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Der, dessen Name das Ponzi-System trägt

Wie viele andere Geschichten beginnt auch diese mit der Suche nach dem transatlantischen Glück. Von einem neuen Leben in Amerika träumte auch Carlo Ponzi, was sich für ihn auch verwirklichen sollte: Vom Millionär zu einem der berühmt-berüchtigtsten Anlagebetrüger lebte Ponzi gleich mehrere Leben.

Von Fiona Gleim - 07. März 2022
Anlagebetrugsreihe

Foto: istock.com/Denis Novikov

Branchenkennern ist es ein Begriff: Das Ponzi-System. Ein Betrugsmodell, welches sich dadurch auszeichnet, dass ein Initiator Gelder von Mitgliedern einheimst, die ihre Ausgaben durch die Anwerbung neuer Mitglieder zu decken versuchen. Bei Forttragen der Kette müssen diejenigen, die von den Geldern profitieren, einen Teil ihrer Einnahmen an ihre Anwerber abgeben. Damit dieses System funktionieren kann, braucht es ein rasantes Wachstum der Modellebenen, um die Defizite auszugleichen.

Heute wird in zahlreichen Betrugsfällen vom sogenannten „Schneeball- oder Pyramidensystem“ Gebrauch gemacht. Oft auch als Synonym verwendet, mag vielen jedoch nicht bewusst sein, dass hinter dem „Ponzi-Schema“ sein Namensgeber und das Symbol schlechthin für das Schneeballsystem steckt.

Es handelt sich um den gebürtigen Italiener Carlos Ponzi. Um den begrenzten Möglichkeiten seiner einfachen Familienverhältnisse zu entfliehen, immigrierte Ponzi im Jahre 1903 in die USA. Angepasst an sein neues Leben auf amerikanischen Boden, nannte er sich fortan Charles Ponzi.

An der Spitze der Pyramide

Schnell ließ sich Ponzi jedoch vom schnellen Geld verleiten und saß für einen gefälschten Bankwechsel und weitere Betrugsdelikte eine Gefängnisstrafe ab. Wieder auf freiem Fuße, gründete er in Boston eine Firma, die Old Colony Foreign Exchange Company. Dort, auf eher zufälligem Wege, begegnete ihm seine große Geschäftsidee: Dem Handel mit Rückporto-Bezugsscheinen.

Nachdem die Preise dieser Antwortscheine nämlich nicht mehr an die Währung gekoppelt waren und die europäischen Währungen erheblichen Wertverlust erlitten hatten, fiel ihm auf, dass die Scheine im Europamarkt deutlich erschwinglicher waren als in den USA. So lag der Preis für einen Schein in Spanien etwa bei einem Cent, auf dem amerikanischen Markt wiederum bei sechs. Ponzi sah in diesem Preisunterschied eine Profitquelle und startete 1920 sein Geschäft.

Mit seiner neuen Firma, der Securities Exchange Company, versprach Ponzi seinen Anlegern 50 Prozent Gewinn auf ihren Kapitaleinsatz innerhalb von 45 Tagen für die preiswerten Scheine aus Spanien. Die Renditen sollten sich binnen 90 Tagen sogar verdoppeln – allerdings nur unter der Bedingung, dass es den Anlegern gelingen möge, in neuen Interessenten die Investitionsfreude zu wecken. Nach kürzester Zeit generiete die Unternehmung 15 Millionen Dollar, was nach heutigen Standards etwa einem dreistelligen Betrag entspräche. Ponzis American Dream schien erfüllt.

Der Einsturz der Pyramide

Es heißt, das Geld habe sich so sehr angehäuft, dass es Ponzi kaum noch möglich war, dieses zu lagern, geschweige denn anzulegen. Denn es gab kaum ausreichend Antwortscheine, um die Anlagenachfrage zu decken. Demnach fanden sich die Gelder entweder stapelweise in Schubläden oder Papierkörben wieder.

Das System wurde am Laufen gehalten, indem die Investoren mit Zinsen aus den Neueinlagen ausbezahlt wurden. Dass deren Renditeerwartungen erfüllt wurden, sorgte aber stattdessen dafür, dass die Kette fortgesetzt und mehr Liquidität in den Kreislauf gepumpt wurde. Ponzi sah diese Problematik auch damit gelöst, sich selbst erhebliche Summen der Einnahmen zuzustecken.

Der Höhenflug währte nicht lang. Geweckt wurden die Zweifel durch einen Möbelhändler, der sein Geld zurückforderte – erfolglos. Daraufhin kam ein Journalist der „Boston Post“ nach Recherchearbeiten zu dem Schluss, dass Ponzis Millionengewinne nicht nachzuvollziehen waren. Die Skepsis trug sich in den Investorenkreisen weiter, bis Ende 1920 die Geschäfte der Old Colony Exchange Company schließlich eingestellt wurden.

Auf Bitten seiner Frau entschied Ponzi seinen Schwindel zu gestehen. Mit dem Geständnis traten auch mehr Details der Machenschaften ans Licht: Bei 40.000 Anlegern hatte Ponzi etwa 15 Millionen Dollar eingeheimst, wovon nicht mehr als 1,5 Millionen übrig blieben. Demzufolge hätte er mehr als 160 Millionen der Antwort-Coupons finanzieren können – tatsächlich befanden sich zu dieser Zeit jedoch nur 27.000 weltweit im Umlauf.

Zwar war Charles Ponzi nicht der erste Anlagebetrüger, der das Schneeballsystem zu seinem eigenen Profil nutzte, jedoch erlangte die Methode erst durch ihn Berühmtheit und wurde nach ihm benannt. Weniger ikonisch verlief dagegen sein restliches Leben: Nach seiner abgesessenen Haftstrafe übte Ponzi verschiedene Jobs aus, die großen Erfolge blieben allerdings aus. Schließlich erlag der verarmte Charles Ponzi in Rio de Janeiro 1949 einem Hirnschlag.

Als Urvater und Namensgeber des Ponzi-Schemas gibt es kaum eine bessere Figur, um die neue Anlagebetrugsreihe einzuläuten. Hier berichten wir über die spannendsten Fälle der letzten 100 Jahre, in denen Anleger getäuscht und um immense Geldsummen gebracht wurden.

Tipp: Lesen Sie hier mehr von unseren Kurznachrichten.

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