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Sind Fintechs die besseren Banken?

Von Jan Wendenburg - 28. Mai 2015

Was macht eine gute (Retail)Bank aus? Was erwarten wir von einer Bank? Was macht noch den Unterschied? Nach Charles Darwin überleben nicht die stärksten Vertreter einer Gattung sondern die anpassungsfähigsten. Trifft dieses Gesetz auch auf die Banken zu oder können wir nach einem kurzen Fintech-Hype wieder zurück zur Tagesordnung?

Eine Bank ist ein ganz normales Dienstleistungsunternehmen, auch wenn dies leider manchmal in Diskussionen vergessen wird. Ein Dienstleister ist in der Regel dann sehr erfolgreich, wenn seine Dienstleistung genau den Bedarf und Erwartung seiner Zielgruppe entspricht. Genau hier setzen die Fintechs an und gewinnen mit ihren passgenauen, spezialisierten und einfach anzuwendenden Apps und Dienstleistungen rasend schnell weltweit Marktanteile – und das ausgerechnet genau bei den jungen Kunden, die morgen den Banken fehlen werden.

Die Zeit läuft eindeutig gegen die Banken.

Es ist nicht fünf vor, sondern irgendwann schon nach zwölf! Die aktuellen Veränderungen im Bankensektor unterscheiden sich fundamental von den vorherigen. In den 1960er und 1970er Jahren führte die Computerisierung in allen Bankbereichen intern zur radikalen Beschleunigung von Buchungen, Ende der 1990er Jahre führten die neuen technischen Kommunikationsmöglichkeiten mit Kunden zur Entstehung von Online- bzw. Direktbanken und im Retailbanking zu substantiellen Verschiebungen der Marktanteile. So schrumpfte in Deutschland der Marktanteil der Sparkassen und Volksbanken von über 75% im Jahre 1998 auf knapp 60% im Jahre 2013. Gleichzeitig konnten die flexiblen und technisch meist hochgerüsteten Direktbanken von 0,9% auf über 11% die etablierten Großbanken (10%) in nur 15 Jahren komplett überholen.
All dies sind brancheninterne Veränderungen. Das passiert jeden Tag auch in anderen Branchen. Nun aber erleben wir, dass der Bankensektor in wesentlichen Kernbereichen von außen angegriffen wird. Hierbei handelt es sich nicht um Banker, die erst einmal eine Banklehre gemacht haben, um sich dann über Jahre in der Hierarchie des Instituts hochzudienen. Nein, es sind IT- und Prozess-Spezialisten.

Banking ist wichtig – Banken nicht!

Diese provokante These, 2008 von Bill Gates in seinem Buch veröffentlicht und heute viel zitiert, bringt es auf den Punkt. Die drei primären volkswirtschaftlichen Dienstleistungen zur Losgrößen-, Fristen- und Risikotransformation können natürlich jederzeit statt von Banken auch von anderen spezialisierten Organisationen erfüllt werden.
So ist die Überweisung von Geld von einer Person zur anderen längst keine exklusive Domäne der Banken mehr. Das geht z.B. deutlich einfacher mit anderen Finanzdienstleistern. PayPal dürfte hier der bekannteste sein. Zur Identitätsfeststellung muss ich auch nicht mehr in eine Filiale. Benötige ich zur Unternehmensgründung einen Kredit – auch kein Problem. Bei Auxmoney, zencap oder smava bekomme ich entsprechendes Kapital und kann es flexibel dort, oder über andere Plattformen umschichten oder verlängern. Noch besser wenn ich eine gute Produktidee habe. Auch hier finden sich Fintechs, die mir das das entsprechende Kapital besorgen.
Auch in anderen Bereichen, die einst die Domäne der Banken waren, finden sich Fintechs zuhauf. Sicherlich dauert es nicht mehr lang dann akzeptieren auch die Stadtwerke, das Finanzamt und mein Arbeitgeber Paypal o. Ä. Dann kann ich mein Bankkonto ganz abschalten.

Schwarmintelligenz statt monolithischer Bankimperien

Das hört sich für Sie zu fantastisch an? Nein, die Fintechs stehen im Retailbanking erst am Anfang und lernen schnell – sehr schnell. Offene Schnittstellen („OpenAPI“) sorgen dafür, dass die hoch spezialisierten Fintechs aus unterschiedlichen Bereichen und Disziplinen mit einander kommunizieren und interagieren. Das wird als Gruppe mit „Schwarmintelligenz“ für den klassischen Bank-Dienstleister zu einer ernsthaften Gefahr.
Die Generation der Digital Natives gestatten bereits heute nur per Click im Smartphone dem einen Cloudservice den Zugriff auf die Daten eines anderen, wie z.B. Anmeldung per Facebook oder Google-ID. Warum sollten diese nicht z.B. der automatisierten Anlageplattform vaamoo den Zugriff auf das Paypal oder KESH Konto erlauben damit vaamo automatisch eine Optimierung der Geldanlage vornimmt?
Sicherheit und Compliance machen noch oft den Unterschied

Die Bank genießt Vertrauen. Zwar nicht mehr soviel wie früher, aber es macht noch oft den Unterschied. Den Einkauf im Internet, die paar Euro zum Freund senden – dafür sind Fintechs aus der Sicht vieler Verbraucher OK. Aber noch vertrauen viele nicht den Fintechs und den neuen Angeboten für den großen Wurf, nämlich für die Abwicklung aller Geldgeschäfte im privaten Bereich. Einen Kredit online über das Internet besorgen ist heute schon die Regel: aber bitte von einer Bank. Crowdlending als Kredit für die schönen neuen vier Wände oder für das Auto ist neu, unbekannt, unberechenbar und hat sein langfristiges Vertrauen noch nicht verdient. Daher ist es wichtig, dass Banken genau diesen wichtigen Vorsprung weiter pflegen, ausbauen und ständig verbessern.

Stabilität und Vertrauen ist King!

Das Rennen um die tollste App, das bequemste mobile Payment, die schnellste P2P Überweisung und anderen innovativen Neuentwicklungen haben die Banken praktisch schon längst verloren. Solche kurzfristigen Dienstleistungen benötigen keinen starken Vertrauensanker, ein Kredit oder eine Geldanlage über viele Jahre schon. Hier liegt die langfristige Chance der Banken. Eine erstklassige finanzielle und organisatorische Stabilität, ohne Daten- und IT-Sicherheitsskandale und mit Spitzennoten der Bankaufsicht können Banken die Grundlage für den nachhaltigen Erhalt und Ausbau ihres individuellen Vertrauensvorsprungs schaffen. Dieser reicht dann natürlich nicht allein – aber bietet schon ein gutes Fundament für die Zukunft.

Bildnachweis: adventtr via istockphoto.de

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