Angela Merkel ist wirklich nicht zu beneiden. Seit Wochen kursieren Gerรผchte, dass die Kanzlerin im stillen Kรคmmerlein zusammen mit Deutsche-Bank-Chef John Cryan รผber mรถgliche Staatshilfen fรผr das grรถรte deutsche Geldhaus debattiert hat. Berlin dementiert dies energisch. Offensichtlich ist: Der Deutschen Bank geht es schlecht und ihr droht derzeit eine Rekordstrafe von 14 Milliarden Euro wegen dubioser Immobilien-Geschรคfte in den USA. Kippt der Fels des deutschen Finanzsystems, wรคre eine erneute globale Krise vorprogrammiert. Schlieรlich gilt die Deutsche Bank als am besten vernetztes Kreditinstitut der Welt.
Wรผrde Merkel Staatshilfen zur Rettung anbieten, bedeutete das im Umkehrschluss, dass sich seit dem Lehman-Kollaps nichts verbessert hat. Das Finanzsystem wรคre genauso unsicher und gefรคhrdet wie vor acht Jahren. Zudem mรผssten nach Vorschrift in erster Linie die Glรคubiger und Aktionรคre bei einer Pleite der Bank haften; eine Vorschrift, auf deren Einhaltung Wolfgang Schรคuble pochte, als es um die Rettung der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena ging.
Ein Eingreifen der Bundesregierung verursachte also auch einen enormen auรenpolitischen Schaden. Und im Wahljahr 2017 mit Steuergeldern ein Haus aus der im Volk unbeliebten Finanzbranche retten? Merkel wรผrde wahrscheinlich erneut lieber die Zeit zurรผckdrehen.
Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Wรคhrend seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kรถlnischen Rundschau.

