Jetzt Mitglied werden

Professionelles Working-Capital-Management kann Insolvenzen verhindern

Ob Air Berlin oder Toys`R`Us: Nachrichten über Insolvenzen von großen, bekannten Marken beherrschen häufig wochenlang die Medien. Doch viele der mehr als 10.000 Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2017 verlaufen ohne großes Aufsehen. Dabei sind die Folgen enorm.

Von Christian Mangold - 01. Dezember 2017

Zahlreiche Insolvenzen kleiner bis mittlerer Unternehmen verlaufen ohne großes öffentliches Aufsehen – doch ihre Folgen sind enorm. Bildnachweis: iStock.com/erhui1979

Die Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen beliefen sich nach Angaben der Amtsgerichte in den ersten sechs Monaten 2017 auf mehr als neun Milliarden Euro. Auch wenn die Ursachen einer Insolvenz meist vielschichtig sind, so ist die Zahlungsunfähigkeit doch häufig auf Management-Fehler zurückzuführen: Eine Umfrage unter Insolvenzverwaltern (Quelle: Euler Hermes und Zentrum für Insolvenz und Sanierung/Universität Mannheim) ergab, dass fehlendes Controlling (79 Prozent Zustimmung), Finanzierungslücken (76 Prozent Zustimmung) und unzureichendes Debitorenmanagement (64 Prozent Zustimmung) die meist genannten Insolvenzursachen sind.

Alle drei Faktoren in Summe bestätigen damit die fehlende Liquiditätssteuerung als Hauptgrund für die Insolvenz. Das professionelle Finanzmanagement ist daher in jedem Unternehmen, egal welcher Größe, von höchster Bedeutung. Im Mittelpunkt sollte, gerade für verarbeitende Unternehmen und Händler, die Optimierung des Working Capital stehen. Unter Working Capital versteht man die Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ist das Ergebnis positiv, heißt dies, dass Umlaufvermögen (oder ein großer Teil davon) mit langfristig zugänglichem Kapital finanziert wird. Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass das Umlaufvermögen nicht ausreicht, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten auszugleichen. Als wichtige Controlling-Kennzahl sollten Unternehmen deshalb immer das Working Capital im Blick haben und laufend optimieren.

Damit lassen sich bereits viele Insolvenzursachen im Keim ersticken, gerade auch, weil der Markt immer mehr Finanzierungsoptionen anbietet, auch jenseits des Bankkredites. Diese Optionen, wie zum Beispiel Factoring oder das Warenstreckengeschäft – neudeutsch „Finetrading“ genannt – sind bestens geeignet, das Working Capital professionell zu managen. Im Gegensatz zur anglo-amerikanischen Geschäftswelt steckt das sogenannte „Trade Finance“ in Form von Finetrading in Kontinentaleuropa das Volumen betreffend allerdings noch in den Kinderschuhen.

Finetrading bringt kurzfristig Liquidität – zusätzlich zur Hausbank-Linie

Dabei bietet sich gerade das Finetrading an, Working Capital langfristig sicher aufzustellen, stellt es doch kurzfristige Liquidität für Einkauf, Lagerhaltung und Absatzförderung bereit: Als unternehmerischer Partner und Zwischenhändler übernimmt der Fintrader bis zu 100 Prozent des Beschaffungsvolumens. Der Finetrader erwirbt also die Waren für den Händler beim Lieferanten und räumt dem Händler dann ein Zahlungsziel für den Weiterverkauf ein. Über die durch den Finetrader bereitgestellte Einkaufslinie kann das Unternehmen flexibel Bestellungen abwickeln. Zusätzliche Aufträge können damit ohne Liquiditätsverlust bearbeitet werden und Bestandteile des Lagers so kurzfristig in Liquidität umgewandelt werden.

Damit lässt sich gerade bei Unternehmen, die bei hohem Rohertrag rasch wachsen (z.B. Fashion- oder Spielzeughändler, aber auch Maschinenbauer) das Working Capital optimieren. Speziell in diesen Bereichen wirken moderne Warenstreckengeschäfte am effektivsten – neben den herkömmlichen Finanzierungslösungen wie beispielsweise Banklinien oder Forderungsverkauf. Die Vorteile einer Einkaufs- und Absatzfinanzierung für den Hersteller beziehungsweise Händler sind folgende:
1. Mit der zusätzlichen Liquidität können beim Lieferanten Skonti gezogen werden.
2. Die Beziehung zu den Lieferanten verfestigt sich durch Mehrabnahme und Mehrauslastung.
3. Das externe Rating (etwa über Euler Hermes) der Kunden verbessert sich.
4. Bilanzkennziffern (etwa Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen versus Bankverbindlichkeiten) können optimiert werden.

Auswahl der Partner muss überlegt sein

Mit der Einkaufsfinanzierung lässt sich darüber hinaus eine vorausschauende Finanzplanung umsetzen und alternative Liquiditätsquellen erschließen, bevor ausgeschöpfte Banklinien und hohe kurzfristige Lieferantenforderungen das weitere Wachstum hemmen oder die Zahlungsunfähigkeit droht. Da Finetrading ein relativ junger Markt ist, gilt es für Unternehmen, bei der Auswahl der Partner auf einige Kriterien zu achten, zum Beispiel bei der Art der Refinanzierung: Es ist beispielsweise von Vorteil, wenn der Finetrader dabei auf Eigenmittel zurückgreifen kann und nicht über Warenkreditversicherungen refinanzieren muss.

Lesen Sie auch

„Der Markt wächst und wir wachsen mit“

Crowdlending-Plattformen wie kapilendo erfreuen sich auch auf dem[…]

Daniel Fernandez

Amazons Angriff auf die Banken?

Dass sich Technologiefirmen wie Amazon, aber auch Facebook,[…]

Dirk Piethe

ING-DiBa überzeugt mit Online-Autokredit

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien mbH (DtGV) hat[…]

Christian Grosshardt

„Chancen sind da, Risiken stehen dahinter“

Durch den steigenden Bedarf an Immobilien sowie das[…]

Daniel Fernandez
Im Jahr 2016 gab es gute Wachstumschancen für Kreditbanken

Digitalisierung bietet gute Wachstumschancen für Kreditbanken

Frankfurt am Main – „Die Digitalisierung bietet gute[…]

Daniel Fernandez

„Wir haben keine 15 Jahre mehr“

Kleinere Unternehmen sind auf die Vergabe von Krediten[…]

Christian Grosshardt

Neue Finanzierungsrunde abgeschlossen – LIQID will wachsen

Berlin – Der digitale Vermögensverwalter LIQID hat eine[…]

Christian Grosshardt

Mensch oder Maschine? Nein: Mensch UND Maschine!

Auch bei Konsumentenkrediten ist es sinnvoll und erfolgversprechend,[…]

Nils Wetterich

„Aus dem Nischenstatus in den Massenmarkt“

Im Sommer des vergangenen Jahres ging die Rocket-Internet-Tochter[…]

Philipp Scherber

GLS Bank setzt Dispozins auf null Prozent

Bochum. Zum 01. November werden Dispozinsen bei der[…]

Christian Grosshardt

digital account check – Digitale Kreditentscheidung auf einen Blick

Advertorial: Wer die Angaben eines Kreditantragstellers validieren will,[…]

Seitenwechsel – Jain zu Fintech

Anshu Jain kehrt den Banken den Rücken und[…]

Philipp Scherber

VR-Banken steigern ihren Marktanteil im Kreditgeschäft

„Wir sind im Kreditgeschäft weiter auf der Überholspur!“,[…]

Christian Grosshardt

„Die Leute brauchen Finanzprodukte – das ist unsere Existenzberechtigung!“

Das Internet ist eine große Chance für Verbraucher,[…]

Thorsten Hahn

Unternehmens-Kredite: „Private Immobiliendarlehen“

Berlin. Unternehmer, ob etabliert oder gerade erst gegründet,[…]

Christian Grosshardt

Bauboom durch Niedrigzinsen

Das derzeit billig zu habende Geld mag den[…]

Julian Achleitner

Niedrigzins trifft Bausparkassen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft nun[…]

Julian Achleitner

Schwärmen vom Schwarm: Crowdinvestments als Anlagealternative

Egal ob Sparbücher, Festgelder oder Tagesgeldkonten – der[…]

Dirk Littig

Gemeinsam Gutes tun

Genossenschaftsbanken sind mit ihrer Region stark verwurzelt. Um[…]

Michael Schiefer

Big Bafin is watching you

Nachdem bereits Lebensversicherungen den Schatten der Finanzaufsicht hinter[…]

Christian Grosshardt

Lockerung der Kreditanträge

Immer mehr Menschen haben bei ihren Banken im[…]

Christian Grosshardt

Der größte Raubzug der Geschichte

Autoren: Matthias Weik und Marc Friedrich Euro: 9,99[…]

Christian Grosshardt

Crowdinvesting: Wenn Investoren für Ideen schwärmen

               […]

Julian Achleitner

Inkubator – Der Brutkasten für Startups

Kommen Kinder zu früh auf die Welt, müssen[…]

Julian Achleitner

Kredit bei der Bank war gestern…

…so wollen es die Brüder Samwer sehen. Ihren[…]

Julian Achleitner

Zankapfel Dispozinsen

Seit Jahren wird die Bankbranche für überhöhte Dispozinsen[…]

Thorsten Hahn

Bankprodukte sind gleich – denkste!

ING-Diba schafft ab, was die Berliner schon abgeschafft[…]

Thorsten Hahn

Die nächste Blase

Crowdfunding – Was passiert, wenn Lieschen Müller mehr[…]

Thorsten Hahn

Protest in Frankfurt: Im Keim erstickt

Nicht die Blockupy-Bewegung hat am vergangenen Wochenende die[…]

Thorsten Hahn

Bankinnovationen und Rohrkrepierer

Wie viel Bankinnovation braucht der deutsche Finanzkunde? Manchmal[…]

Thorsten Hahn

Gute Kreditqualität (noch?)

Letzte Woche senkte Fitch das Rating für etliche[…]

Thorsten Hahn

Staatsanleihen sind sicher

Zu gerne wird auch aus dem Lager der[…]

Thorsten Hahn

Basel III ist für (fast) alle da

 Dieser Tage mehren sich wieder Stimmen in den[…]

Thorsten Hahn

Kredite für alle!

Mikrokredite im gewerblichen Bereich gewinnen auch in Deutschland[…]

Thorsten Hahn

Hybride Märkte die DLD-Conference

Da sieht man den Porsche Cayenne vor Aldi[…]

Thorsten Hahn