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Crowdinvesting: Wenn Investoren für Ideen schwärmen

Von Julian Achleitner - 17. Juli 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles ist im steten Wandel, auch die verschiedenen Arten der Unternehmensfinanzierung. Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für viele Jungunternehmer nur schwer zu finanzieren. Crowdinvesting eine Alternative zur Geldbeschaffung. Doch der Investor muss auch hier sein Risiko kennen und einschätzen.

Bei der Diskussion um die Zukunft des deutschen Wirtschaftsstandorts wird der Begriff „Entrepreneurship“ häufig verwendet. Das Unternehmertum liefert einen wertvollen volkswirtschaftlichen Beitrag hinsichtlich Beschäftigung, Ausbildung sowie internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Gerade junge Unternehmen sorgen für einen kontinuierlichen Strom an notwendigen Innovationen, die technologischen Fortschritt ermöglichen und so die Grundlage für Wachstum und Wohlstand bilden.
Der Schritt in die Selbstständigkeit ist aber mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden. So ist einerseits die Liquidität jederzeit sicherzustellen und anderseits muss ein Unternehmen am Markt langfristig rentabel agieren. Vor allem wird in frühen Phasen der Selbstständigkeit Startkapital für die Realisierung von Geschäftsvorhaben benötigt. Künftige Mittelzuflüsse – und damit die Basis für Kreditrückzahlungen – sind schwer abzuschätzen. Daneben verfügen viele Selbstständige und Kleinstbetriebe häufig über keine (hinreichenden) Sicherheiten. Sie haben daher einen besonders schwierigen Zugang zu Fremdkapital und sind für klassische Geldgeber oft nicht attraktiv.
Als alternative Finanzierungsquellen neben Business Angels und öffentlichen Förderprogrammen bedienen noch Venture-Capital-Gesellschaften (VC) den Markt. Allerdings hat das Finanzierungsvolumen von VC in Deutschland nach 2005 volumenmäßig kontinuierlich abgenommen mit Ausnahme des vergangenen Jahres. Die Gründerszene (nicht nur) in Deutschland wird daher mit den Finanzierungslücken in den frühen Unternehmensphasen vor große Herausforderungen gestellt. Genau dieser Mangel bzw. das Bedürfnis nach Frühfinanzierungskapital bietet der Crowdfunding- Bewegung ihre Nischenberechtigung. Denn wer heute in einer modernen Netzwerkökonomie finanzielle Mittel für seine Unternehmung benötigt, kann alternativ auf die Beteiligung von privaten Investoren hoffen. Die zuvor genannten Probleme in der Gründerphase können durch eine Finanzierung über eine Vielzahl von kleineren Geldgebern (Crowd) gelöst oder abgemildert werden.
Der Begriff Crowdfunding lässt sich in mehrere Unterkategorien aufteilen. Die Kategorisierung basiert in der Regel darauf, welche Gegenleistung die Investoren für Ihre Beteiligung erhalten. Eine der Unterkategorien stellt das Crowdinvesting dar. Das Crowdinvesting beschreibt eine Finanzierungsform, die ausschließlich renditeorientiert und somit auch mit gewissen Risiken verbunden ist. Derzeit werden primär Start-Ups sowie kleine und mittlere Unternehmen über Crowdinvesting finanziert, insbesondere um die Frühphasenfinanzierungslücken zu schließen.
Der Investor geht beim Crowdinvesting Risiken ein, die zum Teil nur schwer einzuschätzen sind. Er partizipiert an künftigen Zahlungsströmen des Unternehmens oder an der Entwicklung des Unternehmenswertes. Renditehoffnungen für den Investor beruhen oftmals auf einem möglichen Exit-Erlös durch einen Unternehmensverkauf oder einer -übernahme. Abhängig vom gewählten Beteiligungsinstruments und Finanzierungssumme fallen Crowdinvesting-Finanzierungen somit in den Regulierungsbereich der BaFin. Dies stellt einen weiteren elementaren Unterschied zu den spendenbasierten und auf non-monetären Gegenleistungen beruhenden Formen des Crowdfunding dar.
Für einen interessierten Investor ist eine adäquate Einschätzung des Geschäftsmodells samt seiner Chancen und Risiken eine enorme Herausforderung. Denn aufgrund des erst kurzen Bestehens sind bewertungsrelevante Daten von Start-Ups kaum verfügbar. Für die Investitionsentscheidung spielt aber gerade die kommunizierte Unternehmensbewertung eine zentrale Rolle. Die Bewertungsmethodik im Crowdinvesting ist seitens des finanzierungssuchenden Unternehmens aber meist frei wählbar und kann deshalb zu Interessenskonflikten führen. Dieser Trade-Off ist typisch für die Finanzierung von jungen Unternehmen.
Es bleibt also die Frage, ob die Investoren bei gängiger Praxis ein angemessenes Bewusstsein für die bestehenden Risiken einer Beteiligung entwickeln können. Aufgrund der langen Beteiligungsdauer und der weitgehend noch unerforschten und jungen Investitionsform ist bisher nicht absehbar, ob die durch Crowdinvesting finanzierten Unternehmen genügend Liquidität generieren, um ihre Verbindlichkeiten mittel- bis langfristig aus eigener Kraft begleichen zu können. Für eine ausgewogene Analyse fehlen die notwendigen (erfolgreichen) Praxisfälle. Echte Erfolgsgeschichten auf Seiten der Investoren sind in Deutschland bisher noch nicht zu verzeichnen, denn die bisherige Diskussion und Beobachtung beschränkt sich vielmehr auf das erfolgreiche Einsammeln von Liquidität für die Unternehmen.
Aus der Sicht potenzieller Gründer ist die unzureichende Versorgung mit Finanzierungsmitteln gerade in frühen Phasen der Unternehmung ein zentrales Problem. Daher begrüßen wir die Anstrengungen der Crowdinvesting-Bewegung aus volkswirtschaftlicher, insbesondere wachstumspolitischer Sicht. Die Förderung dieser Entwicklung darf allerdings nicht ohne Reflexion der Risiken und der noch jungen Historie erfolgen. Zudem besteht zwingender Handlungsbedarf, den bestehenden Informationsasymmetrien und Interessenkonflikten zwischen den Gründern, den Finanzierungs-Plattformen und den Investoren entgegenzuwirken.
Die aktuelle Studie finden Sie hier.

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