Lehman-Zertifikate waren nicht durch die Einlagensicherung abgedeckt, was nur bis zur Pleite von Lehmann kein Problem war. Dem Anleger soll und sollte so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kรถnnen. Doch, ob der massive Absatz dieser Zertifikate eher der Gier der Kunden oder der Gier nach Provisionserlรถsen zuzurechnen war, ist heute mรผรig zu diskutieren. Wie so oft liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte.
Fakt ist, wenn ein Kunde heute nach einer Geldanlage oder einem Kredit sucht, dann nutzt er im Netz die eine oder andere Vergleichsplattform und wรคhlt gerne einen Anbieter von Platz eins bis drei. Ob er damit eine gute Wahl getroffen hat, lรคsst sich weder kurzfristig noch mit einer Beratungsdokumentation beantworten. Dennoch sollten wir Banken uns an die eigene Nase fassen, statt den regelmรครigen Regulierungsbemรผhungen der Politik Widerstand zu leisten. Kunden sind Wรคhler โ und Wรคhler gilt es zu schรผtzen. Zudem ist das finanzielle Bildungsniveau in der Gesamtbevรถlkerung normalverteilt. Das schlieรt Politiker nicht aus.
Doch wenn wir Banken auch eher maรnahmengetrieben im November Kfz-Versicherungen, im Sommer Auslandsreiseversicherungen und zum Jahresende das eine oder andere Steuersparprodukt verkaufen, sind wir nicht besser als die Vergleichsportale im Netz. Die einzige Mรถglichkeit, dass sich Banken vom Rest abheben wรคre die ganzheitliche Finanzbegleitung des Kunden. Und hier, liebe Banken, haben die meisten gepennt.
Und so ist die Pflicht zur Dokumentation eher zu einer Absicherung fรผr Banken geworden, als dass sie zu einer verbesserten Beratung gefรผhrt hรคtte. Kunden, so kรถnnen wir aus Gesprรคchen festhalten, finden die Dokumentationsprozesse oft lรคstig, wenig zielfรผhrend und langwierig. Aber, und jetzt schlage ich mich wieder auf die Seite der Banken, Kunden wollen auch oftmals eher den schnellen Abschluss mit mรถglichst hohen oder niedrigen Zinsen, als dass jemand auch noch das finanzielle Umfeld des Kunden durchleuchtet. Auch lรคstig fรผr den Kunden.
Was hier fehlt, sind Hilfen zur finanziellen Kurzanalyse des Kunden, statt diesen in 90 Minuten bis auf die finanzielle Unterhose auszuziehen. Was bleibt: Es gibt viel zu tun. Auch fรผr Banken! Auch fรผr die Bankberatung! Und wenn wir es nicht selber tun, kommt der groรe Regulator bestimmt mit weiteren neuen Ideen um die Ecke. Und wenn es nur mit dem Ziel ist, einen Wรคhler zu gewinnen.
Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Grรผnder des BANKINGCLUB. In seinem Editorial โQuer durch die Bankโ bezieht er regelmรครig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.
Der Profinetzwerker zรคhlt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugรคnglich zu machen.
Auรerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbรผcher und Buchbeitrรคge.


