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Next Generation Payment – Die Zukunft hat begonnen

Von Christian Grosshardt - 09. März 2015

In den letzten Monaten konnte man als Interessierter unzählige Berichte über die Zukunft des Bezahlens lesen. Unweigerlich kam man in diesem Zusammenhang mit den Ideen junger Fintech-Unternehmen in Berührung. Doch haben diese kreativen Köpfe mehr zu bieten als die üblichen plakativen Ausrufe wie „Bargeld gehört der Vergangenheit an“ oder „Das Smartphone ersetzt die Filiale“? Die Antwort ist ein klares „Ja“! Denn die Branchenstürmer kommen mit teils sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen daher.

Eigentlich ist der Begriff „Next Generation Payment“ unglücklich gewählt. Denn im Grunde sprechen wir in diesem Zusammenhang nicht mehr über die Zukunft, sondern über die Gegenwart. Anders formuliert: Bei vielen hat die Zukunft bereits gestern begonnen, wie verschiedene Geschäftsmodelle von Fintech-Unternehmen eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Optimierung von Banken

Die lendstar GmbH versucht nach eigener Aussage die existierenden Infrastrukturen von Banken zu optimieren, indem sie einen alternativen mobilen Kanal für ein Kreditinstitut anbietet. Diese Finanznetzwerke erlauben dem Kunden, Geld für Events zu teilen. Eine weitere innovative Idee zum Zahlungsverkehr stellt das von ementexx konzipierte System der „Dynamic Bank Account Number“, kurz DBAN, dar. Dies ist ein Click-and-Pay-Zahlungsverfahren, bei welchem die üblichen IBAN- und BIC-Daten nicht mehr nötig sind. Denn jegliche Kontoinformationen sind in einer an E-Mail-Adressen erinnernde Kombination enthalten sind. Traditionalisten sei an dieser Stelle gesagt, dass DBAN nicht die alten Methoden ersetzt, sondern den klassischen Zahlungsinstrumenten wie der Überweisung oder der Lastschrift neue Attraktivität verleiht. Die Ausführung der Zahlungen ist weiterhin den Banken überlassen, so dass es sich hier um ein kooperatives Konzept handelt.

Das Smartphone als Werkzeug für den Alltag

Viele Fintechs verschreiben sich dem Potenzial, dass in den Smartphones schlummert, so auch die Gini Gmbh aus München. Sie schreiben Omni-Channel-Payment groß und wünschen sich für ihre Kunden eine Reduzierung des Papierkrams. Die entwickelte App „Gini“ kann abfotografierte Rechnungen und Dokumente lesen, erkennen und ggf. Zahlungsaufträge unmittelbar einleiten. Wem das zu innovativ ist, kann es beim mobilen Scan belassen und anschließend im Webbrowser seine Rechnung begleichen. Für das Banking der Zukunft will das Fintech eine Art PFM 2.0 entwickeln, d.h. einen persönlichen Finanzmanager, der die Dokumentinhalte für eine präzise Ausgabenplanung speichert.
Die Firma open tabs widmet sich dagegen einem anderen Schwerpunkt: Im Fokus ihrer Arbeit steht die Frage nach einer Optimierung von Bestellvorgängen in der Gastronomie. Um das Warten in langen Schlangen zu vermeiden, kann der User per App die Bestellung in Auftrag geben, die sofort an das Restaurant übermittelt wird. Nach der Zahlungsbestätigung ist die Bestellung abholbereit. Wer nun Angst vor kalten Pommes Frites hat, der sei beruhigt. Als Kunde erhält man eine Angabe, wie viel Zeit die Zubereitung ungefähr in Anspruch nimmt.

Schnell, einfach und sicher

Bei den genannten Beispielen handelt es sich nur um eine kleine Auswahl aus dem fast schon unerschöpflichen Pool an jungen Fintech-Unternehmen, die sich im Bereich Payment versuchen am Markt zu etablieren oder sich bereits etabliert haben. Doch was sagt diese Entwicklung über die Zukunft des Bezahlens aus? Nun, für IT-Entwickler gilt die Doktrin: Der Kunde will es schnell, einfach und sicher. Oder etwa nicht? Steffen Reitz von der Gini GmbH ist der Meinung, dass „häufig eine radikale Verbesserung in einer der drei Kategorien ausreicht.“ Als passendes Beispiel für dieses Phänomen nennt er das erste iPhone, welches trotz einer massiv schlechteren Akkulaufzeit und unpraktischen Tippens ein Kassenschlager wurde, weil die sonstigen Vorteile so gewaltig waren. Das wird die Payment-Industrie definitiv revolutionieren. Dabei reiche laut Reitz bereits eine drastische in einer der drei oben genannten Dimensionen.

Nur 33 Prozent der Deutschen besitzen Kreditkarte

Im Bereich Payment spielt das Smartphone sowieso mittlerweile eine essentielle Rolle bei der Nutzung der verschiedenen Bezahlideen. Das mutet sehr futuristisch an, wenn man überlegt, dass nur 33 Prozent der Deutschen eine Kreditkarte besitzen. Diese Tatsache bringt unausweichlich folgende Frage mit sich: Ist eine zeitnahe Etablierung von „Next-Generation-Payment-Methoden“ realistisch, wenn über die Hälfte der Bürger die „Last-Generation-Payment-Methoden“ noch nicht angenommen haben? Steffen Reitz weiß: „Die Deutschen sind ein relativ risikoaverses Volk und sind mit Debit-Karten offensichtlich absolut zufrieden.“ Kreditkarten brächten ihnen nur einen bedingten Mehrwert. Trotzdem sieht der CEO der Gini GmbH für die nahe Zukunft eine deutliche Veränderung kommen. Vorausgesetzt: „Neue Technologien und Anwendungen versprechen nicht nur auf einander aufbauende, sondern auch radikale Verbesserungen.“ Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass gerade diese gewaltige Verbesserung in einer Dimension, neue Zeitalter eingeläutet hat. Der Medienkonzern Sony erstürmte mit seiner ersten Playstation Mitte der 1990er Jahre den Thron der Videospielkonsolen. Im Gegensatz zum damaligen Branchenprimus Nintendo nutzte man CDs als Datenträger, was etwa aufgrund der deutlich hochwertigeren Soundleistungen zu einer cineastischeren Darstellung führte. Nintendo konnte die damalige Schlafmützigkeit nicht wieder gut machen und leidet heute noch unter den Folgen.

Die Zukunft des Bezahlens hat bereits begonnen

Natürlich haben sich junge Menschen in vielen Dingen eine gewisse Grundskepsis bewahrt. Was sie von älteren Generationen unterscheidet, ist die Bereitschaft, Dinge einfach mal auszuprobieren. Mit dem passenden Geschäftsmodell sollte es möglich sein, diese User von der neuen Technik zu überzeugen, denn das ist auch nötig. Schließlich geht es um das eigene hart verdiente Geld.
So lassen Sie uns nicht länger über die Zukunft des Bezahlens sprechen. Sie hat nämlich längst begonnen. Wer das noch nicht verstanden hat, lebt nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit.

Bildnachweis: alengo via istockphoto.de

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