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Zukunftsfeld Elektromobilität: Banken unter Strom

Eine „grüne“ Bundeskanzlerin rückt trotz schwankender Umfragewerte in greifbare Nähe und US-Präsident Joe Biden schlug eine Förderung von über zwei Milliarden US-Dollar für eine saubere Energieinfrastruktur vor. Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. In diesem Zusammenhang gerät Elektromobilität immer mehr in den Fokus. Banken wittern ihre Chance.

Von Laura Kracht - 07. September 2021
Elektromobilität

Foto: iStock.com/Andrey Suslov

Elektromobilität ist zentral für eine nachhaltigere Verkehrsstruktur. Für Banken ergeben sich in diesem Bereich zahlreiche neue Geschäftsfelder, allen voran bei der Ladeinfrastruktur. 2020 wurden nach Angaben des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) insgesamt 394.632 Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb zugelassen. Laut ADAC können diese aktuell an rund 34.000 Ladesäulen tanken.

„Ein starker Anstieg der individuellen E-Mobilität erfordert einen deutlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Hier bietet sich Banken ein neues Geschäftsfeld, um den hohen Investitionsbedarf in den nächsten Jahren zu finanzieren”, sagt Franziska Marten, Referentin für klimakompatible Finanzflüsse im gemeinnützigen Verein Germanwatch e. V.

Banken haben jetzt die Chance, beim Ausbau der elektromobilen Verkehrslandschaft langfristig als kompetenter Partner zu fungieren. Neben der Finanzierung der Ladeinfrastruktur oder anderen Projekten gehört dazu auch die Vergabe von Krediten an Privatpersonen für den Erwerb von E-Fahrzeugen und an Unternehmen für den Umbau ihrer Fahrzeugflotte. Hinzukommt ein in Folge der Verkehrswende erhöhter Investitionsbedarf in der Automobilbranche. Darüber hinaus bieten sich attraktive Geschäftsmöglichkeiten für Kreditinstitute bei Leasing- und Car-Sharing-Modellen. Über die Platzierung von Firmenlogos auf Ladestationen oder elektrisch betriebenen Sharing-Fahrzeugen können sie zusätzlich die Markensichtbarkeit erhöhen.

Kreditinstitute ziehen mit

E-Mobilität ist besonders attraktiv, da der Markt rasant wächst. Das haben viele Banken erkannt. Eine davon ist Santander Deutschland, bei der vor allem das Leasing im Vordergrund steht. Dies soll Kund:innen den E-Umstieg besonders leicht machen. Händler und Kund:innen erhalten einen Prämien-Antragsservice des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). „Gleichzeitig ermöglichen wir über unser Produkt AutoDispoPlus die Vorfinanzierung der Förderung bis zur Auszahlung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle“, betont Maik Kynast, Bereichsleiter Vertrieb Mobilität im Geldhaus.

Geschäftspotenzial sieht auch die GLS Bank. Hier widmet sich eine eigene Abteilung dem Zukunftsfeld Mobilität. In der Verantwortung ist Mirko Schulte. Er sagt: „Die Frage der Mobilität hat in der GLS Bank schon immer im Hinblick der eigenen Mitarbeitendenmobilität und darüber hinaus auch in der Verantwortung für die Energie- und Verkehrswende eine Rolle gespielt. Die ersten Schritte der Elektromobilität haben wir gemeinsam mit einer Forschungsgruppe einer Universität vor über zehn Jahren gemacht in dem Elektroautos für das interne eCar Sharing eingesetzt wurden.“

Die nachhaltig ausgerichtete Bank finanziert unter anderem Mobilitätskonzepte wie den Ladepark Hilden, berät Unternehmen zu Mobilitätsthemen und hat mit Grünstrom-Versorgern und den Inselwerken die „Ladegrün Genossenschaft“ gegründet. Darüber hinaus hat das Bochumer Kreditinstitut mit Giro-e eine eigene Lösung für die Zahlungsabwicklung an der Ladesäule entwickelt. So soll einerseits den Kund:innen das Laden an der Elektrotankstelle erleichtert und andererseits den Betreibern eine einfache Betriebsführung dieser Ladepunkte ermöglicht werden. Denn eine einheitliche, betreiberunabhängige Bezahlmöglichkeit ist hierzulande bisher Fehlanzeige. In der Folge wird hier die Bank durch Giro-e Mehreinnahmen generieren und neue Kund:innen gewinnen.

Vielfältige Projekte bei Elektromobilität

Wie vielfältig Geschäftsmöglichkeiten in diesem Bereich sind, zeigen weitere von Kreditinstituten geförderte Projekte. In der NRW.Bank wurde bereits 2010 das Programm NRW.BANK.Elektromobilität auf den Weg gebracht. Dieses unterstützt Existenzgründer, Angehörige der freien Berufe, kommunale und gemeinnützige Unternehmen sowie KMU mit zinsgünstigen Darlehen bei Investitionen in die elektromobile Zukunft. Gefördert wird der Erwerb von Fahrzeugen ohne Verbrennungsmotor, Umrüstungen von Fahrzeugen auf elektrische Antriebe, Investitionen im Zusammenhang mit Elektromobilität sowie Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Die Commerzbank beschäftigt sich seit 2015 mit Elektromobilität. Seit Anfang 2021 gibt es bei den vorkonfigurierten Leasing-Aktionsfahrzeugen nur noch Autos mit Elektroantrieb. Das Geldhaus arbeitet am sukzessiven Aufbau einer Ladeinfrastruktur und bietet immer mehr E-Parkplätze in den Parkhäusern an. Da die Bank seit einigen Jahren nur Strom aus zu 100 Prozent erneuerbaren Energiequellen bezieht, kann man an Commerzbank-Ladestationen nur Ökostrom tanken.

„Damit leistet die Commerzbank einen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig wecken wir bei unseren Mitarbeitenden das Interesse an Elektro-Mobilität und unterstützen damit den Wandel“, sagt Albert Reicherzer, Bereichsvorstand Organisation & Security.

Mobilität der Zukunft nicht konfliktfrei

Entsprechend der Wachstumsprognosen planen viele Kreditinstitute, ihre Elektromobilitätsangebote auszubauen. Das geht allerdings nicht im Handumdrehen. Auch hier spielt die Schaffung einer einheitlichen und flächendeckenden Ladeinfrastruktur eine entscheidende Rolle. Diese ist Grundbedingung dafür, dass sich Elektromobilität als Technologie der Zukunft durchsetzt. Dabei sind Arbeitgeber einerseits und Politik andererseits gefragt, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Für den langfristigen Erfolg von Elektromobilität müssen auch die Arbeitsbedingungen verbessert beziehungsweise Kinderarbeit verhindert, sich verändernde Mobilitätsbedarfe berücksichtigt und der Anteil an regenerativen Energien am Energiemix bedacht werden.

Darüber hinaus müssen Banken das Thema intern priorisieren. „Es braucht einen Perspektivwechsel, dass es sich lohnt die nötigen Kapazitäten und die nötige Zeit zu investieren, damit dieser Umbruch auch als Chance genutzt werden kann“, sagt Mirko Schulte. Darüber hinaus gibt er zu bedenken: „Bei Finanzierungen kennen Banken teilweise diese Geschäftsmodelle oder die Finanzierungskonzepte noch nicht. Das darf aber kein Grund sein, diese Entwicklung zu vernachlässigen. Wir können mit Hinblick auf die Transformation nicht nur Kredite aus dem Rückspiegel vergeben“.

Tipps: Sie möchten mehr zum Thema innovative Ideen? Dann schauen Sie hier.

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