Tatsache, dass die Wirtschaft hierzulande aktuell mit annualisierten 4-6% wächst.

Im Währungsmarkt (hier dominieren die iPad-Besitzer das Geschehen) stach gestern ein sich urplötzlich befestigender Schweizerfranken ins Auge. Auslöser dürfte die heimische Notenbank gewesen sein. Deren Kadetten haben neuerdings ein Reserveportfolio von 230 Mrd. CHF zu verwalten und nehmen hier gewisse Umschichtungen vor. Außerdem lotst die SNB mit liquiditätsabsorbierenden Geschäften die Geldmarktzinsen nach oben. EUR-CHF bleibt damit ein Spielplatz für erfolgshungrige, wohlhabende und risikofreudige Mitbürger.

Für die Schweiz wird heute der KOF veröffentlicht, am Mittag gibt’s das Q2 US BIP, später noch den Chicago PMI, den Michigan Stimmungsindikator und am Sonntag (!) den PMI für China. Globale Konjunktursorgen dürften an den Finanzmärkten heute zu einer Fortsetzung der sich abflachenden Stimmungsdynamik führen…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Nicole Marquardt – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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