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Das Blockchain Lab der Commerzbank

Vor zwei Jahren startete die Commerzbank zusammen mit ihrer Research & Development-Einheit main incubator ihr Blockchain Lab, das heute eines der führenden Labs in der deutschen Finanzindustrie ist. Als Inhouse Consulting der Commerzbank waren wir von Anfang an dabei und haben erlebt, dass sich Innovationen auch im Konzern entwickeln können und nicht ausschließlich von großen Technologieunternehmen oder externen Beratungen übernommen werden müssen.

Von Sören Hartung - 11. Mai 2018

Bei der Erforschung sogenannter Distributed Ledger Technologies setzt die Commerzbank auf die Zusammenarbeit in Konsortien, in denen Experten aus verschiedenen Unternehmen gemeinsam an der Weiterentwicklung von Blockchain-Anwendungen arbeiten. Bildnachweis: iStock.com/LuckyStep48

Blockchain oder genauer gesagt Distributed Ledger Technologies (kurz DLT) sind spätestens seit dem rasanten Kursanstieg von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, welche auf DLT basieren, auf der strategischen Agenda vieler Unternehmen. DLT ist im Kern eine dezentrale Datenbankstruktur, bei der alle involvierten Parteien dieselbe Kopie eines Transaktionsregisters besitzen. Sobald eine neue Transaktion in das Register geschrieben wird, werden alle Kopien automatisch aktualisiert, sodass allen Parteien zu jedem Zeitpunkt immer dieselben Informationen vorliegen. Auf diese Weise werden insbesondere unternehmensübergreifende Prozesse effizienter, schneller und transparenter.

Pilotprojekte verdeutlichen die Potenziale

Für uns als Bank sind z.B. die Handelsfinanzierung, die Wertpapierabwicklung und der Auslandszahlungsverkehr vielversprechende Anwendungsgebiete. Neben der Optimierung von bestehenden Geschäftsprozessen bietet DLT aber auch die Basis für ganz neue banken- und industrieübergreifende Geschäftsmodelle, die wir zusammen mit unseren Kunden identifizieren und entwickeln. Nach einer Ramp-Up-Phase in 2016 hat das Blockchain Lab im letzten Jahr sechs so genannte Proof-of-Concepts umgesetzt, um die technischen Möglichkeiten von DLT zu testen. Unter anderem wurde zusammen mit der KfW und MEAG eine reale Wertpapiertransaktion in Form eines Euro Commercial Papers über eine DLT-Plattform simuliert. In diesem Piloten wurden die potenziellen Vorteile von DLT deutlich: Die Abwicklungsdauer von Wertpapiergeschäften kann signifikant reduziert werden und damit einhergehend auch die Handelsrisiken. Außerdem hat der Regulator während des Handels vollständige Transparenz über das Geschäft.

Kooperation mit Unternehmen, Wissenschaft, Aufsicht und Verbänden

Bei der Weiterentwicklung von DLT setzt die Bank dabei auf die Zusammenarbeit in Konsortien. So ist die Commerzbank unter anderem ein sehr aktives Mitglied im R3-Konsortium, in dem Unternehmen aus der Finanzbranche weltweit an verschiedenen DLT-Projekten arbeiten. Wichtiger Erfolgsfaktor der Erforschung dieser sich rasant entwickelnden Technologie ist auch unsere enge Verzahnung mit der Wissenschaft. Mit dem Blockchain Center der Frankfurt School of Finance besteht daher eine wertvolle strategische Partnerschaft. Neben der technischen Weiterentwicklung der aktuellen Projekte sind in diesem Jahr Fragen rund um Standardisierung und Regulatorik im Fokus, um DLT einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Marktreife zu bringen. Hierzu ist eine weitere enge Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden und Standardisierungsverbänden unerlässlich. Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet derzeit eine zweistellige Anzahl an Entwicklern und Business-Analysten im Lab, das räumlich in Frankfurt und London beheimatet ist. Dazu kommen noch Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen der Bank, die in einzelnen Projekten situativ ihr Fach- sowie Produktwissen einbringen.

Weitere Erfolgsfaktoren des Labs sind insbesondere die räumliche Nähe und die hierarchiefreie Zusammenarbeit von Entwicklern, Business-Analysten und Fachexperten. Erste Ideen können im Team ganzheitlich beleuchtet sowie schnell und agil umgesetzt werden. Selbstredend sind bei innovativen Themen nicht alle Projekte, die angestoßen werden, erfolgreich. Somit ist es sehr wichtig, als Team und als Entscheidungsträger den Mut zu haben, Projekte nach dem „Fail Fast“-Prinzip frühzeitig abzubrechen, wenn Ideen doch nicht wie erhofft funktionieren.

Als Inhouse Consultant, der bereits in mehreren Konzernprojekten tätig war, imponiert mir diese Denkweise und Art der Zusammenarbeit jeden Tag aufs Neue und steht für mich sinnbildlich für den organisatorischen Wandel der Commerzbank zu einem digitalen Technologieunternehmen.

Sören Hartung

Commerz Business Consulting

Sören Hartung ist Senior Consultant im Digital Consulting bei Commerz Business Consulting, der Inhouse-Consulting-Einheit der Commerzbank.

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