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Der SDG-Score: Kein Heilsbringer für nachhaltige Entwicklung

Das Zwischenfazit der Vereinten Nationen zum Erfolg der Nachhaltigen Entwicklungsziele ist ernüchternd. Bis zum Jahr 2030 lassen sich die hochgesteckten Vorsätze wohl nicht mehr erreichen. Die Sustainable Development Goals der UN haben dennoch wichtige Fortschritte gemacht, meint Samuel Drempetic, Head of Ethics and Sustainability.

Von Samuel Drempetic - 18. Dezember 2020
SDG-Kriterien der UN, Nachhaltigkeit, Sustainable Finance

Foto: istock.com/kotoffei

Sehr nüchtern beurteilt der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, den Status quo der UN Entwicklungsziele im Bereich Nachhaltigkeit. Er sagt: „Der Sustainable Development Goals Report 2020 fasst die neuesten Daten zusammen, um uns zu zeigen, dass vor der COVID-19-Pandemie die Fortschritte ungleichmäßig waren und wir nicht auf Kurs waren, die Ziele bis 2030 zu erreichen.“

Die Sustainable Development Goals, kurz SDG, sind nicht der erste Versuch der Staatengemeinschaft, den Kampf gegen Hunger und Armut entscheidend voranzutreiben. Dieses Ziel hatten eigentlich bereits die Millennium Development Goals. Nun wird erstmals auch die Wirtschaft einbezogen, der wohl wichtigste Fortschritt der neuen Nachhaltigkeitsagenda. Auch Unternehmen sollen ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten.

Kultur spielt eine große Rolle

Dass die SDG in der Wirtschaft so einen Widerhall erfahren, ist durchaus bemerkenswert. Vor allem die Finanzwelt – für die in den SDG kein eigenes Ziel formuliert wurde – ist auf den Zug aufgesprungen. Ein Grund für den Erfolg in der Finanzwirtschaft ist unter anderen, dass viele nachhaltige und zunehmend auch konventionelle Investoren nach einem Rahmenwerk zur Nachhaltigkeitsbewertung suchen. Eine solche Bewertung kann nicht im luftleeren Raum stattfinden, sondern benötigt ein Gerüst, an dem man ein Unternehmen und die Nachhaltigkeitsleistung messen kann.

Wenn es darum geht, Nachhaltigkeit zu begründen und nachvollziehbare Kriterien aufzustellen, spielen Kultur und gesellschaftliche Prägungen eine große Rolle. Christliche Investoren können Bewertungs- und Ausschlusskriterien aus theologischen Überlegungen ableiten. Aber auch hier sieht man bereits Länderunterschiede. So setzt etwa die gemeinsame Richtlinie zu ethischen Geldanlagen, kurz FinAnKo, der Österreichischen Bischofskonferenz und der Ordensgemeinschaften Österreich eigene Akzente. Viele Kriterien sind aber auch gleich. Die SDG bieten nun eine Zielrichtung, mit der sich auch viele nicht christliche Investoren identifizieren können.

Fast jede Nachhaltigkeits-Ratingagentur bietet mittlerweile ein Tool an, dass darstellt, welchen Beitrag Investitionen zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele leisten. Die SDG-Messung wird so für nachhaltige Investoren zur Erweiterung der ESG-Kriterien (Environmental, Social and Corporate Governance). Vereinfacht könnte man nun sagen, dass der SDG Score angibt, was ein Unternehmen im Feld der Nachhaltigkeit macht.

Demgegenüber trifft der ESG-Score eine Aussage darüber, wie gut der Beitrag des Unternehmens ist. Natürlich ist diese Aussage nicht in jeder Hinsicht korrekt. Aber sie verdeutlicht einen wesentlichen Unterschied der beiden Methoden. Denn die SDG-Messung konzentriert sich meist auf die Frage, womit ein Unternehmen sein Geld verdient und ob die entsprechenden Dienstleistungen oder Produkte helfen, einzelne Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Durch die jeweiligen Umsatzanteile des Unternehmens werden die verschiedenen Dienstleistungs- oder Produktgruppen dann zu einer Zahl verdichtet. Dabei spielt es erst einmal keine große Rolle, wie genau das Produkt zustande kommt. So werden zum Beispiel weder die Arbeitsbedingungen noch die angewendeten Methoden bewertet.

Kriterien wie Tierversuche

Ein eingängiges Beispiel bietet die Pharmaindustrie. Zahlreiche SDG-Scores folgen einer einfachen Annahme: Wer Medikamente produziert, fördert nachhaltige Entwicklung. In diesem konkreten Fall ist das SDG Ziel Nummer drei „Gesundheit und Wohlergehen“ gemeint. Zu beurteilen, wie und wo diese Medikamente eingesetzt werden, stellt für die meisten SDG-Bewertungen eine zu komplexe Herausforderung dar. Deswegen haben viele Pharmaunternehmen einen relativ guten SDG-Score.

Die Branche der Medikamentenhersteller schneidet in diesem Fall also sehr gut ab. Dieses Ergebnis steht allerdings im Gegensatz zu vielen ESG-Bewertungen. Denn hinsichtlich ihres ESG-Scores hat sich die Pharmaindustrie bislang nicht ausgezeichnet und rangiert eher unterdurchschnittlich. Hinzu kommt, dass die Branche vielen ethisch-nachhaltigen Investoren durchaus Probleme bereitet – gerade was Ausschlusskriterien wie Tierversuche oder verbrauchende Embryonenforschung betrifft. Unabhängig davon, wie man zu den Ausschlusskriterien steht, bleibt festzuhalten, dass die SDG-Messung mit den aktuell gängigen Messmethoden allein keinen Heilsbringer für eine nachhaltige Entwicklung darstellt. Aber sie ist eine sinnvolle Ergänzung im Methodenköcher nachhaltiger Investoren.

SDG: Sinnvolle Ergänzung im Methodenköcher

Selbstverständlich werden sich in den nächsten Jahren auch die Methoden der SDG-Messung der Ratingagenturen verbessern. Doch sowohl Investoren als auch Unternehmen muss klar sein, dass ein einfaches Mapping von Dienstleistungen und Produkten zu den SDG nicht die Transformation des ökonomischen, des politischen und des Finanzsystems darstellt, wie es von den 17 Nachhaltigkeitszielen erwartet wird.

Auch die Finanzwelt muss in den kommenden zehn Jahren noch viele Anstrengungen unternehmen, um die Ziele der Vereinten Nationen wirklich zu erreichen.

Samuel Drempetic

Steyler Ethik Bank

Samuel Drempetic ist Head of Ethics and Sustainability bei der Steyler Ethik Bank.

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