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Wer braucht schon Ausgleich?

Von Redaktion - 20. März 2012

„The work you do while you procrastinate is probably the work you should be doing for the rest of your life.“ – Jessica Hische, Illustrater aus San Francisco

Wir leben in einer Zeit der Beschleunigung. Wir leben in einer Zeit, in der wir Leistung bringen müssen und stets funktionieren sollen. Abverlangt wird das nicht nur im Beruf. Die Familie erwartet genauso viel Aufmerksamkeit, wie der Arbeitgeber. Und dann wären da noch Hobbies, die vermutlich durch die hohe Belastung der anderen Lebensbereiche auf der Strecke bleiben. Das Leben wird zum Balanceakt. Das Managen der drei Lebensbereiche entwickelt sich zur weitaus komplizierteren Aufgabe, als das Managen der Lehman Brothers auf dem Höhepunkt der Krise.

Die Lösung ist das Wort der Stunde und Propaganda von „Lebensberatern“ und Ratgebern: Work-Life-Balance. Experten sagen, es geht um mehr Leben neben dem Job, Firmenchefs sehen eine dreifache Win-Situation: Unternehmen, die Volkswirtschaft und das sogenannte Humanvermögen der Chefs, die Arbeitnehmer profitieren. Angeblich. Doch die vielen Angebote zu Workshops und Seminaren, die allesamt auch noch reichlich kosten, lassen vermuten, dass dahinter ökonomisches Kalkül steht. Keine Spur von ethischer Fürsorge. Work-Life-Balance, das ist ein irreführender Begriff, sogar schon ein Mythos und entspricht nicht der Zeit, in der wir leben. Work-Life-Balance, also das Gleichgewicht aus Arbeit und Leben, suggeriert, dass Arbeit nicht zum schönen Teil des Lebens gehört. Christian Mueller aus dem Blog Karrierebibel.de bringt es auf den Punkt: es gibt einen positiven und einen negativen Bereich im Leben. Der Job wird als negativ betrachtet.

Das mag zwar für all diejenigen zutreffen, die unglücklich mit ihrem Beruf sind. Diejenigen sind aber alle zu bedauern und sollten eher daran etwas ändern, als zu versuchen, die Glückseligkeit im Privatleben zu finden. Denn wer Arbeit nur als Belastung ansieht, als anstrengenden Störfaktor, der nur die Brötchen auf den Tisch bringt, der wird auch privat nicht glücklich. Er hat einfach nur den falschen Weg gewählt. Arbeit, und damit im Idealfall ein Job, der Freude und Erfüllung bringt, ist Luxus. Derjenige, der weiß, was ihm Spaß macht und das zu seinem Beruf macht, der wird seine Arbeit nicht als Belastung ansehen. Und die Arbeit wird so als Teil des positiven Lebens erachtet. Work-Life-Balance wird da schnell überholt.

Doch reicht die Erkenntnis, dass der Beruf Teil des Lebens ist, noch lange nicht aus, um ein Gleichgewicht in sein Leben zu bringen. Oft wird in der Generation Leistung ein Full Time Job als volle Beanspruchung der Lebenszeit angesehen. Gerade wenn der Job intellektuell fördernd und fordernd ist, wird es schwer, auch privat abzuschalten.

Wie sieht es in andern „Branchen“ aus? Kann Dirk Nowitzki je richtig abschalten, wenn er mit Kumpels ein paar Körbe wirft? Oder Tennis spielt? Und was macht Michael Schuhmacher, wenn seine Kinder mit ihm ein paar Runden auf seiner Kartbahn drehen wollen? Im Grunde ist sein Hobby sein Job und sein Job ist sein Hobby. Es geht nur darum, dass zu lieben, was man tut, dann braucht man keinen Trend, wie die Work-Life-Balance, um ein ausgeglichenes Leben zu leben.

Foto von aprott – www.istockphoto.de

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