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Fintech-Beteiligungen der Berliner Volksbank Ventures

Seit 2015 unterstützt die Berliner Volksbank Ventures Unternehmensgründer mit einem 20-Millionen-Euro-Fonds. Die Ideen sind höchst unterschiedlich, denn mit der Digitalisierung des Bankwesens stoßen immer mehr Start-ups im Bereich der Finanztechnologie auf den Markt.

Von Anne Klesse - 01. Dezember 2017

Gute Ideen reichen oftmals nicht aus. Es bedarf einer unterstützenden Hand. Bildnachweis: iStock.com/erhui1979

Die Hauptstadtregion ist besonders attraktiv für junge Unternehmen, die mit innovativen Produkten und Dienstleistungen den Prozess der Digitalisierung vorantreiben. Für die Entwicklung benötigen sie Wagniskapital, das die Berliner Volksbank Ventures in Form einer Beteiligung zur Verfügung stellt – auch um langfristig an deren erfolgreicher Entwicklung partizipieren zu können. „Über die Berliner Volksbank Ventures investiert die Berliner Volksbank in innovative Unternehmen, die neue Produkte für die Finanzindustrie oder die mittelständischen Kunden der Bank bieten. Weitere Voraussetzungen für eine Beteiligung sind ein herausragendes Gründerteam, erste bestehende Kundenbeziehungen und dass ein attraktives Geschäftsmodell hinter der Idee steht. Im Endeffekt muss die Kombination aus einer Vielzahl von Faktoren passen“, so Timo Fleig, Geschäftsführer der Berliner Volksbank Ventures.

Das Berliner Unternehmen Bergfürst etwa ermöglicht es, schon mit einem Betrag ab zehn Euro in Immobilien zu investieren und mit diesen Anteilen später auch zu handeln. Gründer und CEO Dr. Guido Sandler ist überzeugt von seiner Idee, mit der er digitales Investieren auch für kleinere Geldbeutel erschwinglich gemacht hat. Das Modell Crowdfunding, bei dem Menschen über das Internet zusammen in ein Projekt investieren, hat Bergfürst auf den Immobilienkauf übertragen: „Wir sind die führende Plattform für direkte Beteiligungen in einzelne Immobilienprojekt-Entwicklungen und die einzige, die auch die Beteiligung an Bestandsimmobilien anbietet.“ Transparenz und Flexibilität seien seinen Kunden wichtig. Über eine Webcam könnten sie die Baustellen der finanzierten Projekte beobachten. Die getätigten Investments könne der Kunde jederzeit über Bergfürst zum Weiterverkauf anbieten, so sei niemand an Laufzeiten gebunden.

Die neue digitale Vermögensverwaltung

Auch bei Liqid basiert das Geschäftsmodell auf den Möglichkeiten der Digitalisierung. „Wir nutzen das Internet, um unseren Kunden auf einfache, verständliche und papierlose Art Zugang zu Finanzdienstleistungen und -produkten zu geben, die bisher ausschließlich sehr vermögenden Kunden zugänglich waren“, erklärt CEO Christian Schneider-Sickert. Während man anderswo mindestens eine halbe Million Euro auf dem Konto benötigt, um in den Genuss einer professionellen Vermögensverwaltung zu kommen, bietet Liqid seine Dienste ab 100.000 Euro an. Hinter den Anlagestrategien des Unternehmens steht „HQ Trust“, die Vermögensverwaltung der Industriellen-Familie Harald Quandt, deren Expertise mit Hilfe modernster Technologie skaliert wird. „Die Anlageansätze von Hochvermögenden lassen sich eins zu eins auf kleinere Vermögen übertragen. Diese Kunden haben die gleichen Hoffnungen und Sorgen und möchten ihr Vermögen schützen und idealerweise vermehren“, ist Schneider-Sickert überzeugt.

Brückenbauer zwischen Fintechs und Banken

Das Fintech-Unternehmen Figo wurde 2012 zunächst als Banking-App gegründet. „Wir hatten ursprünglich die fixe Idee, Nutzern eine Art Zuhause für die Verwaltung ihrer Finanzen zu bieten, womit wir leider nicht erfolgreich waren“, so CEO André M. Bajorat. Scheitern und dann trotzdem erfolgreich werden, ist in der Start-up-Welt möglich: Sein Team und er seien sich immer sicher gewesen, dass Bankdaten im richtigen Kontext zum Nutzer einen großen Wert haben. Am Ende lagen sie mit dieser Einschätzung richtig. Mittlerweile hat sich Figo als Europas erster Banking-Service-Provider etabliert.

Die EU-Richtlinie „Payment Services Directive 2“, die 2018 in ein nationales Gesetz gegossen werden soll, spielte dem Hamburger B2B-Unternehmen in die Karten. Denn eine darin enthaltene Vorgabe verpflichtet Banken dazu, sich gegenüber Dritt-anbietern wie Fintechs zu öffnen. „Figo liefert mit seiner multifunktionalen Plattformtechnologie die Lösung zur Erfüllung von eben dieser Vorgabe, weshalb Banken diese Schnittstelle nicht selbst entwickeln müssen“, so Bajorat. Figo fungiert also als Brücke zwischen Fintechs und Banken. Letztere nutzen die technische Möglichkeit, wenn sie ihren Kunden beispielsweise beim Online-Banking anbieten, gleichzeitig Konten anderer Banken mit zu verwalten. „Wir sind eigentlich ein unsichtbarer Dienstleister, der die technische Grundlage zahlreicher Finanzdienstleistungen ist“, erklärt Bajorat.

Laut Andreas Laule, neben Timo Fleig ebenfalls Geschäftsführer der Berliner Volksbank Ventures, hat die Berliner Volksbank mit ihrer Tochtergesellschaft in ein zukunftsträchtiges Segment investiert: „Neue europäische Regularien werden Banken dazu bringen, sich den innovativen Technologien zu öffnen und strategische Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Diese Entwicklung wollen wir mitgestalten.“

Disclaimer

Dieser Artikel erschien in einer Langfassung in der Ausgabe 58 des Mitgliedermagazins der Berliner Volksbank.

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