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So gefährlich sind Plattformen für Banken

„Banking is necessary, banks are not.“ Wird Bill Gates mit seiner Äußerung von damals Recht behalten, wenn Plattform-Giganten auch in der Finanzbranche keinen Stein auf dem anderen lassen?


Bildnachweis: iStock.com/Malchev

Plattformstrategien werden heute auch in der Finanzbranche als eine Art Königsweg für zukunftsfähige Geschäftsmodelle gesehen. Denn wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Kunden. Im Spannungsfeld von Banken, Fintechs und Technologie-Giganten geht es letztlich um die Frage, wer im Kampf um die Kundenbeziehung am Ende als Sieger auf dem Podest (auch eine Plattform) stehen wird. Banken haben da eigentlich einige Vorteile, denn sie wissen sehr genau, wer Geld hat und wofür er es ausgibt. Viele Fintechs sind da schon deutlich weiter und nutzen diese Daten – oder ihr Geschäftsmodell basiert komplett auf Ideen der Plattformökonomie.

Von den fünf größten börsennotierten Unternehmen basieren vier auf dem Ansatz einer Plattform. Die Börsenwerte von Amazon, Google, Facebook oder Alibaba sprechen Bände. Auch die Börsenwerte deutscher Banken sagen eine Menge über die angenommene Zukunftsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle aus. Klar ist aber: Es gibt keine Einheitslösung beim Thema „Plattformen und Banken“. Dazu sind die Märkte, Wertschöpfungsketten und strategischen Ziele zu unterschiedlich.

Für den Erfolg ist nicht nur Technologie entscheidend, sondern vor allem, dass das gesamte Unternehmen den Weg in die Plattformökonomie unterstützt, nicht nur einzelne Projektmanager oder der Vorstand fürs Digitale. Mut, interdisziplinäres Arbeiten und unternehmerisches Denken gehören zu den wichtigsten Punkten in der Unternehmenskultur – auch um das Umfeld zu schaffen, damit sich Experten für Digitale Plattformen überhaupt für Banken (und Versicherer) als Arbeitgeber interessieren.

Umso mehr Kunden auf der Plattform sind, desto lukrativer ist es für Anbieter, ihre Produkte und Dienstleistungen dort anzubieten.

Besonders der Netzwerkeffekt ist es, der das Geschäftsmodell der digitalen Plattformen so attraktiv macht. Der Wert einer Plattform hängt sowohl für Anbieter als auch für Kunden von der Anzahl des jeweils anderen ab. Je mehr Anbieter auf der Plattform, desto größer das Angebot. Resultat: Die Plattform wird attraktiver für Kunden. Umso mehr Kunden auf der Plattform sind, desto lukrativer ist es für Anbieter, ihre Produkte und Dienstleistungen dort anzubieten. Mark Zuckerberg, Betreiber einer der größten globalen Plattform, weiß das alles sehr genau und versucht sein Libra-Projekt auf den Weg zu bringen.

Ein aktuelles Beispiel für ein „Plattform-Unternehmen“ aus Deutschland ist Wirecard. Das Unternehmen hat – trotz aller Turbulenzen und Kommunikationsprobleme – eine klar definierte Strategie als Lieferant von Payment-Lösungen mit Einbindung in branchenfremde digitale Ökosysteme und bemüht sich verstärkt um Privatkunden.

Wie geht es also weiter? Es gibt zwei Szenarien: Die Banken werden selbst aktiv und beschäftigen sich nicht nur am Rande mit dem Thema. Oder sie wursteln im Großen und Ganzen so weiter wie bisher und Kunden werden sukzessive ihre Suche nach (Finanz-)Produkten und Dienstleistungen auf Plattformen verlagern, auf denen die Banken dann vielleicht nur noch eine Rolle als „Zulieferbetrieb“ spielen. Sollten Banken das Thema „Plattform“ verschlafen, wird es richtig eng. Denn in der Plattformökonomie gilt „The winner takes it all“. Und Google hat zudem ausreichend liquide Mittel, um jederzeit eine große deutsche Bank zu kaufen. Oder auch zwei.

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