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Wir sind das Geld

Von Thorsten Hahn - 17. Oktober 2008

Vorstand der früheren Ökobank gründet Initiative: Wir sind das Geld klärt auf, bezieht Stellung und zeigt Lösungsmöglichkeiten

Neuwittenbek – „Tatenlos zugesehen haben wir lange genug. Jetzt ist es höchste Zeit, dass wir uns die Macht über unser Geld zurück holen.“ So Volker Viehoff (49), ehemaliges Mitglied des Vorstandes der früheren Ökobank, und ergreift deshalb jetzt die Initiative Wir sind das Geld. „Um unkontrollierte Panik vor der Bankenkrise und den möglichen Konsequenzen für jeden Einzelnen zu vermeiden, ist objektive Information wichtiger denn je. Selbstverständlich beziehen wir Stellung und zeigen mögliche Lösungsszenarien im Bereich regionaler und kommunaler Alternativwährung.“ Die Initiative ist überzeugt: „Die Zeit ist mehr als reif! Mit neuem Verständnis über Geld und dessen Wirkweise können wir über den Einsatz der Komplementärwährung unabhängig von den Verstrickungen der Finanzmärkte unsere Werte erhalten und sichern.“ Wichtig sei es, sich jetzt kompetent und unabhängig beraten zu lassen. Das will die Initiative leisten und empfiehlt, im kommunalen Bereich, z. B. über das Städtemarketing, Informationsveranstaltungen zu organisieren und Vorträge zu besuchen. Gleichzeitig ruft sie Finanzprofis auf, die sich für Beratung und Vorträge zur Aufklärung und Währungsalternativen zur Verfügung stellen.

Was ist Geld?

Wo man auch hinkommt, alles dreht sich derzeit um ein Thema: Geld. Schließlich betrifft es unser aller Leben höchstpersönlich. Gleichzeitig hat sich das Geldsystem zu einem undurchschaubaren Moloch verwandelt. Werte lösen sich auf, Banken verschwinden über Nacht. Die fehlende Orientierung macht Stress für alle, Angst. Anscheinend ist Geld nicht das, was wir dachten: Banknoten, Guthaben auf Konten, Anlagen. Geld ist eine Stromgröße, die wie elektrischer Strom nur wirksam ist, wenn sie fließt. Strom, der nicht an ist, den gibt es nicht. So ist auch Geld im Tresor, auf Konten nichts. Doch was ist es dann?

Wie funktioniert Geld?

Geld ist eigentlich eine geniale Erfindung der Menschheit. Es ermöglicht Wohlstand und Entfaltungsmöglichkeiten. Solange es richtig konstruiert ist. Geld hat die Aufgabe, als Tauschmittel Leistungserstellung einer Lebensgemeinschaft anzuregen und zu organisieren. Dafür  muss es im Umlauf sein, im Geldkreislauf, der wie der Blutkreislauf dem Leben des Organismus dient. Horten wir es, fällt der Blutdruck. Horten tut man aber nur, was nicht verdirbt, dauerhaft Wert verspricht, eben nicht verfällt. Das ist der Konstruktionsfehler des modernen Geldes, das seit der Renaissance verwendet wird: Geld unterliegt keinem planmäßigen Verfall mehr, nur dem unplanmäßigen durch Inflation. Denn um das so gehortete Geld wieder dem Kreislauf zuzuführen, braucht es ein Lockmittel: den Zins. Dadurch sind wir bereit, das dem Tauschkreislauf entzogene Geld wieder rauszurücken. Über die Banken fließt es als Kredit wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Allerdings plötzlich verteuert, um den Zins. Das ist das Problem: Da in der Kette der Wertschöpfungen so gut wie alles heute mehr oder minder kreditfinanziert ist, addieren sich die Zinskosten für den Endverbraucher mit 30 bis 70 % im Preis der Wirtschaftsgüter. Ob Brötchen, Kleidungsstück, Auto oder der Miete. Bezahlt durch unser Arbeitseinkommen. Denn Kapital arbeitet nicht, es lässt für sich arbeiten. Und fließt auf die Konten der Kapitalbesitzer. Eine stille Vermögensumverteilung allein in Deutschland von rund einer Milliarde Euro pro Tag. Diese Kapitalmengen sammeln sich letztlich am Ort der größten Renditen. Über den Weg der Banken zu den Börsen finden sie Investmenthäuser, Anlagefonds und Vermögensverwaltungen, die damit Firmen, Konzerne, Kommunale Infrastruktur, ganze Industriebereiche, gar ganze Entwicklungsländer kaufen. Um sie dann dem Diktat der Renditemaximierung zu unterwerfen. Das alles nur aufgrund eines historischen Konstruktionsfehlers.

Historische Beispiele

Neben Gold als Fernhandelswährung gab es in Mitteleuropa zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert regionale Währungen mit Geld, das planmäßigem Wertverlust unterworfen war. Es wurde regelmäßig verrufen und musste durch neues Geld ersetzt werden. Die Folge: Aufblühende Städte, Hochzeit des Kunsthandwerks, 5 Tage Woche. Zur Zeit der großen Depression 1930–33 gab es in Deutschland und Österreich Währungsexperimente mit erstaunlicher Wirkung: Die Wirtschaft sprang regional wieder an, Arbeitslosigkeit ging zurück, während ringsum nichts mehr ging.

Mögliche Lösungsszenarien

Mögliche Lösungswege wie komplementäre Währungssysteme gibt es längst. Die derzeitigen Wirtschaftswissenschaften, die Finanzbranche und Politik ignoriert sie nur. In Japan ist die „Beziehungswährung“ in der Altenbetreuung gar eine staatliche Organisation. Die meisten Initiativen gehen direkt von BürgerInnen aus. Gleich ist bei allen: Kein Zins, kein Geld aus Geld, keine Dominanz über menschliche Arbeit, über ethische Grundsätze des Zusammenlebens.

Bundesweit gibt es bereits zahlreiche Beispiele auf kommunaler und Bürgerebene:

•    www.regionetzwerk.de

•    www.regionalgeldportal.de

•    www.geldreform.de

•    www.freigeld.de

Fazit

All das zeigt: Hier ist keine anonyme Macht am Werk. Immer dann, wenn wir unsere Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen, wandeln sich die Dinge. Das erfordert Mut und Überwindung von Trägheit und Resignation. Auch den Abschied von der Servicedemokratie, in der wir unsere Anliegen an Berufspolitiker und Verbandsfunktionäre delegieren. Wir müssen uns wieder selbst kümmern und können das auch, wenn wir wollen. Wenn nicht JETZT, wann dann noch? Wir sind das Geld! Wir vertrauen uns selbst, weil wir uns selbst trauen. Und Leitgedanken wie diesem von Albert Einstein: „Eine wirklich gute Idee erkennt man so daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint.“

Weitere Informationen:

www.wir-sind-das-geld.de

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