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Self banking

Von Redaktion - 14. Juni 2013

Bankkunden werden flügge. Ein Blick ins Internet zeigt, dass die Einschränkungen im heimischen Nest groß sind. Selbstberatung ist ein Weg, um die Kontrolle über das eigene Vermögen zurückzugewinnen. Das Vertrauen der Deutschen in die Bank- und Versicherungsbranche bleibt weiterhin auf Talfahrt. Die Anlageberatung hat einen schweren Stand. Nicht selten vermuten Kunden das Interesse des Vermittlers überwiege gegenüber einem für sie optimal zusammengestellten Produktportfolio. Und inwiefern werden Berater zum Verkauf bankeigener Produkten angehalten? Beratung auf Provisionsbasis wird viel Misstrauen entgegengebracht. Eine Vergütung nach Stundensatz schafft womöglich bessere Voraussetzungen für Unabhängigkeit. Jedoch muss das knappe Gut Vertrauen bei der Honorarberatung sogar im Voraus entgegengebracht werden.

Aufgrund der vermeintlich fehlenden Beratungsqualität ersparen sich Anleger einen Termin und beraten sich lieber gleich selbst. Zu keiner anderen Zeit hatten Verbraucher besseren Zugang zu Informationen. Das World Wide Web kennt keine Barrieren, auch nicht zum Thema Finanzprodukte. Soziale Medien und deren Netzwerkcharakter beschleunigen die Entwicklung hin zur Selbstberatung. Ohnehin sind Bankgeschäfte per Internet nicht mehr wegzudenken. Jeder zweite Deutsche nutzt Online-Banking, gab der Hightech-Verband BITKOM bekannt. Filialen werden oft nur noch für simple Serviceleistungen besucht. Aktien, Fonds und ETFs werden bequem von zu Hause aus geordert.

Eine Reihe alternativer Plattformen legt den Fokus auf ETFs (Exchange Traded Funds). „Sie sind Ihr bester Vermögensmanager“, behauptet justETF und dabei ist nicht einmal Finanzwissen vonnöten. In Anlehnung an Musterportfolios soll das persönliche Portfolio nachgebildet werden, welches die eigene strategische Asset Allokation widerspiegelt. Eine so genannte Rebalancing Funktion reagiert auf Marktschwankungen und berechnet Orderlisten, um die ursprüngliche Anlagestruktur aufrecht zu erhalten. E-Mails weisen auf Handlungsbedarf hin. Yavalu, das jüngst von FinanceScout24 übernommen wurde, zielt ebenfalls auf die persönliche Finanzplanung ab. Ein Anleger-Test ermittelt die Strategie und den passenden Anlagevorschlag. Via E-Mail bekommen die Kunden Empfehlungen zum Kauf und Verkauf. Beide Anbieter haben eine kostenfreie Basis-Version und eine Premium-Mitgliedschaft im Programm. Nur die Premiumangebote beinhalten die unabdingbare Kontrollfunktion.

Kunden des britischen Anbieters Nutmeg eröffnen direkt ein Depot, welches wiederum bei einer Depotbank liegt. Nur 10 Minuten trennen die Anleger von ihrem Portfolio, heißt es vielversprechend. Vorab gilt es die finanzielle Situation zu ermitteln sowie Investitionssumme, Risikoeinstellung und Anlagehorizont festzulegen. Das Portfolio wird von einem Investment-Team überwacht, inklusive monatlichem Rebalancing. Die jährliche Verwaltungsgebühr startet bei 1 Prozent des angelegten Vermögenwerts und kann mithilfe eines Kundenbindungsprogramms gesenkt werden. Investitionen oder Weiterempfehlung an Freunde helfen Anlegern dabei Muskatnüsse anzusammeln. Die Plattform ist nur für Anleger mit Wohnsitz in Großbritannien verfügbar.

Mehr als 900 ETFs gibt es in Deutschland. Während Banken nur einen Auszug anbieten, halten die Portale eine uneingeschränkte Auswahl aller Fondsgesellschaften und deren ETFs bereit. Was für komplexe Produkte funktioniert kann auch auf Bausparverträge oder Versicherungen übertragen werden. Banken sind hier klar im Nachteil. Wie lange ist ein solches Verfahren noch zu vertreten? Kunden werden die Eigeninteressen der Finanzinstitute im Vordergrund wähnen. Bevor man also tatenlos zuschaut, wie sich Kunden in die Selbstberatung stürzen, sollte die Produktsegmentierung überdacht werden. Ein erster, essentieller Schritt in Richtung Kundenbindung.

Foto von Christoph Meyer

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