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Miteinander statt gegeneinander – wie Fintechs und Banken eine Symbiose eingehen können

Die Digitalisierung hat auch in den Banken- und Versicherungssektor Einzug gehalten. Immer mehr Start-ups drängen auf den Finanzmarkt. Doch muss es immer eine Revolution sein oder kann der Umbruch auch friedlich ablaufen? Bedeutet der Aufstieg der einen automatisch den Abstieg der anderen? Aktuelle Beispiele zeigen, dass Kooperation vielleicht doch der bessere Weg ist.

Von Dieter Fromm - 20. September 2016

Fintechs und Banken stehen nicht zwingend in Konkurrenz zu einander. Sie können und sollten sogar miteinader kooperieren. Bildnachweis: iStock.com/ismagilov

„Wer braucht noch Banken?“ Diese Frage stellt der Dortmunder Professor Ralf Beck in seinem aktuellen Buch. Genauso geht es in den letzten Jahren auch immer mehr Kunden. Finanzkrise und Bankenskandale haben sie misstrauisch gegenüber den Angeboten der klassischen Banken und Finanzdienstleister gemacht.
Die anhaltende Niedrigzinsphase tut ihr Übriges, um Anleger am Sinn der Banken zweifeln zu lassen. Hinzu kommt ein Bedürfnis nach Bequemlichkeit und Verfügbarkeit, das gerade stationäre Filialbanken nur schwer bedienen können.
In diesem Umfeld ist es kaum verwunderlich, dass Bankkunden nach Alternativen suchen.

Akzeptanz digitaler Finanzprodukte

Studien zeigen, dass viele Banken den rasanten Wandel der Finanzwelt durch die Digitalisierung verschlafen haben. Wo immer Banken Lücken in ihrem Angebot übersehen haben, springen Start-ups in die Bresche und bieten genau auf die Kunden zugeschnittene Services an.
Das Beratungsunternehmen Cofinpro hat in einer Studie die Bereitschaft deutscher Kunden untersucht, Leistungen von neuen Finanzanbietern in Anspruch zu nehmen. Das Ergebnis: Zwar schätzen die Anleger die Konstanz und Beständigkeit der klassischen Banken, doch die Akzeptanz für digitale Finanzprodukte steigt weiter.

Die Stärken der Fintechs

Wo genau liegen also die Stärken der sogenannten Fintechs, also derjenigen Start-ups, die die Digitalisierung in die Finanzwelt tragen?
Durch Technisierung, Automatisierung und Konzentration auf das Wesentliche kommen sie mit weit weniger Verwaltungs- und Personalaufwand aus. Dadurch können sie Dienste und Services wesentlich günstiger anbieten, was die Gewinnspanne der Kunden erhöht. Zum anderen verfügen die Gründer über eine fundierte Kenntnis der Regeln der digitalen Welt und bringen frische Ideen in die oft verkrusteten Strukturen der Finanzwelt.
Zu guter Letzt verfügen sie über viele Eigenschaften, die den Banken nicht unbedingt zugeschrieben werden: Fintech-Unternehmen gewährleisten mehr Transparenz und schnellere Abläufe bei Geldgeschäften. All diese Faktoren haben auch Ralf Beck davon überzeugt, dass Fintechs künftig bedeutende Teile des Finanzmarktes erreichen werden.

Kooperation als Schlüssel

Fintechs sind also dabei, klassischen Finanzdienstleistern Marktanteile abzujagen. Trotzdem können und wollen sie die klassischen Aufgaben der Banken nicht vollständig übernehmen.
Im Gegenteil: Für viele Transaktionen sind sie auf die Dienstleistungen der Banken angewiesen. Was läge da näher, als zu kooperieren? Der Vorteil: Beide Partner können sich auf ihre Kernfunktionen konzentrieren und steuern ihr Spezialwissen bei.
So arbeitet die Fidor Bank zum Beispiel seit einiger Zeit erfolgreich mit der Finanzplattform moneymeets zusammen. Die Kooperation umfasst dabei sowohl den Versicherungs- als auch den Investmentfonds- und den Depotbereich und bietet den Kunden ein zusätzliches Werkzeug, um ihre persönlichen Finanzen sinnvoll selbst zu verwalten.

Disruption

Doch nicht nur den Banken setzt der Boom der Fintechs zu. Auch in der Versicherungsbranche ist die Disruption in vollem Gange. Im herkömmlichen Versicherungsvertrieb belasten Provisionen und Verwaltungsgebühren die Finanzen der Kunden. Nicht selten müssen sie mit hohen Kosten leben, die insbesondere bei Altersvorsorge-Produkten erheblich die Rentabilität schmälern. Diesen Missständen treten engagierte Fintech-Unternehmen entgegen.
Sie punkten mit Transparenz und ermöglichen Anlegern, ihre Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen. Einzelne Anbieter gehen sogar so weit, die gezahlten Provisionen mit ihren Kunden zu teilen – auch wenn das vor allem Versicherungsmaklern nicht schmeckt.
Hier liegt eine der großen Stärken der Fintechs: Nur wenige Anleger kennen die Kosten, die Banken und Versicherungen erheben.
Fintechs hingegen bieten klare und transparente Informationen. So können mit praktischen Tools und Auswahlmöglichkeiten alle Finanzprodukte in einer Übersicht verwaltet werden.

Finanzbranche im Umbruch

Der Umbruch in der Finanzbranche nimmt also Fahrt auf – und die traditionellen Anbieter werden nicht umhinkommen, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Letztlich, so zeigt auch die Studie von Cofinpro, erwarten die Kunden eine Mischung aus alter und neuer Bankenwelt. Die Antwort auf die Frage „Wer braucht noch Banken?“ ergibt sich damit von selbst: Fintech-Unternehmen werden die alten Geldinstitute kurz- und mittelfristig nicht verdrängen, bieten jedoch interessante und lukrative Alternativen, die den Finanzmarkt bereichern werden.

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