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Die Girocard: Das Schweizer Taschenmesser der Deutschen Kreditwirtschaft

Von Rudolf Linsenbarth - 26. Januar 2015

Die Girocard ist wie das bekannte Offiziermesser aus der Schweiz – vielseitig einsetzbar. Nun soll auch die NFC-Technik mit tatkrätiger Unterstützung der Girocard ihren endgültigen Durchbruch in Deutschland finden. Ab Mitte diesen Jahres beginnen Volks- und Raiffaisenbanken ein Pilotprojekt im Großraum Kassel.

Haben Sie schon mal die Anzahl der Logos auf Ihrer Girocard gezählt? Je nach herausgebendem Kreditinstitut sind es wahrscheinlich zwischen drei und fünf. Zwischen den Karten der einzelnen Institute gibt es selten eine identische Kombination. Was aber alle Karten gemein haben, ist das Girocard-Logo. Die Girocard-Funktionalität, landläufig auch als EC Karte bezeichnet, ist damit die Klammer zwischen all den unterschiedlichen Produkten im deutschen Markt. Dem Kunden ermöglicht sie, im deutschen Einzelhandel mit Karte und PIN bargeldlos zu bezahlen.
Die anderen Logos lassen sich in drei weitere Funktionen gruppieren. Da wäre zunächst einmal das Abheben von Bargeld am Automaten. Durch die entsprechend Kennzeichnung erfährt der Kunde welche Automaten anderer Institute, gegeben falls auch kostenfrei, unterstützt werden. Die zweite Gruppe bezieht sich auf den Einsatz der Karte im Ausland. Dies wird meist über ein sogenanntes Co-Branding mit Maestro oder V-Pay realisiert. Als Letztes sei noch die Geldkarte erwähnt. Hier gibt es auf einigen Karten bereits zwei Logos, eine für die klassischen Geldkartenfunktionen und die andere für solche Karten, die auch die kontaktlose Schnittstelle unterstützen.

Wie geht’s weiter mit der Girocard?

Die Funktionalität der Girocard ist damit aber noch nicht erschöpft. Der Handel nutzt sie eigenständig um damit Lastschriften abzuwickeln und bei einigen Banken ist sie Grundlage zur TAN Generierung. Selbst das Aufbringen einer Signatur Funktion ist bereits möglich.
Wie aber sieht es mit der Weiterentwicklung des Kernprodukts Girocard aus? Weltweit gibt es einen Trend zu kontaktlosen Zahlungen und der NFC Technik. Die internationalen Schemes Mastercard und VISA haben sich bereits seit Jahren in Stellung gebracht. Wenn die Deutsche Kreditwirtschaft nicht reagiert besteht die Gefahr, dass das Ankerprodukt im Zahlungsverkehr an Bedeutung verliert.
Unter Federführung des BVR dem Spitzenverband der Volks- und Raiffeisenbanken, hat sich jetzt eine Gruppe von Banken entschlossen die Girocard mit einer kontaktlosen Schnittstelle auszustatten. Eine gute und überfällige Entscheidung! Mit einem Anteil von über 50% am unbaren Zahlungsverkehr, sah es lange Zeit so aus, als ob jeglicher technischer Fortschritt an diesem Produkt vorbei geht. Für den Kunden bedeutet es, dass er in Zukunft Beträge unter 20€ nur durch Anhalten der Girocard an das Terminal begleicht. Bei Summen darüber muss anschließend noch eine PIN am Terminal eingegeben werden.

Probieren geht über Studieren

Mitte 2015 startet hierfür ein Pilot im Großraum Kassel. Neben den Volks- und Raiffeisenbanken überlegen auch einige Privatbanken, sich diesem Test anzuschließen. Die Sparkassen werden aber nicht teilnehmen. Wobei so ganz stimmt das nicht. In diesem Test treten beide kontaktlos Produkte der Deutschen Kreditwirtschaft an. Also „GIROGO“ die kontaktlose Geldkarte (diese Lösung wird von den Sparkassen favorisiert) und „GIROGO Debit“ die kontaktlose Girocard. Dem Handel ist es dabei frei gestellt, ob er sich nur für eine oder beide Bezahlvarianten entscheidet. Es ist natürlich zu hoffen, dass beide Bezahlvarianten den Weg zum POS finden. Anschließend wird der Kunde entscheiden, ob beide Varianten für ihn praktikabel sind oder sich nur eine von beiden Varianten durchsetzen wird. GIROGO (Geldkarte) könnte es dabei etwas schwerer haben, da es als Prepaid Produkt von einem komfortablen Auflademechanismus abhängt. Außerdem sind bei GIROGO (Geldkarte) Zahlungen über 20€ kontaktlos nicht möglich. Aber zumindest hat man sich auf eine gemeinsame Grenze geeinigt. Ab Juni 2015 heißt es dann im Großraum Kassel bis 20€, Girocard an der Kasse vorhalten und schon ist bezahlt. Dann gibt es auch ein weiteres neues Logo auf Ihrer Girocard.

Bildnachweis: Anterovium über istockphoto.de

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