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Wiesn zwischen München und Dublin

Von Kornelius Purps - 24. September 2010

Guten Morgen, heute ist Freitag, der 24. September 2010 !

  • Grüne Insel: Sorgen um Irlands Haushalt bekommen durch Double-Dip-Daten neue Nahrung
  • Glückseligen-Insel: Ifo Index steigt noch einmal an
  • Einfaltspinsel: Märkte setzen ihre jüngsten Tendenzen fort

Es macht vielleicht Sinn, sich ab und an Gedanken über die wahren pekuniären Relationen zu machen. Nehmen wir aus aktuellem Anlass die Wiesn: Wissen Sie, wie viele Maß Bier dort getrunken werden? Letztes Jahr waren es genau 6.643.600. Dieses Jahr könnten es noch ein paar Gläschen mehr sein, dauert die Jubiläums-Hopfenbrausesause doch einen Tag länger. Und was kostet eine Maß? Acht Euro und ein paar Zerquetschte. Macht alles zusammen genommen großzügig gerundete 50 Millionen Euro. Ist das jetzt viel Geld oder wenig? Für den Durchschnitts-Normalo sind 50 Mios natürlich eine Menge Holz. Aber für uns Finanzmarktjongleure, hört sich das nicht an wie Spielgeld? Italiens Lotto-Jackpot steht bei knapp 150 Mio. Euro. Kommt demnächst ein Dreitagebart-Giuseppe und spendiert uns das Wiesn-Bier für volle (!) drei Jahre? Irland hat gestern vermeintlich schäbige 400 Mio. Euro in T-Bills platziert – Leute, das ist acht Jahre freisaufen unter der Bavaria. Deutschland gar reduzierte seine Anleihen-Verkaufspläne für das vierte Quartal um unglaubliche 29 Milliarden Euro. Hey, warum haltet ihr nicht an euren ursprünglichen Plänen fest und finanziert uns ein hopfenfrisches Vergnügen bis zum Jahr 2590?

Wäre schon interessant zu wissen, in welcher Währung wir auf dem 780. Oktoberfest unser Bier bezahlen. Wird das tatsächlich noch in Euro sein? Nach den Erfahrungen der letzten Monate wird es wohl nur wenige geben, die darauf wetten würden (ist ja auch ’ne selten dämliche Wette…). Ab und an beschleicht einen ja das Gefühl, die Schuldenkrise in der Eurozone sei überwunden. Aber dieses Gefühl ist kurzlebiger als ein Wiesn-Rausch, fast täglich ereilen uns neue Sorgen um die kurz-, mittel- oder langfristige Zahlungsfähigkeit mindestens eines der 16 Mitgliedstaaten. Momentan gilt das Augenmerk dem kleinen Irland: Gestern erfuhren wir, dass die grüne Insel zum Jahreswechsel ein 1a-Double-Dip aufs Konjunkturparkett gelegt hat: Q4 minus 2,5 Prozent, Q1 plus 2,2 Prozent, Q2 minus 1,2 Prozent. Wie soll da nur die weitere Haushaltskonsolidierung gelingen? Aber vielleicht ist der Konjunkturverlauf vor dem Hintergrund der angestrebten Bankenrettung ja ohnehin nebensächlich. Mal ist von 20 Milliarden Kosten die Rede, mal von 25 Mrd. oder gar von 30 Mrd. Befürchtet wird, dass die staatliche Kapitalinfusion voll defizitwirksam wird, was den Jahresfehlbetrag auf 25-30 Prozent der Wirtschaftsleistung treiben könnte. Dreißig Prozent – das war vor der Krise der gesamte Schuldenstand Irlands.

Und so machen sich die irischen Renditen auf, in die Fußstapfen ihrer griechischen Pendants zu treten. Rund 430 Basispunkte beträgt mittlerweile der Aufschlag gegenüber Bundesanleihen in 10jährigen Laufzeiten. Jenseits von drei Jahren Laufzeit liegt das Renditeniveau Irlands oberhalb von 5 Prozent – jenem Niveau, welches als Richtschnur für EWU-Darlehen aus dem 440-Milliarden Rettungspaket gilt. Der Gang zur EFSF (European Financial Stability Facility) könnte da allmählich attraktiver erscheinen als die eigenständige Kreditaufnahme am Kapitalmarkt. Entsprechende Gerüchte werden von offizieller Seite natürlich rundherum als Scharlatanerie verworfen. Sollten sich die Renditeaufschläge jedoch nicht verringern, werden diese Spekulationen noch eine Weile anhalten.

Ach, wie gut geht es uns da in Deutschland. Mal eben die Schuldenaufnahme um 29 Milliarden Euro reduzieren – da hat Kanzlerin Merkel im Kreise ihrer europäischen Amtskollegen gut Lachen. Und auch konjunkturell kann "uns" derzeit niemand das Wasser reichen: Der Ifo-Index wurde soeben veröffentlicht und servierte uns einen weiteren (wenn auch mickrigen) Anstieg um ein Zehntel Punkt.

Am Nachmittag warten auf uns noch die Auftragseingänge sowie handverlesene Verkäufe neuer Eigenheime in den USA. An den vorherrschenden Markttrends dürften diese Zahlen indes nichts mehr ändern: Bunds fest, Aktien wackelig und der US Dollar schwach (Nachwirkungen der Diskussionen um eine Ausweitung des Quant Easing der Fed). Für’s Wochenende empfehle ich einen Gang über die Wiesn, vielleicht mit einem neuen Rekordversuch: Gehen Sie mal mit drei Kindern am Sonntagnachmittag ohne Reservierung ins Hippodrom und versuchen der Zenzi klarzumachen, dass sie bittschön drei Junior-Tüten mit Pommes, Cola und Hamburger ohne Gurken bringen soll…

 

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Dies ist ein humoristischer Marktkommentar und keine Anlageberatung. Die Einschätzungen des Autors beruhen auf Informationen, die auf öffentlich zugänglichen, als verlässlich eingeschätzten Informationsquellen basieren. Weitere Informationen finden Sie im Disclaimer.
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Kornelius Purps
Fixed Income Strategist
Director
MRE4FI
UniCredit Research

kornelius.purps@unicreditgroup.de

Kornelius Purps Corporate & Investment Banking
UniCredit Bank AG

www.unicreditgroup.eu

 

© Foto by Lise Gagne – www.istockphoto.com
© Foto Purps und Logo UniCredit Bank by UniCredit Bank AG

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