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Mit der Blockchain Bank-Prozesse neu denken

Senior Investment Analyst Karsten R√ľhlmann √ľber digitale Plattformen, regulatorische Vorgaben, Potenziale der Tokenisierung und die Bedeutung und Anwendung von Distributed-Ledger-Technologien im Finanz- und Covered-Bond-Bereich.


Blockchain, Prozessmanagement, Optimierung von Prozessen, Finanzbranche

Digitalisierung ist und bleibt eines der zentralen Themen in der Finanzbranche. Die Corona-Pandemie hat hier zusätzlich als Katalysator gewirkt. Besonders Distributed-Ledger-Technologien, kurz DLT, deren bekanntester Vertreter die Blockchain-Technologie ist, könnte hierbei eine wichtige Bedeutung zukommen.

Denn die dezentrale Struktur der DLT, die M√∂glichkeit der Tokenisierung von Werten und die Automatisierung von Gesch√§ftsprozessen √ľber Smart Contracts, bieten Potenzial f√ľr verschiedene Anwendungsszenarien. Die urspr√ľngliche Idee der Blockchain-Technologie war es, Finanzinstitute und die mit ihnen verbundenen Intermedi√§re im Zuge einer Decentralized Finance (DeFi) √ľberfl√ľssig zu machen. Hohe regulatorische Anforderungen etwa beim Know-Your-Customer-Prinzip oder bei Geldw√§schevorschriften sorgen daf√ľr, dass die Aufsicht aber auch k√ľnftig auf zentrale haftbare Ansprechpartner pocht.

Dar√ľber hinaus haben Use Cases gezeigt, dass nicht jede zentrale Intermedi√§rsfunktion durch Blockchain-Technologie sinnvoll substituiert werden kann. Insofern ist hier eher von einem Open-Banking-Szenario auszugehen, in dem Banken digital vernetzt √ľber Plattformen zusammenarbeiten, um ihre Kunden zu bedienen. Dabei d√ľrfte die Blockchain-Technologie dazu beitragen, dass interne und externe Prozesse neu gedacht und sich die Rollen der Finanzakteure √§ndern werden.

Erstmals ein digitaler Euro

Im Covered-Bond-Bereich hat die Société Générale 2019 und 2020 mit zwei Test-Emissionen auf sich aufmerksam gemacht. Bei der ersten erfolgte das Cash Settlement noch auf traditionellem Weg. Bei der zweiten Platzierung im Zuge eines Forschungsprojekts mit der französischen Notenbank kam dann erstmals ein digitaler Euro zum Einsatz.

Durch das Settlement √ľber digitales Zentralbankgeld (CBDC) war die Abwicklung der Transaktion komplett √ľber die DLT mit Smart Contracts und ohne Medienbr√ľche m√∂glich. Das f√ľhrte zu weiteren Effizienzsteigerungen. Bei den Projekten profitierte die Bank von der franz√∂sischen Gesetzgebung. Denn diese setzt sich schon seit 2016 mit der Registrierung und dem Transfer von Wertpapieren √ľber die Distributed-Ledger-Technologien auseinander.

Auch die Landesbank Baden-W√ľrttemberg besch√§ftigt sich seit 2016 mit den Einsatzm√∂glichkeiten der Blockchain-Technologie, zun√§chst mit Fokus auf Schuldscheindarlehen. Bei den ersten Blockchain-basierten Transaktionen 2017 und 2018 mit dem Automobilhersteller Daimler und dem Telekommunikationsunternehmen Telef√≥nica Deutschland war parallel noch der klassische, papierhafte Abwicklungsprozess notwendig. Im M√§rz 2020 erfolgte dann aber erstmals die Begebung eines vollst√§ndig digitalen Schuldscheindarlehens, das deutlich schneller abgewickelt wurde. Auch hier war der Kreditnehmer die Daimler AG.

Davor kam es 2019 zur ersten volldigitalen Transaktion eines Asset-Backed Commercial Papers (ABCP). Sie erfolgte zwischen der LBBW als Plattformbetreiber ihrer Emissionsgesellschaft Weinberg Capital DAC und dem Asset Manager MEAG. In Abwesenheit eines gängigen offiziellen Zahlungs-Tokens wurden neben dem ABCP-Token, der das Wertpapier abbildete, auch ein Payment Order Token (POT) geschaffen, der die volldigitale Zug-um-Zug-Übertragung des Investitions- und des Emissionsbetrags sicherstellte.

DLT-Anwendungen im Grundbuchwesen

Auch entlang der Wertschöpfungskette von Covered Bonds lassen sich zahlreiche Anwendungsfälle digitaler Lösungen erkennen, speziell auch der DLT. Hier erscheint ein volldigitales Blockchain-basiertes Cover Pool Management allerdings noch als Vision. DLT-Anwendungen sind dagegen etwa im Grundbuchwesen bereits zu finden. Entsprechende Pilotprojekte sind zum Beispiel aus Dubai, Estland, Großbritannien oder Schweden bekannt.

Auch in der Hypothekenfinanzierung gewinnen digitale Plattformen an Bedeutung. Sie umfassen meist die reine Finanzierungsvermittlung. Die Kreditvergabe selbst erfolgt noch klassisch. Auch die volldigitale Abwicklung eines Immobiliendarlehens √ľber die Blockchain-Technologie ist keine Zukunftsmusik mehr. So hat das √∂sterreichische Bundesrechenzentrum zusammen mit einem Start-up ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Immobilientransaktionen vom Kaufangebot √ľber die Kreditvergabe bis hin zur Grundbucheintragung √ľber eine Transaktionsplattform erfolgen sollen.

In den letzten Jahren war au√üerdem das Aufkommen von alternativen Finanzierungsformen √ľber Crowdinvesting-Plattformen unter Einsatz der Blockchain-Technologie zu beobachten. Potenzial entlang der Covered-Bond-Wertsch√∂pfungskette besteht zudem bei der Immobilienbewertung und beim Bonit√§ts Scoring der Kreditnehmer.

Aufsicht reagiert auf Innovationen

Bei diesen Pilotprojekten d√ľrfen regulatorische Vorgaben nicht au√üer Acht gelassen werden. Auch hier ist zu beobachten, dass Aufsicht und Gesetzgeber auf die neuen Entwicklungen reagieren. So m√∂chte die Bundesregierung im Zuge ihrer Blockchain-Strategie das deutsche Recht f√ľr elektronische Wertpapiere √∂ffnen.

Dabei soll die zwingende Vorgabe einer urkundlichen Verk√∂rperung eines Wertpapiers in Papierform nicht mehr uneingeschr√§nkt gelten. Vielmehr soll die Regulierung elektronischer Wertpapiere technologieneutral erfolgen, sodass k√ľnftig eine Begebung auf einer Blockchain m√∂glich ist.

Auch auf EU-Ebene werden die Entwicklungen bei Krypto-Assets und die damit verbundenen Potenziale der Tokenisierung genau verfolgt. Beide Themenfelder sind Teil des Berichts der EU-Kommission zur Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion vom Juni 2020.

Ziel ist eine klare Einteilung und Definition von Krypto-Assets, um eine zielgerichtete Regulierung und Aufsicht zu gewährleisten. Szenarien, die bei der heutigen Gesetzgebung noch schwer vorstellbar sind, könnten damit schon bald Realität werden.

Tipp: Sie m√∂chten mehr zum Thema Blockchain? Dann lesen Sie auch den Beitrag ‚ÄěBlockchain: Das wahre Potenzial f√ľr Banken‚Äú oder erfahren Sie in unserem BANKINGCLUB-Daily ‚ÄěWas ist eigentlich …?‚Äú alles zur Entstehung und Funktionsweise der Blockchain.