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Banken im Social Business

Von Redaktion - 23. Juli 2013

Interview mit Bernhard Flohr, Mitgründer von rethink finance.

Corinna Groner: Die Idee für euer Startup entstand beim Backpacken in Kolumbien. Das müsst ihr uns genauer erzählen!
Bernhard Flohr: Ich war damals im Auslandssemester in Barranquilla und Gibran hat mich dort besucht. Wir hatten dort bei langen Busfahrten und Abenden in der Hängematte viel Zeit nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Vorher hatten wir ein Dossier in der ZEIT von Wolfgang Uchiatus über Auswirkungen von Geldanlagen gelesen (http://www.zeit.de/2011/21/DOS-Streubomben). Dadurch, dass ich damals eine Lebensversicherung bei einem großen deutschen Versicherer hatte, entstand die Idee für rethink finance.

Euer Anspruch ist es das undurchschaubare Finanzsystem transparenter zu machen. Wie kann euer Geschäftsmodell dazu beitragen?
Das Problem ist die Distanz, die es zurzeit zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber gibt. Nachhaltige Finanzprodukte geben den Menschen die Möglichkeit zu verstehen was ihre Euros auf der Bank leisten. Deshalb möchten wir Menschen ein Werkzeug in Form unserer Internetplattform an die Hand geben mit der es einfach wird nachhaltige Finanzprodukte zu begreifen und zu erwerben. Wir legen dabei den Fokus auf eine junge, internet-affine Zielgruppe, denn sie sind die Zukunft der Banken und der Gesellschaft. Die Nutzer werden ab dem 3. Juli die Möglichkeit haben Giro- und Tagesgeldkonten über unsere Plattform zu erwerben. Später wollen wir das Angebot um andere Finanzprodukte erweitern. Auch Finanzprodukte mit größerem Volumen wollen wir anbieten, denn umso größer ist auch der Einfluss auf die Unternehmen. rethink finance orientiert sich am Modell des social business. Das Unternehmen handelt nicht gewinnmaximierend, sondern ethisch und ökologisch, unter der Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit.

Wenn ihr euch was wünschen dürftet. Wie soll rethink finance in einem und in drei Jahren aussehen?
Wir streben an in einem Jahr 1 Million Euro zu nachhaltigen Geldanlagen hin umgelenkt zu haben. Und vielleicht ist rethink finance ja bald schon überflüssig, wenn alle Banken nachhaltige Finanzprodukte anbieten.

Was macht euer Gründerteam so einzigartig?
Einzigartig ist unsere intrinsische Motivation! Wir sind begeistert von nachhaltigen Geldanlagen und wollen andere Menschen davon überzeugen. Auch fachlich haben wir das nötige Know-how. Wir sind in der Finanzwelt bewandert und kennen uns mit wirtschaftlichen Zusammenhängen aus. Zusätzlich haben wir alle drei die „Gründer-Kompetenz“, das heißt wir haben die nötige Persönlichkeit, die man braucht um ein Unternehmen zu gründen.

Inwiefern haben Stakeholder die Möglichkeit auf nachhaltige Investitionen von Unternehmen einzuwirken?
Als besonders wirksame Anlagestrategie bei nachhaltigen Geldanlagen hat sich der Engagement-Ansatz herausgestellt (siehe Impact-Studie von oekom research). Da unsere Produktpalette zunächst einmal nur Giro-und Tagesgeldkonten enthalten wird, wird es erst mal keine Möglichkeit für Engagement geben. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir allerdings weitere Finanzprodukte integrieren, die ein aktives Engagement der Crowd möglich machen. Geld kann Gutes bewirken lautet euer Credo.

Wie viel Wahrheit steckt in dem Sprichwort „Geld verdirbt den Charakter“?
Wir glauben, dass man Geld nicht generell als etwas Schlechtes betrachten sollte. Natürlich kann Geld den Charakter verderben, aber genauso gut kann es auch positive Dinge bewirken. Beispielsweise eine Behindertenwerkstatt finanzieren oder eine energiesparende Maßnahme in einem Unternehmen ermöglichen.

Welche Rolle spielen Banken bei rethink finance?
Die nachhaltigen Banken in Deutschland sind unsere Partner und wir stellen ihre Produkte unseren Kunden vor. Wir haben das gleiche Ziel und wollen für nachhaltige Geldanlagen ein Bewusstsein schaffen. Den Banken ermöglichen wir die junge Zielgruppe im Internet zu erreichen, die so wichtig für sie sind.

Gibt es ein Schlüsselerlebnis mit Finanzinstituten, das euch zu eurer Geschäftsidee bewegt hat?
Wie bereits erwähnt war die Lebensversicherung der ausschlaggebende Faktor. Der Zeitartikel hat damals aufgezeigt, dass wir über die Versicherung indirekt an der Herstellung von Streubomben beteiligt waren und das konnten wir nicht fassen. Wir fingen an über das Thema zu recherchieren und im Internet wurde das Thema nur sehr spärlich behandelt, so lag es auf der Hand eine Internetplattform dafür zu schaffen.

Ihr seid für einen Tag das Führungstrio der Deutschen Bank. Wie sehen eure ersten Amtshandlungen aus?
Zunächst einmal würden wir alle Assets auf Nachhaltigkeit prüfen lassen und die sozial-ökologische Rendite stärker in den Vordergrund stellen. Als nächstes würden wir selbstverständlich eine Vertriebspartnerschaft mit rethink finance eingehen, um uns nicht den großen jungen Kundenstamm entgehen zu lassen.

Vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen euch viel Erfolg bei eurer Geschäftsidee!

Foto von rethink finance – www.rethinkfinance.de

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